Samstag, 15. Dezember 2018
Lade Login-Box.

Im Rahmen der Adveniat-Weihnachtsaktion war Yithzak González Murgas aus Panama zu Gast

Kampf gegen die Perspektivlosigkeit

Eichstätt
erstellt am 07.12.2018 um 10:42 Uhr
aktualisiert am 12.12.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt(EK) Er hat ein klares Lebensziel vor Augen: In seinem Heimatland Panama kämpft Yithzak González, 27, aktiv gegen die Perspektivlosigkeit junger Menschen und für ein christliches Miteinander, soziales Engagement und Umweltschutz. Nun war der junge Panamaer im Rahmen der diesjährigen Adveniat-Weihnachtsaktion zu Gast bei der Katholischen Hochschulgemeinde in Eichstätt.
Textgröße
Drucken
Überzeugend und begeisternd berichtete der junge Panamaer und nationale Koordinator für katholische Jugendarbeit, Yithzak González Murgas, in der KHG von seiner Arbeit im nordpanamaischen Colón.
Überzeugend und begeisternd berichtete der junge Panamaer und nationale Koordinator für katholische Jugendarbeit, Yithzak González Murgas, in der KHG von seiner Arbeit im nordpanamaischen Colón.
Kusche
Eichstätt
In einem lebendigen Vortrag präsentierte er den rund 50 Zuhörern eindrückliche Fotos und Informationen über seine Arbeit in der Hafenstadt Colón und die Vorbereitungen des Weltjugendtags 2019 in Panama. Ob brasilianisches Öl, Früchte aus Ecuador oder Autos aus Deutschland: Waren aus aller Welt passieren tagtäglich den schmalsten Teil Amerikas, den rund 80 Kilometer langen Panamakanal. Rund 1,5 Milliarden US-Dollar an Einnahmen fließen pro Jahr in die panamaische Staatskasse. Doch nirgendwo geht die Schere zwischen Arm und Reich so sehr auseinander wie in dem kleinen mittelamerikanischen Land.

Armut, Perspektivlosigkeit und hohe Kriminalität prägen den Alltag der Mehrzahl der vier Millionen Menschen. "Auch wenn in der Freihandelszone in meiner Heimatstadt Colón jeden Tag zig Millionen Dollar umgesetzt werden, bekommen die Wenigsten, die hier wohnen davon etwas ab", betonte Gonzáles Murgas, der tagsüber als Projektleiter in einem Logistikunternehmen in Colón, abends und am Wochenende indes in der katholischen Jugendarbeit tätig ist.

Für die Zuhörer in der KHG schien es dann kaum vorstellbar, in welchem Kontrast die nordpanamaische Hafenstadt Colón, die als der gefährlichste Ort des Landes gilt, sich seinen Bewohnern präsentiert: Seit die USA die Hoheit über den Kanal 1999 an Panama abgaben, verkommt die Stadt zusehends. Da ist der riesige Hafen mit seiner großen ummauerten Freihandelszone, wo nicht nur Waren aus der ganzen Welt verladen und verschickt werden, sondern auch die Kreuzschiffe ihre Schnäppchenjäger von Bord lassen, um Luxusgüter zu guten Preisen zu erwerben. Und da ist andererseits die marode Innenstadt Colóns, die von Verwahrlosung, Kriminalität, Drogenbandenkriegen und Perspektivlosigkeit geprägt sei, so berichtete Yithzak, dessen Wirkungsort jedoch trotz der großen Gefahren genau hier liegt: "Viele junge Menschen ohne Perspektive auf eine gute Arbeit und Ausbildung sind stark gefährdet, in eine der zahlreichen Banden hineinzurutschen und dort einen vermeintlichen Halt zu bekommen", erklärte er. Denn die Bandenchefs versprächen vielen Jugendlichen, die oftmals für geringen Lohn als Packer oder Träger Schwerstarbeit im Hafen verrichteten, natürlich "schnelles Geld" mit Drogen- oder anderen kriminellen Geschäften.

Als nationaler Koordinator der Jugendarbeit versucht er, solchermaßen gefährdeten Jugendlichen und verwahrloste Kinder von der Straße zu holen, bildet mit Unterstützung des Hilfswerks Adveniat ehrenamtliche Gruppenleiter aus, die Kinder integrieren und stärken, motiviert junge Leute, die vielen Armen und Kranken der Gemeinde zu besuchen, initiiert Armenspeisungen und organisiert Sportwettkämpfe oder spirituelle Tage, bei denen jeder Interessierte mitmachen kann. Zusammen mit vielen anderen engagierten Jugendlichen führt der junge Panamaer jede Weihnachten ein großes Kinderfest für Kinder bedürftiger Familien in sozial marginalisierten Wohngebieten, bei dem Geschenke und Essen verteilt werden: "Ím letzten Jahr waren 700 Kinder dabei", strahlte der rührige junge Mann, aus dessen Gesicht eine unglaublichen Begeisterungsfähigkeit und Überzeugungskraft sprach. Ganz wichtig sei den Jugendlichen auch der Umweltschutz", betont González. Im Rahmen großer Müllsammelaktionen reinigen katholische Jugendgruppen zum Beispiel regelmäßig die Strände der Diözese Colón-Kuna Yala.

Doch für 2019 steht erst einmal ein noch größeres Projekt auf dem Programm der aktiven katholischen Jugendlichen: Im Januar 2019 wird der Weltjugendtag in Panama stattfinden, für den 600.000 junge Menschen erwartet werden. Stolz berichtete González, dass seine Heimatstadt Colón die meisten Gäste, nämlich 6.000, aufnehmen werde. Auch aus der Diözese Eichstätt wird eine kleine Delegation, begleitet von Diözesanjugendseelsorger Clemens Mennicken, nach Panama reisen. Die Vorfreude auf das besondere Ereignis, zu dem Papst Franziskus anreist, aber auch die damit verbundenen Hoffnungen sind groß: "Wir wollen den Weltjugendtag auch dazu nutzen, dass über die Ungerechtigkeit in Panama und in vielen Ländern Lateinamerikas gesprochen wird," betonte Yithzak González nachdrücklich. "Es ist unsere Aufgabe als junge Menschen, darauf aufmerksam zu machen und diese Verantwortung zu übernehmen."
 
Dagmar Kusche
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!