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Der international renommierte Wissenschaftler Professor Heinz Hürten ist mit 89 Jahren gestorben

Trauer um früheren KU-Vizepräsidenten

Eichstätt
erstellt am 08.01.2018 um 13:30 Uhr
aktualisiert am 12.01.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) trauert um ihren ehemaligen Vizepräsidenten Professor Dr. Heinz Hürten: Er starb am Samstag im Alter von 89 Jahren.
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Bis ins hohe Alter war er unermüdlich am Forschen: Professor Dr. Heinz Hürten, der frühere Vizepräsident der KU.
Bis ins hohe Alter war er unermüdlich am Forschen: Professor Dr. Heinz Hürten, der frühere Vizepräsident der KU. Am 6. Januar ist er in Münster gestorben.
Wermter
Eichstätt
Hürten galt als einer der renommiertesten, international bekannten Wissenschaftler auf dem Gebiet der Katholizismusforschung. Hürten war auch maßgeblich beim Aufbau der KU beteiligt: Er war der erste Dekan der Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät nach der Erhebung der Gesamthochschule zur Universität 1980; zwei Jahre später wurde der gebürtige Düsseldorfer zum Vizepräsidenten gewählt. Dieses Amt bekleidete Hürten bis zu seiner Emeritierung 1993. "Professor Heinz Hürten war eine prägende Persönlichkeit für die Katholische Universität - nicht nur in der Gründungsphase der KU. Auch in seinem Ruhestand verfolgte Hürten aufmerksam die Entwicklung der Universität und war in Fachkreisen weiterhin ein renommierter Ansprechpartner zur Geschichte von Kirche und Katholizismus in Deutschland", würdigte die Präsidentin der KU, Professor Dr. Gabriele Gien, den Verstorbenen gestern.

Hürten, der im Juni vergangenen Jahres mit seiner Frau Maria von Gerolfing nach Münster umgesiedelt war, war ein Wissenschaftler durch und durch, aber gleichermaßen auch ein überzeugter Katholik: Diese beiden Dinge einer katholischen Universität miteinander zu vereinbaren, war Hürten ein Herzensanliegen. Er stritt für die Rechte der Wissenschaft, ohne dabei die Loyalität zu seinem Arbeitgeber zu vergessen. "Universität, auch eine katholische, ist ein Stück Welt und eben nicht Kirche. Sie ist wissenschaftliche Intention und keine Gemeinschaft in Gebet und Liturgie."

Das Katholische sei mehr an der Frage herauszuarbeiten, wie man an bestimmte Dinge herangehe und Fragestellungen aus der Sicht der Kirche heraus beackern könnte. Als 1993 der damalige Eichstätter Bischof Karl Braun das Komturkreuz des päpstlichen Silvesterordens mit Stern an Hürten für seine wissenschaftlichen Leistungen und sein Engagement für die KU verlieh, würdigte er ihn als Persönlichkeit, die um die Autonomie der Universität gekämpft habe. Braun sagte, Hürten habe dies getan "aus der Überzeugung heraus, dass nur eine Universität, die ihre Eigenständigkeit als Hochschule wahrt, der Kirche wirklich dienen kann". Dabei sei er ein sanfter Rebell von gleichzeitig uneingeschränkter Loyalität zur Kirche gewesen.

Nach dem Rücktritt des damaligen KU-Präsidenten Rudolf Mosis hatte Hürten zwischen 1983 und 1984 die Universität interimistisch geleitet - bis zur Wahl von Präsident Nikolaus Lobkowicz. Dieser sagte bei einem Festakt zu Hürtens 60. Geburtstag im Februar 1988: "Wenn mir Herr Hürten nicht zur Seite gestanden wäre, hätte ich vermutlich mein Amt nach kaum einem Jahr aufgegeben." Hürten habe das ihm zeitweise anvertraute Schiff unbeschädigt durch schwierige Zeiten gelotst und viele Spannungen innerhalb der Universität ausgeglichen. Und die Forschung selbst nie trotz seiner vielfältigen Verpflichtungen in der Hochschulleitung außer Acht gelassen - bis ins hohe Alter.

Zu seinem 85. Geburtstag noch hat er ein über 1000 Seiten starkes Werk über die katholische Kirche in Deutschland zwischen 1956 und 1960 ediert. Als sein wissenschaftlich wichtigstes Werk nannte der Verstorbene selbst seine Arbeit "Reichswehr und Ausnahmezustand", auf Platz zwei "Deutsche Katholiken 1918 - 1945". Hürten, der in Münster Geschichte und katholische Religionslehre studiert und dort 1955 auch promoviert hatte, lehrte in Eichstätt Neuere und Neueste Geschichte; vor seinem Ruf an die Altmühl lehrte er an der Schule der Bundeswehr für Innere Führung in Koblenz und an der Uni in Freiburg. Er war zwischendurch auch für das Bistum Münster in der Erwachsenenbildung sowie als stellvertretender Direktor der Sozialakademie tätig.

Nach seiner Habilitation erhielt er 1970 von der Universität Bonn die "Venia Legendi" für das Fach Mittelalterliche und Neuere Geschichte. 1989 bekam Hürten für seine unermüdliche Forschungsarbeit das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Er war zeit seines Lebens ein aktiver Mensch: "Durch den Kontakt mit anderen Menschen habe ich auch die Gefahr vermieden, zum Stubengelehrten zu werden." Und er verfolgte aufmerksam und kritisch nicht nur die Entwicklung der KU, sondern auch der Kirche allgemein. Dass sie dabei stets einem Wandel unterzogen ist, zeigte er in dem Band "Kirche auf dem Weg in eine veränderte Welt" - und war davon auch im persönlichen Gespräch überzeugt, wenn er zu seinem 85. Geburtstag feststellte: "Dass sich Kirche und Gesellschaft auseinanderentwickeln, ist offenkundig. Aber eine Rückkehr zu früheren Zuständen ist wegen innerer wie äußerer Entwicklungen völlig ausgeschlossen."

EK
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