Pfaffenhofen
"Zwischendurch fuhr auch die Angst mit"

Speedwaypilot Julian Bielmeier aus Pfaffenhofen über die Herausforderungen seiner Sportart

17.12.2018 | Stand 02.12.2020, 15:01 Uhr |
"Kein Kindergeburtstag": Julian Bielmeier fühlt sich auf der Sandbahn wohl - auch wenn Speedway ein gefährlicher Sport ist. Zuletzt brach sich der Pfaffenhofener das Schulterblatt. Im neuen Jahr will er aber wieder angreifen. −Foto: Niklas Breu

Pfaffenhofen (DK) Julian Bielmeiers (kleines Bild) große Leidenschaft ist das Speedwayfahren.

Im Frühjahr dieses Jahres stieg der Pfaffenhofener in die nationale B-Lizenz-Klasse seines Rennsports auf. Seither driftet er mit derselben Motorisierung wie die Profis um Deutschlands Bahnen. Im Interview erzählt der 16-Jährige von seinen Erfahrungen und Erlebnissen während der zu Ende gegangenen Saison. Von Höhen und Tiefen, von der Gefahr und der Angst, dem Aufeinandertreffen mit Weltklassefahrern und seinen Zielen.

Herr Bielmeier, vor kurzem haben Sie Ihre erste Saison in der 500ccm-Klasse abgeschlossen - müsstesn Sie Ihre Leistungen mit einem Wort beschreiben, welches wäre es dann?
Julian Bielmeier: Durchwachsen, würde ich wählen. Erfolge und Enttäuschungen wechselten sich schon fast in kurioser Regelmäßigkeit ab - was nicht heißt, dass ich mit meinem ersten Jahr in der Erwachsenenklasse unzufrieden wäre.

Dann gibt es sicher ein Rennen, an das Sie sich besonders gern erinnern?
Bielmeier: Da fällt mir spontan das Bayerncup-Meeting am Pfingstsamstag in Abensberg ein: Hier gelang es mir, für den MSC Olching viele Punkte zum Gesamtsieg beizusteuern - aber vielmehr erinnere ich mich einen speziellen Lauf: Dreieinhalb Runden lang konnte ich den Dänen Kenneth Jürgensen in Schach halten. Auch wenn er mich noch kurz vor der karierten Flagge erwischte, bin ich stolz auf diesen Zweikampf, denn Jürgensen zählt in meiner Altersklasse zur Weltspitze im Speedwaysport.

Sie sprechen dabei von einer Veranstaltung zu Beginn der Saison - heißt das wiederum, dass Sie sich schnell an den stärkeren Motor gewöhnt haben?
Bielmeier: Es klingt vielleicht verrückt: Aber wenn man als junger Pilot zum ersten Mal mit einer 500er-Rennmaschine um die Bahn peitscht, dann macht das richtig Spaß und man denkt sich: ,Wow - das geht ja leicht! ' Erst im Renngeschehen und speziell auf schwierig zu fahrenden Bahnen werden einem die Augen geöffnet.

Kommt hier das berüchtigte Rennsport-Wort Setup ins Spiel?
Bielmeier: Ganz genau - die richtige Abstimmung für sich selbst und die jeweiligen Bahnverhältnisse zu finden, ist die große Kunst im Speedwaysport. Ich habe heuer viel dazugelernt - und ganz klar: zwischendurch viel Lehrgeld gezahlt.

Das hört sich nach einer Durststrecke an?
Bielmeier: Eine solche durchlebte ich definitiv im Spätsommer. Mehrere gefährliche Situationen raubten mir Sicherheit und Selbstvertrauen - ich gebe offen zu: Zwischendurch fuhr auch mal die Angst mit. Solche Phasen macht man aber als junger Fahrer durch, immerhin handelt es sich bei meiner Disziplin um einen gefährlichen Rennsport und nicht um einen Kindergeburtstag.

Wie kommt man aus einem solchen Tief wieder heraus?
Bielmeier: Fahren, fahren und nochmals fahren - das hört sich logisch an, ist in meinem Fall aber nicht ganz so einfach: Der ehemaligen Pfaffenhofener Bahn weine ich täglich nach - so muss ich, um zu trainieren, weite Fahrten auf mich nehmen. Das ist aber das Los eines Speedwayfahrers. Man fährt eben nicht nach Uttenhofen oder Schweitenkirchen, um ein Rennen zu bestreiten, sondern auch mal in die nördlichsten Teile Deutschlands. Für meine 20 Renneinsätze in diesem Jahr war ich über 10 000 Kilometer unterwegs und zwar immer mit der Familie Grichtmaier und meinem Mechaniker Christian Saller. Dafür bin ich unendlich dankbar - ohne diese Hilfsbereitschaft hätte ich keine Chance, meinen Sport auszuüben.

Neben den Rennen auf bis zu 400 Meter langen Speedwaybahnen waren Sie auch auf längeren Sand- und Grasbahnen unterwegs - wie lief es hier?
Bielmeier: Ausgezeichnet, würde ich sagen: Bei so ziemlich allen Renneinsätzen konnte ich auf das Podium fahren, so füllte sich nach und nach meine Pokalvitrine. Besonders gern blicke ich jedoch auf meinen dritten Platz beim Rennen in Pfarrkirchen zurück.

Warum?

Bielmeier: Die zwei Erstplatzierten aus der nationalen B-Lizenz-Klasse durften ausnahmsweise an einem Sonderlauf mit den stärksten Fahrern der internationalen Klasse teilnehmen. Ich muss schon sagen: Vor großer Kulisse mit Martin Smolinski, dem aktuellen Weltmeister, am Startband zu stehen, ist ein unglaubliches Gefühl - Gänsehaut pur. Natürlich war ich gegen die Weltklassepiloten machtlos, konnte aber den Speed einigermaßen mitgehen - was mir großen Auftrieb für die nächste Saison gibt.

Stichwort nächste Saison: Wie soll es weitergehen und was haben Sie sich speziell vorgenommen?
Bielmeier: Mittlerweile bin ich ja körperlich wieder hergestellt, nachdem ich mir im Oktober beim Finallauf zur deutschen Juniorenmeisterschaft das Schulterblatt gebrochen habe - bei einem unverschuldeten Sturz übrigens, was auch zum Speedwaysport gehört. So starte ich gerade mein Kraft- und Ausdauertraining, um im kommenden Frühjahr fit zu sein. Auf jeden Fall will ich weiter dazulernen, besser und konstanter werden, denn bei allen Rückschlägen: Den Spaß am Sport habe ich nie verloren - Speedway ist und bleibt mein Leben.

Am 5. Januar findet ja im Pfaffenhofener Eisstadion ein Speedway-Rennen auf Eis statt. Was halten Sie davon?
Bielmeier: Ich freue mich richtig darauf - dass der MSC es geschafft hat, diesen Event hierher zu holen, finde ich großartig. Verraten kann ich auch: Ich wollte unbedingt selbst mitfahren, habe da auch nicht locker gelassen. Leider war aber nur eine Wildcard zu vergeben und gegen einen Weltmeister wie Martin Smolinski muss ich natürlich zurückstecken. So wie es aussieht, darf ich aber an diesem Abend meine Rennmaschine ausstellen und bekomme die Möglichkeit, den Besuchern den Speedwaysport näher zu bringen.

Das Gespräch führte

Erhard Wallenäffer