Eichstätt

Zwei Straßen, drei Namen

Vordere, Mittere und Hintere Marktgasse 1957 wurde die Litera-Bezeichnung abgeschafft

23.02.2018 | Stand 02.12.2020, 16:46 Uhr

Die Gabrielistraße hieß bis 1957 Große Wochenmarktgasse. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hieß sie Vordere Marktgasse. Das Gebäude links in der Mitte ist das Hotel Zum Bären. ‹ŒReproduktion: Ettle

Eichstätt (EK) "Vordere Marktgasse", "Mittere Marktgasse" und "Hintere Marktgasse". Das sind kuriose Eichstätter Straßennamen, die in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts gebräuchlich waren und längst Geschichte sind.

Die letzte große Reform der Bezeichnungen der städtischen Straßen und Gassen wurde 1957 vorgenommen. Damals wurden die seit 25. Oktober 1806 üblichen Litera-Ziffern abgeschafft.

ANNO DAZUMAL

Nach einer Auflistung im "Eichstätter Intelligenzblatt" vom Oktober 1806, gültig bis 1957, war Eichstätt in acht Bezirke eingeteilt, die durch große Buchstaben bezeichnet wurden: Litera A. Residenzviertel, B. Marktviertel, C. Rossmarktviertel, D. Walburgisviertel, E. Buchtalvorstadt, F. Ostenvorstadt, G. Spitalvorstadt und H. Westenvorstadt. Konservator Albert J. Günther sagte dazu, dass die Einteilung Eichstätts in Viertel 1806 auf Befehl des Polizeikommissariats vorgenommen wurde. Seinerzeit waren die Stadt und die Gemeinden von Erzherzog Ferdinand von Toscana zur bayerischen Krone gekommen. Von den damaligen Straßennamen sind heute noch einige in Gebrauch. Dazu zählen etwa Residenzplatz, Domplatz, Marktplatz, Salzstadel, Dominikanergasse, Webergasse, Kugelberg, Antonigasse und Sebastiangasse.

Eine merkwürdige Idee hatte der Magistrat bei der Bezeichnung der beiden Straßen vom Marktplatz zur Luitpoldstraße: Eine wurde in der Straßenmitte geteilt, nämlich die Hintere Marktgasse. Sie begann mit der Hausnummer B 145 (heute Marktplatz 12, Hutgeschäft Wölfl) und endete mit B 155 (Textil Ebersberger, heute Optik Dickmann). Die Mittere Marktgasse bezeichnete die südliche Häuserzeile, die mit der Metzgerei Schneider (einst B 160) begann und mit B 156 (Schuh Bretting) beziehungsweise C 271 (Drogerie Saerve), an der Luitpoldstraße endete.

Die Vordere Marktgasse begann mit B 161 (Marktplatz 16, Zinngießer Eisenhart), führte über das Hotel Zum Bären (B 164, Sparkasse) und endete mit B 169 (Café Riederer, heute Gasthaus "Zum Ammonit"). Die beiden Straßen mit den drei Namen wurden bald umbenannt und hießen bis zur Reform 1957 Große Wochenmarkt-Gasse (heute Gabrielistraße) und Kleine Wochenmarkt-Gasse (heute Marktgasse). Auf die Straßennamen finden sich in der Zeitung durchaus Hinweise. So hat im April 1809 jemand in der Hinteren Marktgasse einen goldenen Ohrring verloren. Er bat per Anzeige um Rückgabe "gegen eine angemessene Belohnung".

Einige Straßennamen aus dem Jahr 1806: Im Residenzviertel waren Jesuitenplatz (heute Leonrodplatz), Pfarrhöflein, Pfallergasse (Pfahlstaße), Kaminfegergäßlein und Fuchsengäßlein. Im Marktviertel bestand noch die Rosengasse, später Plenaglgasse, heute Pedettistraße. Leidenschaftlich diskutiert, auch in Leserbriefen, wurde von den Bürgern der Vorschlag, die Luitpoldstraße in Jeningenstraße umzubenennen. Die Anhänger von Prinzregent Luitpold (1821 bis 1912) behielten die Oberhand. Kaum noch bekannt ist die historische Bezeichnung Eselskorb von der Spitalbrücke Richtung Franz-Xaver-Platz. Ein nicht berücksichtigter Vorschlag war, aus der Kleinen Wochenmarktgasse eine Jakob-Engel-Gasse zu machen, um den berühmten Baumeister (1632 bis 1714) zu ehren. Ebenso kamen die Namen Blatternhausweg und Katzenwinkel vom Buchtal zur Rot-Kreuz-Gasse, sowie Theatergasse beim Alten Stadttheater oder etwa Schönbornplatz (heute Pater-Philipp-Jeningen-Platz) nicht zum Zug.