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"Wir wollen keine Securityparty" Volksfestchef warnt vor übertriebenen Reaktionen

Hofmühlfest fällt heuer flach

Eichstätt
erstellt am 27.07.2016 um 18:56 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 17:39 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Die blutigen Ereignisse der vergangenen Woche in Bayern strahlen nun auch auf Eichstätt aus: Die Hofmühl streicht ihr jährliches Brauereifest wegen Sicherheitsbedenken. Der Vorsitzende des Volksfestausschusses, Anton Straßer, warnt dagegen vor übertriebenen Reaktionen.
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Eichstätt: Hofmühlfest fällt heuer flach
Hoch die Krüge! Das Hofmühlfest zählt zu den beliebtesten geselligen Veranstaltungen im jährlichen Terminkalender der Stadt. Heuer müssen die Leute allerdings darauf verzichten - wegen Sicherheitsbedenken hat die Brauerei das Fest abgesagt. Im Internet stößt die Entscheidung zum Teil auf Unverständnis. ‹ŒArch - foto: M. Schneider
Eichstätt

"Aufgrund des extrem erhöhten Sicherheitsaufwandes sagen wir unser Brauereifest am Freitag, 4., und Samstag, 5. August, ab. Wir wollen ein gemütliches Familienfest und keine Securityparty", hat die Eichstätter Brauerei via Facebook wissen lassen. Die Reaktionen in den Sozialen Netzwerken sind entsprechend zahlreich: "Die Leute erschlagen uns", so Hofmühl-Chef Stephan Emslander gegenüber unserer Zeitung. Neben Zustimmung und Verständnis gibt es auch viele kritische Stimmen: "Genau das wollen die erreichen! Im eigenen Land nicht mehr vor die Haustüre zu gehen!!! Und wir unterstützen es!", ist unter anderem zu lesen. Oder: "Soll ma sich etz wirklich vo ,dene' as Lebn versaun laun"

Emslander verteidigt die Entscheidung: "Wir haben wirklich heiß diskutiert und lange überlegt." Das Resultat: "Mir ist die Sache zu heiß. Ich stehe meinen Gästen gegenüber in der Verantwortung, und die kann ich nach derzeitigem Stand nicht übernehmen." Das Problem: Es gibt zwei enge Zugänge zum Brauereigelände. "Was ist, wenn Panik ausbricht" Da müsste ja nur ein Luftballon platzen, beschreibt Emslander ein mögliches Szenario: "Die Leute zertreten sich dann." Es fehle an einem "wasserdichten Sicherheitskonzept", und das sei in der Kürze der Zeit nicht zu bewerkstelligen. "Da bin ich momentan am Recherchieren", um zumindest für nächstes Jahr gerüstet zu sein. Personenkontrollen? Eingangsschleusen? Das war bislang kein großes Thema beim Brauereifest.

Nicht nur das fällt im Übrigen dieses Jahr ins Wasser. Im Anschluss an das Volksfest Anfang September hatte die Hofmühl-Brauerei im Bierzelt eine Feier zum 500-jährigen Jubiläum des Bayerischen Reinheitsgebots geplant. Auch diese ist aus denselben Gründen gecancelt.

Wenig Verständnis für die Entscheidung der Brauerei bringt der Vorsitzende des Volksfestausschusses, Anton Straßer, auf. Das Volksfest werde selbstverständlich heuer wie gewohnt über die Bühne gehen. Kein Gedanke an eine mögliche Absage. Straßer warnt davor, angesichts der Anschläge und des Amoklaufs in Schockstarre zu verfallen: "Diese Reaktion halte ich für leicht übertrieben." Solche Attacken habe es schließlich schon immer gegeben - natürlich sei die jüngste Anhäufung "traurig", räumt Straßer ein. Beeindrucken davon lasse er sich aber keinesfalls. Hundertprozentige Sicherheit gebe es eben nicht, "wenn Verrückte unterwegs sind". Das gelte auch für Volksfeste, so wie jüngst in Treuchtlingen, als ein Täter im Bierzelt Tränengas versprüht hat: "Da hast du keine Chance." Sicherlich seien entsprechende Maßnahmen auch Thema im Volksfestausschuss und bei den beteiligten Behörden wie Ordnungsamt und Polizei: "Aber was sollen wir machen? Das Gelände einzäunen? Die Security verdoppeln", fallen Straßers Fragen eher rhetorisch aus. "Bei 45 000 bis 50 000 Leuten kann man nicht alles kontrollieren."

Für ihn herrsche aktuell etwas zu viel Hysterie vor, so Straßer. "Ich kann mich noch an letztes Jahr erinnern. Da gab es eine Riesendiskussion um die Asylbewerber." Sprich: Ob diese möglicherweise ein Gefährdungspotenzial fürs Volksfest darstellen. "Das Gegenteil war der Fall. Sie haben es sogar bereichert." Straßers Appell: "Leute, beruhigt euch. Wir wollen ein vernünftiges Fest." Und keinen Hochsicherheitstrakt.

Für enttäuschte Fans des Hofmühlfestes gibt es übrigens einen Tipp: "Kauft euch einen Kasten Bier, setzt euch in den Garten und ladet euch Freunde ein, die mit euch auch auf dem Hofmühlfest auf der Bierbank gesessen wären", schreibt ein User im Internet.

Von Jürgen Knopp
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