Neuburg
Zahnärzte fürchten um Datenschutz

15.03.2019 | Stand 02.12.2020, 14:26 Uhr |

Neuburg (DK) Bis zum 30. Juni müssen alle Ärzte und Zahnärzte in Deutschland den Auftrag für den Anschluss ihrer Praxen an die sogenannte Telematik-Infrastruktur erteilen.

Sonst drohen ihnen Honorarkürzungen. Mit dieser neuen Technik soll ein schnellerer Austausch von Patientendaten möglich sein.

Aus Sicht der Zahnärzteschaft im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen sind bei diesem Großprojekt aber noch viele Fragen offen. Sie befürchten eine Aufweichung der durch das Grundgesetz garantierten ärztlichen Schweigepflicht, erklärt deren Sprecher Michael Schmiz. Vor allem die Speicherung höchstpersönlicher Gesundheitsdaten auf einem zentralen Server ist mit erheblichen Risiken verbunden. Das zeige der Blick ins Ausland: Wie Schmiz mitteilt, seien in Singapur die Daten von 1,5 Millionen Patienten gehackt worden. Im Vorstoß Jens Spahns, Patienten den Zugriff auf ihre Daten auch via Smartphone zu ermöglichen, sieht der Obmann der Zahnärzte im Landkreis ein Einfallstor für kriminelle Machenschaften. "Patientendaten gehören in die Arztpraxis und nicht auf zentrale Server. Notfalldaten wie die Blutgruppe oder die Kontaktdaten können auf der passwortgeschützten Versichertenkarte gespeichert werden", schlägt der Neuburger Zahnarzt vor.

Er befürchtet, dass der Öffentlichkeit noch nicht bewusst sei, wie weitreichend die vom Bundesgesundheitsminister geplanten Änderungen sein würden. "Die komplette Digitalisierung aller Patientendaten nutzt weder dem Arzt oder Zahnarzt noch dem Patienten. Von diesem Milliarden-Projekt profitiert in erster Linie die IT-Industrie, die mit dem Aufbau der Infrastruktur beauftragt ist. So muss jede Praxis mehrere Tausend Euro in neue Kartenlesegeräte und Internetrouter investieren", stellt Schmiz klar. Aus seiner Sicht haben gesetzliche und private Krankenkassen sowie die Industrie. "Einer Klassifizierung der Menschen nach Gesundheitszustand ist damit Tür und Tor geöffnet. Daten sind unglaublich wertvoll und quasi das Erdöl des 21. Jahrhunderts", warnt Schmiz.

Noch sei es nicht zu spät, den Weg in Richtung "gläserner Patient" zu verlassen. Schmiz hofft, dass das Selbstbestimmungsrecht der Patienten vom Gesetzgeber ernst genommen wird, und der Bundestag die Pläne des Bundesgesundheitsministers entschärft. "Wir Zahnärzte sind nicht gegen die Digitalisierung, sie muss aber mit Maß und Ziel erfolgen. Die Datensicherheit muss an oberster Stelle stehen. Der Hippokratische Eid verbietet es uns, sensible Patientendaten gedankenlos auf einem zentralen Server zu speichern", sagt Schmiz.