Thalmässing

Zwischen Apfelmus und Vorhölle

"Limbus" zum Siegerfilm der Thalmässinger Kurzfilmtage gekürt - Beeindruckende Bandbreite

12.05.2019 | Stand 02.12.2020, 13:59 Uhr
  −Foto: Leykamm

Thalmässing (HK) Die Frage, wie viele Streifen wohl an den 25. Thalmässinger Kurzfilmtagen im Gemeindezentrum Bunker sich dem Wettbewerb stellen, lässt sich intuitiv richtig beantworten: 25 waren es natürlich.

Wesentlich komplexer stellt sich die menschliche Schuldfrage dar, die sich der diesjährige Siegerfilm zum Motto gemacht hatte. Vermeintlich rund ums Apfelmus drehte sich indes alles beim Publikumsliebling des dreitägigen Jubiläumsfestivals mit insgesamt über 550 Besuchern.

Zu diesem halbrunden Geburtstag gab es für die Zuschauer einen dritten Abend im Vorfeld geschenkt. Bei einem Best-of-Programm ließ das Team etliche Kurzfilmhits vor allem der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte noch einmal über die Leinwand flimmern (diesmal außer Konkurrenz). Was allerdings nicht so einfach war, galt es doch dabei auch das Rad der filmtechnischen Entwicklung zurück zu drehen. Denn während heutzutage ausschließlich digital präsentiert wird, war vor gar nicht allzu langer Zeit noch der 35-Millimeter-Projektor im Einsatz. Eigens zum Jubiläum karrten die Verantwortlichen deshalb ein 140 Kilogramm schweres Exemplar in den Saal. Es hat sich gelohnt, denn dieser Sondertag "war ein Geschenk für uns alle und kam super an", betonten am Ende der drei Tage die Moderatoren Peter Hauke und Hans Seidl einmütig.

Apropos: Das Ende aller Tage fand sich unter den Themen des Festivals genauso wieder wie Generationenkonflikte, fühlende Roboter oder die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper. Die Bandbreite beeindruckte auch zum Jubiläum. Über 400 Filme hatten die Hauptverantwortlichen gemeinsam mit einem 14-köpfigen Helferteam gesichtet. Zur erstgenannten Gruppe zählen in vorderster Linie Stefanie Singer und Benedikt Seidl. Die beiden seien seit geraumer Zeit "die eigentlichen Chefs", so Peter Hauke und Hans Seidl. Für die Siegerehrung holten sich die Moderatoren noch etwas Unterstützung auf die Bühne. Den ersten Preisträger durfte der Thalmässinger Bürgermeister Georg Küttinger verkünden. Aber nicht ohne vorher auf die Veranstaltung und ihre Geschichte selbst hinzuweisen. Der gute Ruf des Festivals "reicht weit über die Grenzen der Marktgemeinde hinaus", so sein Lob. Er sei begeistert, was aus dem anfänglich "zarten Pflänzchen geworden ist".

Was aus einem harmlosen Waldspaziergang werden kann, zeigt der mit 1000 Euro dotierte Siegerfilm "Limbus" (Vorhölle) von Sekander Sharifi. Zwischen den Bäumen erblickt der Spaziergänger zwei leblose Körper, daneben einen Mann mit Schaufel vor einer ausgehobenen Grube. Der wiederum verfolgt den Ahnungslosen, der ihn aus Gegenwehr mit dem Gartengerät erschlägt. Nun betritt ein weiterer Wanderer die Waldbühne - und die Szenerie geht unter anderen Vorzeichen von vorne los. "Der normative Schuldbegriff wird in Frage gestellt, wodurch der Zeuge zum Opfer, das Opfer zum Täter und der Täter zum Unschuldigen wird", hieß es in der Laudatio. Platz zwei heimste der Animationsfilm "Apfelmus" von Alexander Gratzer ein. Lobende Worte für ihn gab es von Jochen Münch, Redaktionsleiter des Hilpoltsteiner Kurier, der den Preis überreichte. Dass es sich dabei um den Publikumspreis handelte, wurde bei der Vorführung der Gewinnerstreifen zum Höhepunkt des Festivals anhand der Reaktionen der Zuschauer mehr als deutlich. Die tiefsinnige Komik speist sich hier aus philosophierenden Vögeln und Eisbären, die menschliche Spezies kommt dabei weniger gut weg.

Der dritte Preis und damit der des Teams ging an den Film "Formen" von Fariba Buchheim, die sich einfühlsam mit dem Thema Skolios auseinandersetzte. So verriet es Laudator Günter Netter, Leiter der Sparkasse Greding-Thalmässing. Die drei Regisseure der Siegerstreifen waren am Abend leider allesamt verhindert, bedankten sich aber per Videobotschaft.

Mehr Glück hatte Klaus Ploth von der evangelischen Medienzentrale Nürnberg, Er vergab im Namen eines Verbunds acht solcher Einrichtungen verschiedener konfessioneller Prägung den "Horizonte-Filmpreis". Platz eins sicherte sich hier ein Streifen namens "Löwin" von Alexander Conrads. Ein Mädchen steht hier im Spannungsfeld zwischen dem depressiven Vater und der besten Freundin. Hier verarbeitet der Macher seine eigene Beziehung zu seiner Mutter, die er bei der Verleihung auch auf die Bühne holte.

Den Preis für den zweiten Siegerfilm sicherte sich "Carlotta's Face" von Valentin Riedl und Frederic Schuld, in dem es um Gesichtsblindheit geht. "Ich bin nur wegen der Filme hier und wusste gar nicht, dass man hier was gewinnen kann - wie heißt der Preis nochmal? ", sagte Riedl sichtlich verdutzt. Olga natürlich, schallte es ihm von verschiedenen Seiten entgegen. Als Conrads die schwarze Trophäe entgegen nahm, zeigte er sich überglücklich: "Man fühlt sich hier einfach wohl."

Jürgen Leykamm