Donnerstag, 17. Januar 2019
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Michael Piazolo besucht die Wintertagung des bayerischen Schulräteverbandes auf Schloss Hirschberg

Viele Fragen an den Kultusminister

Hirschberg
erstellt am 10.01.2019 um 17:51 Uhr
aktualisiert am 16.01.2019 um 03:33 Uhr | x gelesen
Hirschberg (DK) Ein Plädoyer für den Erhalt von Schulen im ländlichen Raum hat der bayerische Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Donnerstagvormittag bei der Wintertagung des bayerischen Schulräteverbandes auf Schloss Hirschberg gehalten. Was nach einer gern gehörten Politikeraussage klingt, birgt aber durchaus seine Tücken, wie einige Anwesende betonten. Und so gab es in dem schönen Ambiente des Schlosses einen gehörigen Gesprächsbedarf.
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Im Dialog: Kultusminister Michael Piazolo (l.) und Dieter Lang, Landesvorsitzender des bayerischen Schulräteverbandes.
Im Dialog: Kultusminister Michael Piazolo (l.) und Dieter Lang, Landesvorsitzender des bayerischen Schulräteverbandes.
F. Rieger
Hirschberg
Mit einem kleinen, selbstironischen Scherz gab Piazolo die Richtung für seinen rund eineinhalbstündigen Besuch in der Gemeinde Beilngries vor. Hier sollte offen gesprochen und debattiert werden, er war nicht nur für einen Vortrag angereist. Der Scherz bezog sich auf die laut Piazolo ja doch eher geringe Zahl an Unterrichtsstunden, die ausfallen. Diese würden in der Öffentlichkeit deutlich stärker beachtet als die überwiegende Masse an planmäßig stattfindenden Unterrichtseinheiten. "Sie merken, wie schnell man von der Opposition in die Regierung wechselt", merkte Piazolo mit einem Schmunzeln an. Klar: Noch vor einem Jahr hätten er und seine Fraktionskollegen die Sachlage sicher anders bewertet. Aber dazwischen lag eine Landtagswahl, die Bildung einer Koalition aus CSU und Freien Wählern und die Ernennung von Piazolo zum Kultusminister.

Dass er als solcher eine breite Palette an Themen zu behandeln hat, merkte er auch in Hirschberg. Der bayerische Schulräteverband unter der Leitung von Dieter Lang versteht sich als Vertretung der Schulaufsichtsbeamten der Grund-, Förder- und Mittelschulen. Und um die letztgenannte Schulform ging es gestern Vormittag am ausführlichsten. Ein Tagungsteilnehmer schilderte folgende Situation: Es gebe in den Mittelschulverbänden, die vor einigen Jahren eingeführt wurden, immer wieder kleine Mittelschulen auf dem Land, die weniger als 100 Heranwachsende betreuen. Dort könne beispielsweise pro Jahrgangsstufe nur noch eine einzige Klasse gebildet werden. Darunter hätten letztlich die Schüler zu leiden, da nur ein eingeschränktes Angebot - beispielsweise in der Berufsvorbereitung - geleistet werden könne.

Ein anderer Versammlungsteilnehmer ging einen Schritt weiter. Er sprach recht deutlich aus, welche Lösung er für diese Problematik sieht: Die Anzahl der Mittelschulen müsse abnehmen und sich den Realschulen annähern. "Es gibt vielleicht fünf sinnvolle Mittelschulstandorte pro Landkreis", sagte er. Wenn man die Schulform Mittelschule auf Dauer stärken wolle, müsse man diesen Schritt gehen.

Es kamen aber auch Gegenstimmen zur Sprache. Es sei wichtig, die Mittelschule im ländlichen Raum zu erhalten. Viele Eltern seien sehr froh darüber, eine Schule vor der Haustüre zu haben. Und die Betriebe vor Ort würden stets sehnsüchtig auf die Absolventen ihrer jeweiligen Mittelschule warten.

Piazolo und der ebenfalls anwesende Ministerialdirigent Walter Gremm betonten, dass man diese Diskussion sehr vorsichtig führen müsse, um nicht ungewollt in eine grundsätzliche Debatte über den Wert der Schulform Mittelschule hineinzuschlittern. Das wolle man nämlich auf keinen Fall, so Piazolo, die Mittelschule sei wichtig. Und die Koalition habe ganz klar festgelegt, dass man die flächendeckende Schulstruktur auf dem Land erhalten wolle, so der Minister. Ein Vorschlag ging in die Richtung, an kleinen Mittelschulen fünfte und sechste sowie siebte und achte Jahrgangsstufe zu kombinieren. Das funktioniere an Grundschulen ganz gut, könne aber schwierig werden, je näher man an Differenzierungen wie den M-Zug komme, antwortete Gremm.

Diskussionsstoff gab es auch zu einer anderen Thematik. Piazolo erneuerte auf Anfrage die Ankündigung, schon für das nächste Jahr sogenannte Einschulungskorridore schaffen zu wollen. Das würde den Spielraum für Eltern vergrößeren, deren Kinder zwischen dem 1. Juli und dem 30. September Geburtstag haben. Allerdings war bei den Schulaufsichtsbeamten die Befürchtung rauszuhören, dass die Zeit für eine Umsetzung dieser Neuerung bis zur Anmeldung für das nächste Schuljahr arg knapp sein könnte.

Und es fanden sich noch weitere Diskussionsthemen, beispielsweise über Ämterbesetzungen und Besoldung, sodass Piazolo am Ende einige Hausaufgaben im Gepäck hatte. Für die übrigen Teilnehmer der Tagung war das Programm noch lange nicht erschöpft. Bis einschließlich heute Nachmittag stehen noch verschiedenste Themen auf der Agenda.
 
Fabian Rieger
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