Donnerstag, 24. Mai 2018
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Domkapitular Josef Funk berichtet von seinen Erlebnissen bei einer Pastoralreise nach Indien

"Religion ist dort ins Leben eingewoben"

Poona
erstellt am 13.02.2018 um 19:11 Uhr
aktualisiert am 17.02.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Poona/Beilngries (DK) Bereits seit 1955 besteht eine Partnerschaft zwischen Eichstätt und Poona/Indien. Vor zwei Jahren weilte Bischof Gregor Maria Hanke zu einem Pastoralbesuch dort, war sehr angetan und regte bei der Dekankonferenz einen Gegenbesuch an. Dieser erfolgte kürzlich unter der Leitung von Domkapitular Alfred Rottler. Zwei Dekane, weitere Priester und drei Frauen aus dem Sachausschuss "Mission-Entwicklung-Frieden" des Diözesanrates der Diözese verschafften sich bei der zwölftägigen Reise vielfältige Eindrücke. Joseph Dantas, der aus der Partnerdiözese kommt und seit neun Jahren Kaplan in Neumarkt ist, leistete dabei wertvolle Verständigungshilfe, ebenso wie Weltkirchereferent Gerhard Rott. Im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet Domkapitulat und Beilngrieser Stadtpfarrer Josef Funk, wie er die Pastoralreise erlebt hat.
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Poona: "Religion ist dort ins Leben eingewoben"
Beeindruckende Gesten: Der Domkapitular berichtet von vielen schönen Erinnerungen an die Pastoralreise nach Ideen. Die Menschen dort hätten die Besucher aus der Diözese Eichstätt offenherzig empfangen. - Foto: Referat Weltkirche der Diözese Eichstätt
Poona

 

Wenn Sie jetzt nach Ihrer Rückkehr auf das Erlebte zurückblicken: Was war besonders beeindruckend?

Josef Funk: Die Willkommenskultur mit ausführlichem Begrüßungsritual. Wir haben als offizielle Delegation der Eichstätter Diözese sehr viele Einrichtungen besucht. Jedes Mal wurden wir mit der Tika, dem Punkt auf die Stirn, begrüßt, mindestens mit einer Blume oder einem Blumenkranz willkommen geheißen, es wurden Reis und Blütenblätter über die Haare gestreut. Traditionelle Tänze, nicht nur in Schulen, sondern auch in ärmeren Gegenden auf dem Land, gehörten selbstverständlich mit dazu. Am meisten beeindruckt hat mich der Empfang in der Milagris High School, wo über 3000 Schülerinnen und Schüler, alle in Schuluniform, die Nationalhymne sangen, ein gemeinsames Gebet sprachen und anschließend zwei Stunden lang im Schneidersitz auf dem Schulhof das Programm mitverfolgten.

 

Welche Unterschiede sehen Sie zu deutschen Mädchen und Buben, vor allem auch in Bezug auf den christlichen Glauben?

Funk: An der größten Schule sind zum Beispiel weniger als 20 Prozent Christen, sonst überwiegend Hindus. Und die Kirche leistet einen hervorragenden Auftrag der Bildung und Erziehung. Zwischen den Religionen gibt es keine - zumindest für uns wahrnehmbaren - Kollisionen. Im Gegenteil: Im normalen Schulalltag findet ganz selbstverständlich das gemeinsame Gebet statt. Nach einem Gottesdienst kommen viele Kinder und auch Erwachsene zu den Priestern und möchten von ihnen gesegnet werden. Die Freude und das Mitsingen in den Messfeiern sind wirklich ansteckend. Auch die große Beteiligung von Kindern und jungen Leuten zeichnet schon ein anderes Bild von Kirche als bei uns. Ich habe das Gefühl, dass der Glaube grundsätzlich - und damit natürlich auch der christliche Glaube - ganz selbstverständlich mit zum Leben dazugehört. Das Bild unserer katholischen Kirche trägt hier meines Erachtens ein klar soziales Gesicht. Religion ist nicht ans Leben angekoppelt, sondern darin eingewoben.

 

Dazu tragen vermutlich auch die Small Christian Communities bei, die es dort seit 25 Jahren gibt.

Funk: Ja, bestimmt. Wir haben dreimal solche SCC besucht. Sie treffen sich meist einmal monatlich abwechselnd bei den Familien zu Hause. Das Bibelteilen wird ganz selbstverständlich praktiziert und die Leute überlegen zusammen, wie sie das Gehörte praktisch umsetzen könnten. Beeindruckend war für uns schon, dass die Personen nicht nur einander kennen, sondern auch voneinander wissen. Daher unterstützen sie sich zum Beispiel bei Krankheit oder einem Todesfall und besuchen Betroffene. Wir haben auch eine SCC von Kindern besucht, die das Bibelteilen mit einer Leiterin praktiziert haben, in Englischer Sprache. Das hat mich an unsere Praxis erinnert, sich zur Erstkommunionvorbereitung für die Gruppenstunde zu Hause zu versammeln. Das ist vergleichbar.

 

Haben Sie auch Projekte kennengelernt, die mit Hilfe der Sternsinger-Aktion ins Leben gerufen wurden?

Funk: Ja, in Poona hat die Eichstätter Delegation ganz stolz viele Einrichtungen gezeigt bekommen, die über die Sternsingeraktion und auch Misereor gefördert werden: Schulen, Heime für Kinder und Personen, die von der Straße aufgelesen werden. Die Don Bosco-Salesianer unter der Leitung von Father Corils bieten ein supertolles Ausbildungsprojekt im Bereich der KFZ-Technik vom Motorenbau bis zum Unfallgutachter an. Sie unterhalten beste Beziehungen auch zu deutschen Firmen und wer hier ausgebildet wird, kriegt sicher später einen Job. Nach einer Woche sind wir in die neue, von Poona im Jahr 2005 abgetrennte Diözese Sindhudurg gefahren, wo uns Father V. Louis gezeigt hat, was durch kirchliche Hilfe zum Beispiel für Bauern möglich ist. Er ist auch der Zuständige für die Bistumspartnerschaft und die Sternsingerprojekte, zugleich auch Caritas- und Finanzdirektor der Diözese. Bei diesem Landwirtschafts-Projekt werden keine Gelder gegeben, sondern Fachwissen im Agrarbereich vermittelt, um zum Beispiel die Landflucht zu verhindern, Wasser für eine zweite Ernte aufzustauen oder teure Pestizide zu vermeiden.

 

Sie haben nach Ihrer Rückkehr bei Ihrer Predigt am vergangenen Sonntag erwähnt, dass in Indien das Religiöse spürbar "in der Luft liegt" und die Menschen ganz natürlich über den Glauben sprechen. Was würden Sie sich nach dieser Reise für Ihre Pfarrei St. Walburga wünschen?

Funk: Nachdem wir nicht gelernt haben, über den Glauben zu sprechen, könnten wir uns schon Anregung von den SCC nehmen. Eine größere Offenheit, den Glauben selbstverständlicher und in gewissem Sinne "automatischer" zu praktizieren, wäre sicherlich der erste Schritt. Und sich bewusst zu werden, dass Glaube eigentlich nicht nur allein im Privaten bleiben kann. Vielleicht können wir im neuen Pfarrgemeinderat damit beginnen, auch einmal miteinander Bibel zu teilen. Schauen wir mal.

 

Das Gespräch führte

Daniela Hieke.

Donaukurier
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