Donnerstag, 13. Dezember 2018
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Kreisversammlung des Hotel- und Gaststättenverbands - Wellnesshotel "Schönblick" erhält Auszeichnung

Bürokratie und Steuern sind die Gegner

Eichstätt
erstellt am 07.12.2018 um 16:28 Uhr
aktualisiert am 12.12.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Bürokratie, Steuern, Investitionen: Hoteliers und Gaststättenbetreiber kämpfen an vielen Fronten, das wurde bei der Kreisversammlung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) am Dienstag im Wellnesshotel "Schönblick" deutlich. Dort gab es aber auch etwas zu feiern: Ehrenpräsident Siegfried Gallus verlieh die Dehoga-Klasssifizierung zu 4-Sterne-Superior an den Wirt Heinz Dieti-Milinkovic.
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Keine Not mit dem Personal hat der Braugasthof Trompete in Eichstätt ? ihr erstes Lehrjahr absolvieren gerade drei Auszubildende, darunter Alina Huber, insgesamt gehen sechs junge Leute in die Lehre. Trompete-Chef Markus Schmidramsl weiß um die Probleme seiner Branche und erklärt, dass die Nähe zur Universität und die eigene Ausbildung Schlüssel dafür seien, dass man selbst genug Leute beschäftigen kann.
Keine Not mit dem Personal hat der Braugasthof Trompete in Eichstätt - ihr erstes Lehrjahr absolvieren gerade drei Auszubildende, darunter Alina Huber, insgesamt gehen sechs junge Leute in die Lehre. Trompete-Chef Markus Schmidramsl weiß um die Probleme seiner Branche und erklärt, dass die Nähe zur Universität und die eigene Ausbildung Schlüssel dafür seien, dass man selbst genug Leute beschäftigen kann.
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"Das macht so keinen Spaß mehr", "das ist doch bescheuert" - bei den Vorträgen von Siegfried Gallus und Bezirksgeschäftsführerin Susanne Gruber wird deutlich, dass Auflagen und Regelungen den Wirten und Hoteliers die Freude am Beruf vergällen - die Datenschutzgrundverordnung, das Pauschalreiserecht und das neue Verpackungsgesetz sind nur einige von ihnen.

"Viele Kollegen überlegen, ob sie überhaupt weitermachen", sagt Gallus, gerade junge Gastronomen, "Leute, die investieren wollen", würden von Verordnungen und Dokumentationspflichten geradezu erschlagen. "Da weiß man nicht, ob man nicht schon mit beiden Beinen im Gefängnis steht." Betriebe machen also dicht - auch in der Region "ist das ein kontinuierlicher Prozess, beispielsweise in Dollnstein", erklärt Christoph Würflein, Geschäftsführer des Tourismusverbands Naturpark Altmühltal. In den vergangenen 15 Jahren haben zehn Prozent der Gastbetriebe ihre Pforten geschlossen, gerade in den kleineren Orten, "gleichzeitig sind die Übernachtungszahlen gestiegen, das bedeutet, das die wirtschaftliche Dynamik da ist", sagt Würflein.

Besonders für Radwandernde, die ohne Reiseveranstalter - der sie zur Not mit dem Bus nach Gunzenhausen oder Eichstätt fährt - ihre Tour unternehmen, werde das aber zum Problem, wenn es in kleineren Dörfern keine Übernachtungsmöglichkeit mehr gebe. "In Solnhofen standen früher zwei zur Verfügung, heute gar keine mehr."

Noch gravierender sei der Rückgang bei der nichtgewerblichen Zimmervermietung. Das trifft wiederum die Gastronomie, wie Gallus erklärt, diese Gäste fehlten dann den Wirten.
Klassifizierung zu 4-Sterne-Superior: (von links) Landrat Anton Knapp, Heinz Dieti-Milinkovic, Siegfried Gallus, Christoph Würflein, Oberbürgermeister Andreas Steppberger.
Klassifizierung zu 4-Sterne-Superior: (von links) Landrat Anton Knapp, Heinz Dieti-Milinkovic, Siegfried Gallus, Christoph Würflein, Oberbürgermeister Andreas Steppberger.
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Der Zusammenhalt in der Region sei gut, betont Würflein, wichtig sei weiterhin, "dass wir eine starke Marke sind und Sie sich dazu bekennen". Ein Produkt, das dazu beitragen könne, stehe schon in den Startlöchern und hoffentlich bald auf den Speisekarten in der Region, zeigte sich Dieter Popp von der Futour-Regionalberatung zuversichtlich: das Altmühltaler Weiderind. Schon über 40 Landwirte mit 1500 Rindern - mit 14 verschiedene Rassen - haben sich bereits interessiert gezeigt. Nun soll eine Organisationsstruktur kreiert werden.

