Sonntag, 27. Mai 2018
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Vor Beginn der Landesversammlung des Bunds Naturschutz am Samstag in Eichstätt: Pro und Contra vor Tagungsbeginn

Gegner und Befürworter der Energiewende demonstrieren

Eichstätt
erstellt am 28.04.2018 um 14:01 Uhr
aktualisiert am 02.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Es waren lautstarke Demonstrationen am Samstagvormittag vor dem Alten Stadttheater: Gegner und Befürworter der Energiewende positionierten sich dort und machten ihre Positionen deutlich - parellel und über Lautsprecher. Anlass der Kundgebungen war die Landestagung des Bunds Naturschutz in Eichstätt.
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Mit Schildern, Plakaten und großen Transparenten machten die beiden Gruppen am Samstag vor dem Stadttheater auf ihre Anliegen in Sachen Energiewende aufmerksam.
Mit Schildern, Plakaten und großen Transparenten machten die beiden Gruppen am Samstag vor dem Stadttheater auf ihre Anliegen in Sachen Energiewende aufmerksam.
Schneider
Eichstätt

Nein, sie seien nicht grundsätzlich gegen die Energiewende, betonte Georg Etscheit, der das Buch „Geopferte Landschaften“ herausgegeben hatte und die Gruppe der Initiative Vernunftkraft Bayern e.V. anführte. Aber man wolle eine „vernünftige Energiepolitik“, ohne Schaden für Mensch und Natur. Deswegen stehe man hier; man wolle dem Bund Naturschutz zeigen, dass er es mit ermöglicht habe, eine Energiewende mit „viel Profit“ durchzusetzen, erklärte Etscheit unserer Zeitung.

Fotostrecke: Demos für und gegen Energiewende
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Ihm und seinen laut Polizeiangaben gut 70 Mitstreitern gegenüber positionierten sich Mitglieder des Energiebündels im Kreis Eichstätt, der Linken, der ÖDP, der Piraten, von Greenpeace, des Bunds Naturschutz und anderer Umweltorganisationen sowie zahlreicher Bürgerinitiativen. Die hatten sich schon in den vergangenen Jahren gegen die sogenannten „Monstertrassen“ formiert. Den Stopp der Windkraft müsse man verhindern, forderte der Zweite Vorsitzende des Energiebündels, Bernd Weber. „Wir müssen dafür kämpfen, die Windkraft voranzubringen.“ Ohne diese Form der erneuerbaren Energien gebe es keine Energiewende, sagte Weber unter dem Applaus der rund 150 Demo-Teilnehmer am Holbeinplatz. Zeitgleich ertönte ein Pfeifkonzert von den Anhängern der Vernunftkraft Bayern, die sich vor der Erlöserkirche versammelt hatten.

Kurz vor Beginn der angemeldeten Kundgebungen hatten Polizisten alle Hände voll zu tun, um ein direktes Aufeinanderprallen der beiden Gruppen zu verhindern. Bei einigen Mitgliedern der unterschiedlichen Interessensvertreter war die Stimmung offenbar derart aufgeheizt, dass man sich auch den ein oder anderen Kraftausdruck an den Kopf warf. Demo-Teilnehmer selbst versuchten aber gleich zu deeskalieren: „Lassen Sie uns doch zivilisert streiten.“ Die Polizei schuf dann eine Pufferzone, so dass auch der Eingang des Alten Stadttheaters frei bleiben konnte: Dort fand am Wochenende die Landestagung des Bunds Naturschutz statt, in dessen Verlauf nicht nur der Eichstätter Johann Beck die Bayerische Naturschutzmedaille erhielt (siehe Beitrag unten). Auch Landeschef Hubert Weiger trat an der Stelle ab, wo er vor 16 Jahren zum Vorsitzenden gewählt wurde. Er gab den Staffelstab an Richard Mergner weiter.

„Wir bestreiten nicht die Existenz der Klimaerwärmung“, sagte Etscheit. „Aber wir glauben nicht, dass man mit diesen Mitteln das Problem adäquat lösen kann.“ Er warf der Politik Versäumnis vor, einen Masterplan entwickelt zu haben. Stattdessen entwickle sich die Energiewende „irgendwie“, es gehe nicht mehr um Klimaschutz, sondern nur noch um die großen Konzerne. Wind sei sicher ein Bestandteil der Energie der Zukunft, aber man plädiere hier beispielsweise für eine Beibhaltung der 10H-Regel.

Hier prallten zwischen den beiden demonstrierenden Gruppen dann offensichtlich ziemlich unterschiedliche Meinungen aufeinander. War auf den Plakaten der einen zu lesen „Anstand verlangt Abstand“, hielten die anderen Schilder hoch mit „Wer 10H will, unterstützt die Atom-Lobby.“ Der scheidende BN-Vorsitzende Hubert Weiger hakte bei seinem Grußwort vor den Demonstranten ein: „Dieses unglückselige 10H muss weg.“ Man brauche eine „reale Zukunftsplanung in Bayern“, das sei „glaubwürdiger als Kruzifixe in Gebäuden“. Ein weiteres Ausbremsen der Windkraft sei „schlichtweg eine Katastrophe“. Der langjährige Grünen Abgeordnete Raimund Kamm forderte „einen schnellstmöglichen Atomausstieg“ und „schwungvollen Ausbau von Photovoltaik und Windkraft“.

Die Initiatoren von Vernunftkraft Bayern richteten am Ende indes einen offenen Brief an Hubert Weiger: „Sie haben das Erbe Hubert Weinzierls verraten. Werden Sie gewahr, dass mit dieser Energiewende ein gnadenloser Kampf um die letzten Landschafts- und Naturreservate unseres Landes entbrannt ist, dem echte Naturschützer mit ganzer Kraft widerstehen müssen.“

Linken-Landtagskandidat Dominik Eigner, der auf der Seite des Energiebündels sprach, sagte: „Wir wollen nicht zurück in die Steinzeit, sondern vorwärts denken.“ Den Gegnern auf der anderen Seite des Platzes rief Eigner zu: „Wir brauchen keine Verteidiger von Kohle und Öl und Atom.“ Und der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag. Ludwig Hartmann, erklärte: „Bayern muss zum Vorreiter der Energiewende werden.“

Marco Schneider
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