Donnerstag, 24. Mai 2018
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Bärbel Darmitzel, Andrea Flierl und Carolin Ritter leiten mit großer Begeisterung das Kinderturnen

Sporteln in guter Gemeinschaft

Beilngries
erstellt am 16.05.2018 um 14:53 Uhr
aktualisiert am 20.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Beilngries (DK) Ein großer Treffpunkt für den Nachwuchs aus der Region ist jeden Freitag das Kinderturnen des 1. FC Beilngries. Das beliebte Angebot ist ganz eng mit dem Namen von Bärbel Darmitzel verbunden. Unterstützung erhält sie von Enkelin Andrea Flierl und von Carolin Ritter. Sie sind für die Kinder Übungsleiterinnen, aber auch Vertrauenspersonen - und das Kinderturnen ist für die drei Frauen eine echte Leidenschaft.
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Starkes Team: Bärbel Darmitzel (Mitte) kann sich auf Enkelin Andrea Flierl (rechts) und Carolin Ritter verlassen.
Starkes Team: Bärbel Darmitzel (Mitte) kann sich auf Enkelin Andrea Flierl (rechts) und Carolin Ritter verlassen.
Fabian Rieger
Beilngries
Es gibt Kindergärtnerinnen und Lehrer, die über Jahrzehnte in einem Ort wirken. Irgendwann werden sie ganz automatisch zu einer Institution, jeder in der Stadt kennt sie. Ganze Generationen verbinden mit ihnen schöne Erinnerungen an die eigene Kindheit und Jugend. Ganz ähnlich ist das bei Bärbel Darmitzel. Auch sie hat unzählige Kinder und Jugendliche aus Beilngries und Umgebung betreut und ein Stück weit beim Erwachsenwerden begleitet.

Seit 38 Jahren gibt es das Kinderturnen in der Altmühlstadt. Darmitzel hat das Angebot gegründet und aufgebaut. Die Idee geht zurück auf den damaligen FC-Vorsitzenden Manfred Thoma, berichtet die rüstige Seniorin. Sie war neu in der Stadt und suchte beim 1. FC Beilngries Anschluss. Thoma meinte dann, dass man ein Angebot für Kinder brauche - und ob das nichts für Darmitzel sei. Die ließ sich nicht lange bitten. Und seither gibt es das Beilngrieser Kinderturnen.

Lange Zeit war es ausschließlich mit dem Gesicht von Bärbel Darmitzel verbunden. Doch seit einigen Jahren hat sie Unterstützung bekommen. Enkelin Andrea Flierl steht ihrer Oma als stellvertretende Abteilungsleiterin zur Seite und gemeinsam mit Carolin Ritter, der Jugendleiterin des Gesamtvereins, bilden sie nun eine Dreierspitze beim Kinderturnen. Für die beiden jungen Frauen steht auch schon fest, dass sie die Abteilung weiterhin am Leben erhalten werden, wenn sich Bärbel Darmitzel irgendwann einmal zurückzieht. So weit sei dieser Tag nicht mehr entfernt, meint die - um dann aber mit einem Augenzwinkern anzukündigen, dass sie die 40 Jahre schon noch vollmachen werde.

Die Leidenschaft der drei Frauen für ihre Aufgabe ist sofort zu spüren, wenn sie über das Kinderturnen sprechen. Jeden Freitag (außer in den Ferien) von 15.30 bis 17.30 Uhr treffen sich Kinder und Jugendliche ab fünf Jahren in der Gymnasiumsturnhalle, für noch jüngere Kinder gibt es zwei gesonderte Angebote. Wer beim Kinderturnen neu einsteigen möchte, kann einfach vorbeikommen und die Trainerinnen ansprechen. Einmal darf man zum Reinschnuppern mitsporteln, dann muss eine Anmeldung erfolgen. Die Gruppe wärmt sich gemeinsam auf, jede Woche kommen andere Disziplinen an die Reihe - und den Höhepunkt bildet der "Parcours", der einmal pro Monat stattfindet. "Da können sich die Kinder so richtig auspowern", sagt Carolin Ritter. In den Sommermonaten geht es nach draußen. Leichtathletik ist dann angesagt. In diesen Freiluftsportarten absolvieren die Teilnehmer auch jedes Jahr das Sportabzeichen, das im Herbst bei einer Feierstunde in der Turnhalle verliehen wird. Auch Carolin Ritter und Andrea Flierl stellen sich nach wie vor dieser sportlichen Herausforderung - sie sind selbst jahrelang durch die Schule des Kinderturnens gegangen, ehe sie in die Leitung eingestiegen sind. Gemeinsam haben sie inzwischen die Übungsleiterausbildung absolviert und dabei viele Anregungen erhalten, die sie in die wöchentlichen Trainingsstunden einfließen lassen. Dabei geht es ihnen ausdrücklich nicht nur um den Sport. Auch Charakterbildung, Teamwork, Gemeinschaftssinn sind Schlagworte, die groß geschrieben werden. In einer "Ellbogengesellschaft", wie Carolin Ritter die aktuelle Zeit nennt, sei dies besonders wichtig. Dass jemand ausgelacht wird, weil er etwas nicht auf Anhieb kann, sei völlig unvorstellbar. Ein gutes Beispiel, mit welcher Überzeugung diese Botschaft gelebt wird, ist jedes Jahr die Verleihung der Sportabzeichen. Die Kinder stehen zum Teil Arm in Arm in der Halle, jeder erhält lauten Applaus von der ganzen Gruppe, wenn er nach vorne gerufen wird. Das Motto lautet: "Nicht einer ist der Beste, sondern alle." Und Bärbel Darmitzel betont: "Alle stehen auf einer Stufe."

Ihre beiden Mitstreiterinnen sehen sich als "Vertrauenspersonen" für ihre Schützlinge, aber auch ausgestattet mit der nötigen Autorität. Unterstützung erhalten sie von Sabine Belitz sowie von drei jugendlichen Mitgliedern der Turngruppe, die seit Jahren dabei sind: Sophie Endt, Melissa Stahn und Stefan Bauer. Nur dank dieser Hilfe sei es möglich, einer so großen Kinderschar Herr zu werden.

40 bis 60 junge Sportler kommen jede Woche, sie werden beim Training in mehrere Gruppen unterteilt. Das Klischee, dass nur Mädchen turnen und die Jungs zum Fußball gehen, können die drei Übungsleiterinnen widerlegen. Etwa zwei Drittel seien Mädchen, der Rest Buben - und das Verhältnis gleiche sich immer mehr an. Für die Betreuerinnen bedeutet jede Übungsstunde harte Arbeit - und doch möchten sie dieses Hobby keinesfalls missen. Es sei beispielsweise ein tolles Gefühl, wenn man mitverfolgen könne, wie sich Kinder durch diesen Sport verändern - sowohl körperlich durch Gleichgewichts- und Kräftigungsübungen als auch in ihrer Persönlichkeit. "Manchmal kommen die Kinder ganz verschüchtert zu uns. Wenn man sie dann später auf der Straße trifft, reibt man sich die Augen, wie aufgeweckt und selbstbewusst sie geworden sind", berichtet Carolin Ritter.

Außerdem schwingt für sie und Andrea Flierl noch etwas anderes mit. Sie wollen "das Lebenswerk" von Bärbel Darmitzel weiterführen. Und wer weiß: Vielleicht sind es in ein paar Jahrzehnten sie beide, die in den schönen Kindheitserinnerungen von mehreren Beilngrieser Generationen einen festen Platz haben.
Fabian Rieger
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