Die Ideen, die derzeit in Berlin diskutiert werden, sorgen dagegen eher für Bauchschmerzen: Die CDU - zumindest Friedrich Merz - will die reduzierte Mehrwertsteuer für Hoteliers, die derzeit ähnlich wie für Bäcker bei sieben Prozent liegt, rückgängig machen. 2010 sei die Steuer abgesenkt worden, erinnert sich Gallus, was deutschlandweit zu einer Schaffung von 300000 neuen Arbeitsplätzen geführt habe. "Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer wäre eine Katastrophe", betont er, "ein Wettbewerbsnachteil, außerdem gilt in 25 anderen europäischen Ländern ebenfalls ein reduzierter Satz, zum Teil auch für die Gastronomie." Für Letztere wolle man ebenfalls die sieben Prozent erreichen, dem habe Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) vor Kurzem aber eine Absage erteilt. Nun komme die CDU mit einer noch schlimmeren Forderung daher.

Doch die Politik macht in den Augen der Hoteliers auch manches richtig - das Fachkräftezuwanderungsgesetz, das Lockerungen für Menschen aus Nicht-EU-Staaten bringen soll, "kann ein bisschen Abhilfe schaffen, gerade in einer Boomregion wie hier", erklärt Gallus, wo Personal nur schwer zu finden ist.

Nicht das einzige Problem, mit dem sich die Gastronomen und Hoteliers konfrontiert sehen: die Bürokratie. Susanne Gruber referiert etwa über Kassennachschau und Betriebsprüfungen und betont, wie wichtig die systematische Führung der Unterlagen und deren Aufbewahrung sei. Gleichzeitig "gilt es, ein Spagat zu vollführen", denn es gibt detaillierte Regelungen für den Schutz der Gäste- und Mitarbeiterdaten. Auch das neue Verpackungsgesetz habe seine Tücken, kommt Gruber zum nächsten Problemfall. Verwende man vorlizensierte Produkte, umgehe man zwar die Registrierung, "es hat aber wohl zur Folge, dass die Händler die Kosten, die ihnen dadurch entstanden sind, an Sie weitergeben." Das sorgt für viel Kopfschütteln: "Gibt es denn eine Initiative, die sich um Bürokratieabbau kümmert?", will ein Mitglied wissen und Gallus antwortet, dass selbst die Dehoga manche Informationen viel zu spät bekomme und über ein Gesetz dann schon wenige Wochen später entschieden werde. Außerdem sei man zwar Mitglied der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, "aber bis wir dort Gehör gefunden haben, hat es gedauert". Alle Akteure - Bundesverband der Deutschen Industrie, Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft - "unter einen Hut zu bekommen, das ist so schwer, das gibt es gar nicht".

Anschließend werden Mitglieder für ihre Treue geehrt: 20 Jahre ist bereits Maximilian Braun vom "Landgasthof Braun" in Imbath und "Hotel Dirsch" in Emsing (Titting) dabei. Für langjährige Mitgliedschaft ausgezeichnet wurden Manuela Schmidt und Dieter Schaller aus Eichstätt sowie Stefan Rupp vom Hotel "Zum Stiefelknecht" aus Paulushofen (Beilngries). Schon seit 50 Jahren ist der Betrieb Hotel "Lindenhof" in Mörnsheim mit dabei, ebenso der Landgasthof Pröll aus Landershofen (Eichstätt), das Hotel Gasthof "Zur Linde" aus Schambach (Kipfenberg) und der Gasthof "Zum Krebs" aus Kinding. Das Hotel "Der Millipp" aus Beilngries ist als Betrieb schon 70 Jahre Mitglied.
Tina Steimle
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