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Wie sieht die Zukunft der Schülerzeitung aus? In der Redaktion am WG hat sich viel verändert

Früher handgeklebt, heute digital

Eichstätt
erstellt am 22.08.2018 um 18:28 Uhr
aktualisiert am 26.08.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) 40 Jahre alt ist der "Durchblick", die Schülerzeitung des Willibald-Gymnasiums, in diesem Schuljahr geworden. Längst versteht sich die Redaktion als Online-Medium, zum runden Geburtstag hat sie aber eine Druckausgabe herausgebracht. Dabei ereilen die Schüler die gleichen Probleme, wie sie gestandene Zeitungsverlage gerade erleben.
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?Es ist schön, etwas in der Hand zu halten?, finden die Redakteure der Schülerzeitung am Willibald-Gymnasium (von links: Felix Henze, Julian Art, Gabriel Schmucker, Moritz Maleck, Lukas Weber) und ihr Betreuungslehrer Franz Friedsam. Sonst produzieren sie ein Online-Magazin. Denn sie stehen vor ähnlichen Herausforderungen wie andere Printmedien.
"Es ist schön, etwas in der Hand zu halten", finden die Redakteure der Schülerzeitung am Willibald-Gymnasium (von links: Felix Henze, Julian Art, Gabriel Schmucker, Moritz Maleck, Lukas Weber) und ihr Betreuungslehrer Franz Friedsam. Sonst produzieren sie ein Online-Magazin. Denn sie stehen vor ähnlichen Herausforderungen wie andere Printmedien.
Fotos: Poese
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Dass sich viele Printmedien in Deutschland heute schwer tun, ist bekannt. Auch die Schülerzeitung des Willibald-Gymnasiums ist da keine Ausnahme. Die Redakteure haben schon lange die Zeichen der Zeit erkannt und haben umgesattelt auf Online - wie man das heutzutage so macht. Erst jüngst ist die legendäre Jugendzeitschrift "Neon" des Verlags "Gruner + Jahr" genau diesen Schritt gegangen und hat ihr Printmagazin eingestellt. Der "Durchblick" war früher dran: Im Oktober 2016 hat die Schülerzeitung Papier gegen eine Webseite getauscht. Damit war sie eine der ersten Online-Schülerzeitungen in der Region.

Nun ist das klassische Magazin zurück: Zum Ende des Schuljahres 2017/18 ist der "Durchblick 69" erschienen, pünktlich zu seinem 40. Geburtstag. Die Schülerzeitung ist damit genauso alt wie das Schulzentrum Schottenau selbst. Und in dieser Zeit hat sich einiges getan.
 
Fotos: Poese
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Während die Redaktion heute einen Raum mit PCs hat, um dort ihre Zeitung mit Inhalten zu füllen, ging es früher mit Schreibmaschine, Tuschefeder, Schere und Kleber ans Werk. Die Technik hat sich eben verändert, könnte man meinen. Aber das Ganze hat noch mehr Auswirkungen: Früher waren beispielsweise Zeichnerinnen und Zeichner fester Bestandteil der Redaktion. Ein wichtiger Arbeitsraum war die Bibliothek. Dort konnte man sich Anregungen für Bilder holen oder eine Abbildung für die Schülerzeitung herauskopieren. Und für die Recherche waren die Bücher ebenfalls extrem wichtig. Heute haben Internet und Fotoapparat diese Arbeitsschritte verändert. Und auch das Team: Zeichner gibt es nicht mehr. Trotzdem hat die heutige Redaktion mit ihrer Jubiläumsausgabe einen Bezug zu den alten Zeiten hergestellt. Das Coverbild ist diesmal wieder handgezeichnet. Es beschäftigt sich mit der Sanierung der Außenanlagen im Schulzentrum Schottenau.

