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Beilngrieser Volksfest fand vor 70 Jahren erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder statt ? Blick ins Archiv

Musikalische Königinnen, Fürsten und Zelt ohne Zaun

Beilngries
erstellt am 09.09.2018 um 18:52 Uhr
aktualisiert am 13.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Beilngries (nur) Das diesjährige Beilngrieser Volksfest ist Geschichte.
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Es dauerte erstmals seit Jahren wieder zehn Tage und war auch aus einem weiteren Grund bemerkenswert: Vor genau 70 Jahren gab es zu Füßen von Schloss Hirschberg den ersten "Wiesnrummel" nach dem Zweiten Weltkrieg. Seitdem feiern die Beilngrieser wieder jeweils Anfang September. Dabei dehnte man die Dauer der Veranstaltung von einst vier auf nun wieder zehn Tage aus. Anlässlich des kleinen Jubiläums blickt unsere Zeitung auf Volksfeste bei früheren runden Geburtstagen zurück.

Nachdem die Traditionsveranstaltung in den Jahren zuvor jeweils nur fünf Tage gedauert hatte, kam 1973 erstmals ein zweites Festwochenende hinzu. Vor 45 Jahren waren sowohl der Mittwoch als auch der Donnerstag Ruhetage. Jedoch folgte schon bald eine Weiterentwicklung beim Angebot. So wartete die Altmühlstadt bereits im Jahr 1978 mit einem für damalige Verhältnisse recht attraktiven Programm auf. Neu war auch der Mann beim Bieranstich. Vor genau 40 Jahren zapfte der seinerzeit neu gewählte und inzwischen verstorbene Bürgermeister Willy Muschaweck zum ersten Mal an.

Das Fest dauerte neun Tage. Höhepunkt war eine "Große Hitparade", die am Mittwoch, 6. September, über die Bühne ging. Vor rund 2500 Besuchern traten seinerzeitige Schlagergrößen wie Martin Mann oder das Duo Cindy und Bert auf. Ob sich der von Dieter und Dino gesungene Ohrwurm "Aber dich gibt's nur einmal für mich" auf das Volksfest bezog, ist nicht überliefert.

Im Jahr 1988 gab es unter dem Zeltdach etwas, das sich erst 28 Jahre später wiederholte. Wie Bianca Bauer vor zwei Jahren kam auch Sybille Schröder, die Wiesnkönigin vor 30 Jahren, aus den Reihen der Musiker, die auf der Bühne spielten. Erstere gehört der Original Altmühltaler Blaskapelle Beilngries an, Letztere war am Abend ihrer Wahl das einzige weibliche Mitglied der seinerzeit jeweils beim Volksfeststart aufspielenden und mittlerweile aufgelösten Biberbacher Blaskapelle. Die Musiker waren natürlich mächtig stolz auf die Königin aus ihren Reihen, zumal sie nach der Wahl mit der Krone auf dem Haupt wieder mit ihnen auftrat.

Doch dann stellte Kapellmeister Alwin Großhauser plötzlich fest: "Da hamma a Eigentor g'schossen. " Ihm war eingefallen, dass Königin Sybille während des Volksfestzugs wohl in der Ehrengastkutsche unterwegs sein würde. "Dann seng' ma nix mehr gleich", fürchtete er um das Erscheinungsbild seiner Truppe. Dennoch mussten die Biberbacher auf die musikalische Regentin verzichten. Bei strömendem Regen war der damalige Landrat Konrad Regler (CSU) "Schirmherr" für Sybille Schröder.

Ein im doppelten Sinn des Wortes einmaliges Gastspiel ist vom Volksfest im Jahr 1998 überliefert. Trat doch die damals kometenhaft emporgekommene Showkapelle Die Fürsten im bis auf den letzten Platz besetzten Bierzelt auf. Seitens des Publikums hieß es dazu analog zum Motto des damaligen Volksfestzugs: "Das war Spitze. " Ein besonders aktuelles Thema beim Umzug vor 20 Jahren war das einst heftige Buhlen der Städte Beilngries und Berching um den Standort eines Gymnasiums.

Ebenfalls bemerkenswert ist eine Änderung beim Volksfest im Jahr 2003. Vor genau 15 Jahren - Festwirt war der jetzige Oktoberfestwirt Lorenz Stiftl aus Rockolding - gab es im Bierzelt erstmals keinen Zaun mehr. Er war überflüssig geworden, weil das Bier nur noch von einer anstatt von zwei Brauereien stammte. Damit hatte die Wiesn in der Altmühlstadt ein Merkmal verloren, das weit und breit kein zweites Mal zu finden war.

Wie in diesem Jahr dauerte auch das Volksfest 2008 volle zehn Tage. Am Mittwoch gab es im Festzelt einen Rockabend der Beilngrieser Jugendbands und für den Donnerstag hatte der damalige Festwirt Roland Rachinger aus Bieswang eine Showkapelle verpflichtet.

Interessant ist auch die Entwicklung des Bierpreises. Im Jahr 1968 kostete eine Maß 2,20 Mark (1,12 Euro). Zehn Jahre später musste man dafür 3,80 Mark (1,94 Euro) berappen und 1988 gab es den Liter Bier für 5,30 Mark (2,71 Euro). Auch im Jahr 1998 zahlte man noch mit Mark und Pfennig. Eine Wiesnmaß beim Beilngrieser Volksfest war damals für 8,20 Mark (4,19 Euro) zu haben. Anno 2008 waren dann 5,70 Euro pro Liter fällig und heuer verlangte der Festwirt 7,60 Euro.
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