Freitag, 17. August 2018
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1250 Jahre Kirchanhausen: Bewohner stellten funktionierende Dorfgemeinschaft bei großer Jubiläumsfeier unter Beweis

"Kleiner Ort mit großer Tatkraft"

Kinding
erstellt am 12.06.2018 um 17:53 Uhr
aktualisiert am 16.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Kinding (lun) Unter dem Motto "Kleiner Ort mit großer Vergangenheit" feierte Kirchanhausen mit vielen Gästen unter weißblauem Himmel einen gelungenen Festakt zum Jubiläum der erstmaligen Nennung vor 1250 Jahren.
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?Vivat ? Crescat ? Floreat?: Die Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft weihten das Kunstwerk des Eichstätter Bildhauers Rupert Fieger (rechts) am Dorfplatz zum Kirchanhauser Jubiläum mit den Bürgern ein. 
"Vivat - Crescat - Floreat": Die Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft weihten das Kunstwerk des Eichstätter Bildhauers Rupert Fieger (rechts) am Dorfplatz zum Kirchanhauser Jubiläum mit den Bürgern ein. 
Foto: Lund
Kinding
"1250 Jahre Geschichte flößen Respekt ein und geben Anlass, über das ,Hier und Jetzt' zu reflektieren", leitete Domkapitular Josef Funk den sehr gut besuchten Festgottesdienst in der mit stilvollem Blumenschmuck dekorierten Kirche Mariä Opferung ein. Funk erinnerte daran, dass die Gründung des Klosters "Aohhusun" in den Beginn der Epoche des frühen Mittelalters falle.

Der damalige Bischof Bonifatius hatte bereits die Brüder Willibald und Wunibald auf das Festland geholt, die das Christentum in unserer Region verbreiteten. "Die Entscheidungen der Menschen von damals bilden somit das Fundament für die Gegenwart", sagte der Theologe mit Blick auf die Religion.

Ob diese Säulen heute und in Zukunft noch tragen, das hänge von jedem Einzelnen ab. Ohne Eindeutigkeit gebe es keine Identität, sondern nur Beliebigkeit. "Wenn wir die kulturellen Zeugnisse, historische Gebäude oder Dokumente von damals bewundern, so geht dies auch mit der Verpflichtung einher, sorgsam mit dem Erbe umzugehen", schloss Funk.

Elisabeth Bassler an der Orgel und Jennifer Schröder-Johnson an der Violine, die den Gottesdienst musikalisch begleiteten, erhielten von den Kirchenbesuchern am Schluss begeisterten Applaus.
Beim sich anschließenden Festakt begrüßte Kindings Bürgermeisterin Rita Böhm zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowie die Bürger der umliegenden Ortschaften. Der Markt Kinding sei stolz, dass Kirchanhausen mit seiner langen und bedeutenden Geschichte zur Gemeinde gehöre, sagte Böhm.

Bundestagsabgeordneter Reinhard Brandl überbrachte Glückwünsche auch stellvertretend für die anwesende Landtagsabgeordnete Tanja Schorer-Dremel und Bezirksrat Reinhard Eichiner. Bereits seine Weihnachtspost 2017 habe das Ortsbild von Kirchanhausen gezeigt, "weil der Ort einfach so wunderschön im Altmühltal liegt". Mit einem großen Lob für "die starke, gelebte Dorfgemeinschaft" verband Brandl den Wunsch, dass diese auch in Zukunft so stark sein möge.

Landrat Anton Knapp würdigte die lang zurückreichenden Wurzeln des Ortes und den Zusammenhalt der Gemeinschaft, der durch dieses Fest gestärkt werde. Kreisheimatpfleger Karl Heinz Rieder ergänzte dazu, "dass wir das Hier und Heute, die Gegenwart, nur bewältigen können, wenn wir auch Kenntnis von unserer Geschichte haben".
Mit einem Geburtstagsgeschenk des Marktes Kinding - drei Stein-Stelen des Eichstätter Bildhauers Rupert Fieger am Brunnen in der Ortsmitte - sollen sich auch kommende Generationen noch an das Jubiläum erinnern. Die Bürgermeisterin enthüllte gemeinsam mit den Ortssprechern Josef Ascher und Manfred Hiemer das Kunstwerk (separater Kasten). Dieses erhielt anschließend im Beisein der Ehrengäste und der Fahnenabordnungen des Kriegervereins Unteremmendorf und des Schützenvereins Badanhausen von Domkapitular Josef Funk den Segen.

Bei einem Rundgang durch die von Thomas Schweiger erstellte Fotoschau mit Bildern aus den Familienalben der Kirchanhauser Mitbürger zeigte sich die bauliche und gesellschaftliche Entwicklung des "kleinen Ortes mit großer Tatkraft" an der Altmühl. Denn die Ortsgemeinschaft unter der Leitung von Matthias Bauer und Jürgen Meier hatte in den vergangenen Tagen und Wochen mit der Organisation des großen Festaktes alle Hände voll zu tun. Die überraschend vielen Besucher aus den umliegenden Ortsteilen sowie zahlreiche "ehemalige" Kirchanhauser feierten, musikalisch von den Kindinger Dorfmusikanten begleitet, fröhlich mit.

Die Schichten der Geschichte

Mit Zustimmung des Kindinger Gemeinderats und einer Spende der Raiffeisenbank Beilngries beauftragte der Markt Kinding den Eichstätter Bildhauer Rupert Fieger, zum Jubiläum ein Kunstwerk in der Ortsmitte zu errichten.Fieger hatte sich dazu in den vergangenen Monaten mit dem Ort und seiner Geschichte auseinandergesetzt. Die drei unterschiedlich hohen Stelen schaffen eine Verbindung zwischen dem bereits bestehenden Brunnen und dem dahinter liegenden Gelände mit Steinmauer. Alle drei Stelen sind aus Juramarmor und Dolomitgestein. Die einzelnen Schichten werden akzentuiert durch grün schimmerndes Glas. Dies stellt die Verbindung zum Wasser her, das sich in dem historischen Namen "Aohhusun" - was so viel wie "Häuser am Wasser" bedeutet - wiederfindet.

Sowohl die Altmühl als auch die Quelle, die in den Ortsbrunnen fließt, haben für den Ort Kirchanhausen eine große Bedeutung. Aber auch der gesellschaftliche Aspekt ist Fieger ganz wichtig in seinem Werk: "Wir alle haben Eltern, Großeltern, Generationen an Vorfahren, auf die wir aufbauen, Schicht für Schicht. Dies macht uns selbst zum Teil der Geschichte. " Die stilisierte Kirche sowie Häuser im Jurastil ragen nach oben empor, einige Fenster leuchten in Gold. Alle Fragmente wurden an allen vier Seiten jeder Stele plastisch aus dem Stein herausgemeißelt oder eingraviert. Die in den bereits vorhandenen Brunnen neu eingravierte Inschrift in Latein erinnert an die erstmalige Nennung im Rahmen der Beurkundung durch den Klosterherrn Guntheri im Jahr 768 sowie an das diesjährige Jubiläum. Es umfasst ebenfalls ein "Vivat - Crescat - Floreat", den Wunsch, dass der Ort leben, wachsen und blühen möge.
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