Zeit, zurückzublicken: Was hat sich noch verändert an der Arbeit in einer Schülerzeitungsredaktion? Viel davon erzählen kann Franz Friedsam, heute Betreuungslehrer, 1978 Oberstufenschüler am WG und einer der Gründer des "Durchblick". Der Hauptbeweggrund sei damals gewesen, "dass man für kritische Stimmen ein Medium hat". In der Redaktion waren hauptsächlich Schüler aus der Oberstufe, im Mittelpunkt stand ein "geistiges Ringen um den richtigen Standpunkt", erzählt er. "Durchaus explosiv" sei das gewesen. Inzwischen hat die politische Sprengkraft des Magazins ein wenig nachgelassen. Aber das ist für Friedsam in Ordnung. "Die Chefredakteure entscheiden, wo's langgeht", sagt er.
Damals und heute: Mit dem gezeichneten Titelbild nimmt die Jubiläumsausgabe der Schülerzeitung ?Durchblick? Bezug auf frühere Zeiten, als in Schülerzeitungen noch viel von Hand gemalt, getippt und geklebt wurde (unten).
Damals und heute: Mit dem gezeichneten Titelbild nimmt die Jubiläumsausgabe der Schülerzeitung "Durchblick" Bezug auf frühere Zeiten, als in Schülerzeitungen noch viel von Hand gemalt, getippt und geklebt wurde (unten).
Fotos: Poese
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Das ist Moritz Malecks Aufgabe. Der Chefredakteur weiß, welche Artikel heute gut laufen. "Was die Schüler wirklich interessiert, sind Themen über die Schule und die Lehrer", sagt er. Er hat das über seine komplette Schulzeit am Willibald-Gymnasium beobachtet: Heuer hat er sein Abitur gemacht, seit der fünften Klasse war er Teil der Redaktion. Sein Stellvertreter und baldiger Chefredakteur ist Julian Art (15). Der Neuntklässler erklärt, die Redaktion habe sich kritisch mit der Sanierung des Schulzentrums auseinandergesetzt. Beliebt bei den Redakteuren und auch bei den Lesern seien außerdem Wissensthemen. Und Unterhaltung sei ebenfalls wichtig. Da ziehen die Klassiker gut: Lehrerzitate oder Lehrersteckbriefe.

Trotzdem: Die Schülerzeitung hat mit großer Konkurrenz zu kämpfen. Früher sei das Magazin deutlich öfter herausgekommen, erzählt Moritz Maleck. Bei der gedruckten Ausgabe verkauft sich die bisherige Auflage von 300 Exemplaren nicht mehr so gut. Redakteur Gabriel Schmucker (15) weiß, woran das liegt: "Man kriegt im Internet schon alles viel früher mit", sagt er. Und Redakteur Lukas Weber (14) fügt hinzu: "Viele sind nicht bereit, die drei Euro zu zahlen, weil es alles kostenlos im Internet gibt."

Und dann ist da noch der Druck auf dem "Schüler-Arbeitsmarkt". Wie im Landkreis herrscht am Willibald-Gymnasium dank eines breiten Angebots eine hohe Beschäftigungsquote. Auch das G8 spielt eine Rolle. Andere AGs machen dem "Durchblick" ernste Konkurrenz. Doch der künftige Chefredakteur Julian Art will das Problem angehen. Er ist davon überzeugt: "Die Leute bleiben länger, wenn sie von Anfang an dabei sind." Und Redakteur Felix Henze (15) meint: Fünftklässler könnten ganz neue Ideen und eigene Artikel einbringen. Dass man momentan in der Redaktion keine Mädchen findet, ist übrigens Zufall. Das gehe in Wellen, viele Redakteurinnen und Redakteure bringen ihre Freunde mit, so gibt es mal weiblichen, mal männlichen Überschuss. Betreuungslehrer Franz Friedsam erinnert sich, dass es in den 90er-Jahren auch einmal eine komplett weibliche Redaktion gab.

Trotz aller Herausforderungen, die aktuellen Redakteure fühlen sich verbunden mit ihrer AG, dem "Durchblick": weil sie es schätzen, zusammenzuarbeiten und sich gemeinsam Artikel auszudenken. Weil man lernt, richtig und ansprechend Texte zu schreiben und zu recherchieren, oder erfährt, wie es sich mit Bildern, Copyright und Layout verhält. Bald kann man die Ergebnisse dieser Arbeit wieder online lesen (wg-durchblick.de). Und Julian Art will in seiner Amtszeit als Chefredakteur auf jeden Fall noch eine gedruckte Ausgabe herausbringen.
Katrin Poese
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