Greding

"Wir arbeiten rund um die Uhr"

Bestatter müssen in der aktuellen Lage der Pandemie eine hohe Zahl von Sterbefällen bewältigen- Schwierige Zeiten für Angehörige

29.01.2021 | Stand 03.02.2021, 3:33 Uhr
Viele Sterbefälle gibt es derzeit, die vor allem der Infektion mit dem Coronavirus geschuldet sind. −Foto: Vennenbernd, dpa

Greding/Thalmässing - "Es ist der Horror.

" Paul Mühleck, der Seniorchef der Bestattungsfirma Mühleck in Schutzendorf, muss nicht lange überlegen, wenn er die Situation in Pandemiezeiten beschreiben will. Es ist nicht nur die hohe Zahl an Verstorbenen, die ihm so zu schaffen macht, sondern auch die schwierige Gratwanderung zwischen den Wünschen der Angehörigen und den gesetzlichen Vorgaben.

"Würdig und anständig" will Mühleck die Verstorbenen auch in Coronazeiten bestatten. Allerdings kann er nicht jeden - in normalen Zeiten so selbstverständlichen - Wunsch der Angehörigen erfüllen. Denn für Beerdigungen gibt es klare gesetzliche Vorschriften, die unbedingt eingehalten werden müssen. "Die Angehörigen wollen eine Aussegnung am offenen Sarg, einen Rosenkranz, eine Trauerfeier in der Kirche", sagt er und bedauert, dass ein Bestatter im Fall eines an Corona Verstorbenen nicht alles anbieten kann. "Wir dürfen einfach nicht", sagt er und meint damit unter anderem die Öffnung des Sargs.

Wenn der Bestatter auf die Einhaltung dieser Regelungen drängt, stößt er nicht immer auf Verständnis. "Bei einer Beerdigung waren mehr als die 25 zugelassenen Angehörigen dabei", nennt er ein Beispiel. Er habe dann einige gebeten, sich außerhalb der Friedhofsmauer hinzustellen. Diese Besucher wollten das nicht akzeptieren. Ein Bild dieser zu großen Besucherzahl sei dann von jemandem ans Gesundheitsamt geschickt worden und "das hat uns gewarnt, dass der Verstoß gegen die Regelung 2500 Euro kostet".

"Das ist Stress pur, wir arbeiten rund um die Uhr", sagt Paul Mühleck. Im Winter gebe es eigentlich immer mehr Sterbefälle im Sommer, vor allem auch unter den Älteren. "Die sind dann an einer Grippe oder Lungenentzündung gestorben. " An so eine Häufung von Todesfällen wie derzeit könne er sich aber nicht erinnern. Und wenn er nach einem Todesfall gerufen werde, dann führe der Weg zurzeit meist in ein Alters- oder Pflegeheim, in ein Krankenhaus oder Hospiz. Die an Corona Erkrankten würden normalerweise nicht zu Hause sterben, sondern in einer Einrichtung. "Und die Angehörigen können sich nicht mehr persönlich verabschieden. " Wenn dieses Menschliche fehle, sei es schwerer, den Verstorbenen loszulassen. "Wenn Angehörige ihre schwer kranken Verwandten zwei Wochen lang nicht besuchen dürften und die dann sterben, tut das weh. "

Auch für die Bestatter selbst gelten in Pandemiezeiten ganz andere Regelungen. Um sich selbst vor einer Infektion zu schützen, müssten sie Schutzanzug, Maske, Visier, Haube und Handschuhe tragen, wenn sie einen Verstorbenen abholen. Auch die Desinfektion aller Flächen, die sie angefasst hätten, sei wichtig. Angst, dass er sich ansteckt, hat Mühleck aber nicht. "Aber man ist immer angespannt, achtet genau darauf, dass man sich nicht infiziert. "

Nicht nur die Bestatter haben zurzeit viel mehr Arbeit als sonst, auch im Weißenburger Krematorium wird derzeit im Dreischichtbetrieb gearbeitet. Paul Mühleck macht keinen Hehl daraus, dass er eine Urnenbestattung der Erdbestattung vorzieht. "Wenn jemand krank war, bleiben die Medikamentenrückstände im Boden", argumentiert er. Wenn Angehörige "es unbedingt wollen, kann man aber auch eine Erdbestattung machen, auch bei einem Corona-Todesfall. "

Die Entscheidungen, die Angehörige bei einem Todesfall treffen müssten, seien nicht immer einfach, berichtet Sabine Mayinger vom gleichnamigen Gredinger Bestattungsinstitut. "Sie müssen sich überlegen, wen sie zu einer Beerdigung einladen. " Denn auf dem Friedhof seien eben nur 25 Besucher erlaubt, anders als in der Kirche. "Dort dürfen so viele Trauergäste rein, wie Plätze mit Abstand ausgewiesen sind. " Allerdings seien die Bekannten von älteren Verstorbenen auch oft schon älter und verzichteten aus Vorsicht lieber von sich aus auf die Teilnahme an einer Beerdigung. Sabine Mayinger hat die Erfahrung gemacht, dass die Angehörigen sehr viel Verständnis hätten, wenn man sie auf die nötigen Einschränkungen hinweise. "Wir erklären die gesetzlichen Vorgaben, dann ist das eigentlich kein Problem. Wir machen möglich, was möglich ist. " Durch gute Aufklärung könne man den Angehörigen auch die Verunsicherung nehmen.

Sie hätten auch Verständnis, dass sie derzeit aufgrund der vielen Sterbefälle manchmal etwas auf einen Beerdigungstermin warten müssten. "Wir versuchen, so viel wie möglich abzuarbeiten, immer der Reihe nach. " Es gebe aber auch Angehörige, die den Bestattungstermin gern noch etwas schieben möchten, am liebsten auf die Zeit nach Corona.

HK

Andrea Karch