Roth

Wenn das Gedächtnis nachlässt

Mit vielen Aktionen präsentiert sich die "Allianz Demenz" im Landkreis bei der ersten bayerischer Demenzwoche

13.09.2019 | Stand 02.12.2020, 13:04 Uhr
Die "Allianz Demenz" beteiligt sich mit zahlreichen Aktionen an der ersten bayerischen Demenzwoche. Günther Wittmann, Brigitte Reinard, Bettina Honeiser, Carmen Fuhrmann, Ottilie Tubel-Wesemeyer und Petra Lobenwein werben gerne dafür. −Foto: Tschapka

Roth (HK) Bis zum 22. September findet die erste bayerische Demenzwoche des Gesundheitsministeriums statt.

Mit zahlreichen Aktionen und Vorträgen beteiligt sich daran auch die "Allianz Demenz für den Landkreis Roth", eine Gruppe von Menschen, die entweder ehrenamtlich oder beruflich mit dem Thema Demenz zu tun haben. Organisiert und moderiert werden die Treffen vom Landratsamt, der Fachstelle für pflegende Angehörige der Diakonie Neuendettelsau im Pflegestützpunkt und der Gesundheitsregion plus.

Die Mitglieder der "Allianz Demenz" bieten in dieser Woche ein breites Spektrum unterschiedlicher Angebote und Aufführungen an und klären über den Umgang mit nachlassenden kognitiven Fähigkeiten bis hin zu Demenzerkrankungen auf. Die Veranstaltungen richten sich nicht nur an mögliche Betroffene und deren Angehörige, sondern sind zum Großteil bewusst auch für Bürger konzipiert, die sich über dieses in vielen Erscheinungsformen auftretende Krankheitsbild informieren wollen.

"Einen leichten Einstieg in dieses harte Thema" bietet laut Günther Wittmann, Geschäftsstellenleiter der hiesigen Gesundheitsregion plus am 22. September um 11 Uhr im Rother Bavaria-Kino der Film "Nebenwege - Pilgern auf Bayrisch". Der Spielfilm berichtet in eindrucksvollen Bildern von einer Familie, die durch eine unfreiwillige Pilgerreise nach Altötting ihre Sprachlosigkeit überwindet und wieder zueinander findet. Bereits ab 10.30 Uhr besteht laut der stellvertretenden Pflegedienstleiterin des Rother Krankenhaus, Bettina Honeiser, für alle am Film Interessierten ein Betreuungsangebot in der speziell für diese Zwecke nostalgisch eingerichteten Plauderstube der Klinik für ihre dementen Angehörigen.

Nach dem Film ist eine Diskussionsrunde geplant, an der sich unter anderem die Seniorenbeauftragte der Stadt Roth, Brigitte Reinard und Bettina Honeiser, die auch die zweite Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, Landesverband Bayern ist, beteiligen. Moderiert wird der Kinovormittag von Günther Wittmann.

Einmal im Monat findet im Offen Haus (OHA) in Roth das von der Seniorenbeauftragten organisierte Erzählcafé statt. In der Demenzwoche findet dieses ausnahmsweise im evangelischen Gemeindehaus statt. Am 18. September stellen sich dort ab 14.30 Uhr unter dem Motto "fördern - helfen - pflegen" der Diakonieverein Roth und der Krankenpflegeverein Roth-Büchenbach vor. Sie informieren unter anderen darüber, wie man sich helfen kann, sollte man von einer Gesetzeslücke betroffen sein. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit zum gemeinsamen Musizieren mit Günther Pfaffenritter und seiner Gitarre.

Brigitte Reinard ist nicht nur Seniorenbeauftragte der Stadt, sondern auch ausgebildete Laienpredigerin und lädt am 22. September ab 9.30 Uhr zu einem Demenzgottesdienst in die Ottilienkirche in Pfaffenhofen ein. Er steht unter dem Motto "Bei Gott geht keiner verloren". Auf eine wortreiche Predigt wird dabei bewusst verzichtet, stattdessen warten auf die Gläubigen bekannte Lieder, vertraute Gebete und "der verlorene Sohn" als Bibeltext. "Sollte dieser Gottesdienst Früchte tragen, dann werden wir ihn demnächst öfters anbieten", sagte Reinard.

Am Dienstag und Freitag hat außerdem die Rother Musterwohnung "TABEA" (Technik, Alltag, Barrierefreiheit, Erleben für Alle) in der Gartenstraße 30a geöffnet. Dabei laden Ottilie Tubel-Wesemeyer und Carmen Fuhrmann vom Amt für Senioren und Soziales des Landratsamts zu stündlichen Führungen - jeweils von 9 bis 16 Uhr - durch die barrierefreie, seniorengerechte Modellwohnung mit demenzsensiblen Gegenständen. Neben Innovationen wie dem digitalen Aktivitätstisch gibt es auch demenzgerechte Spiele und sensorisch stimulierende Klangkissen zum Ausprobieren.

Am Donnerstag, 19. September, findet um 16 Uhr im Gesundheitszentrum I der Vortrag "Belastungen und Entlastungsangebote für pflegende Angehörige" von Elmar Gräßel statt, dem Leiter des Zentrum für Medizinische Versorgungsforschung (ZMV) am Universitätsklinikum Erlangen. Für diesen gibt es wieder in der Plauderstube der Kreisklinik ein Betreuungsangebot für demenziell Erkrankte.

Kurz nach der offiziellen Demenzwoche geht es am 28. September ebenfalls im Gesundheitszentrum I um die "Demenzfreundliche Apotheke", bei dem ein Netzwerk aufgebaut werden soll, das Betroffenen und ihre Angehörigen eine Hilfestellung bei auftretenden Fragen geben will. Eingebunden sein sollen alle Anlaufstellen wie die Fachstelle für pflegende Angehörige, die Alzheimer Gesellschaft sowie die Apotheken des Landkreises und darüber hinaus.

Und zwischen dem 10. Oktober und 12. Dezember gibt es an gleicher Stelle den zehnteiligen Kurs "Wenn das Gedächtnis nachlässt" der Edukationstrainerin Petra Lobenwein vom Pflegestützpunkt Roth, der sich an die Angehörigen von demenziell Erkrankten richtet. Dabei sollen neben einem besseren Verständnis für Personen mit Demenz auch die eigene Rolle als Betreuungsperson besser erkannt und angenommen und gleichzeitig Wege aufzeigt werden, wie man den Alltag besser bewältigt. Die 100 Euro Kursgebühr werden von der Pflegekasse erstattet.

Tobias Tschapka