Ingolstadt
Warten auf den Abrissbagger

Wohnblock an der Ettinger Straße soll Neubau weichen - Jetzt hat erneut der Eigentümer gewechselt

17.09.2018 | Stand 23.09.2023, 4:06 Uhr |
In die Jahre gekommen: Das 50 Jahre alte Wohn- und Geschäftshaus an der Kreuzung Ettinger Straße/Hindenburgstraße hat erneut den Eigentümer gewechselt. An den Plänen, den Komplex abzureißen, ändert das allerdings nichts. Im Gegenteil: Einige in das Projekt Involvierte nennen nun erste Details bezüglich Größe und Investitionssumme. Auch auf die Nachbaranwesen könnte sich das Bauvorhaben auswirken. −Foto: Brandl

Ingolstadt (DK) Wie geht es weiter mit dem Wohnblock am Eck von Ettinger Straße und Hindenburgstraße? Das weitgehend entmietete, 50 Jahre alte Gebäude an der belebten Kreuzung wurde vor gut zwei Jahren von einer Erbengemeinschaft an einen Unternehmer aus dem Raum Ingolstadt verkauft. Nun hat erneut der Eigentümer gewechselt. An den gehegten Neubauplänen ändert das aber offenbar nichts.

Im Februar 2017 berichtete unsere Zeitung über den ersten Verkauf. Jetzt erfuhr der DONAUKURIER, dass das vierstöckige unsanierte Haus, in dem sich neben Gewerberäumen im Erdgeschoss auch acht Wohnungen mit langjährigen Mietern befanden, an eine Investorengruppe weiterveräußert wurde. Die privaten Mieter sind mittlerweile alle ausgezogen, nachdem ihnen vom Vorbesitzer gekündigt worden war. Auch ein großes Ladenlokal im Erdgeschoss, in dem sich lange ein Zeitschriftengeschäft befand, steht seit Monaten leer. Was nun geschehen soll, dazu ist derzeit auch von einem der neuen Eigentümer noch nicht viel zu erfahren.

Sicher scheint jedoch, dass das Haus abgerissen wird. "Wir stehen am Beginn der Planung", sagt Gabriel Nißl. Der frühere Leiter des städtischen Hochbauamts, der sich mittlerweile in der Baubranche selbstständig gemacht hat - rechnet mit noch etwa einem Jahr, bis alle Formalitäten erledigt sind. Unter anderem gebe es für das Grundstück noch keinen Bebauungsplan. "Ich denke, dass wir Ende 2019 das Baurecht erhalten", so Nißl. Zudem wolle die Investorengruppe im Zuge der Planung das Gespräch mit den gewerblichen Nachbarn suchen. Das sind die Firma Schäffler und auch ein Edeka-Markt, der sich in einem direkt angrenzenden Gebäude an der Hindenburgstraße befindet - wiederum auf einem Grundstück des Vorbesitzers.

Betroffen von dem Vorhaben ist auch der Second-Hand-Shop der Evangelischen Aussiedlerarbeit, der in einem Teil des Edeka-Gebäudes untergebracht ist. Auch dort wisse man im Moment nicht, wie es weitergehe, hieß es auf Nachfrage. "Unser Mietvertrag ist jederzeit kündbar, deshalb bleibt zu befürchten, dass wir irgendwann raus müssen", so Pfarrer Helmut Küstenmacher von der evangelischen Aussiedlerarbeit auf Anfrage des DK.

In einem flachen Anbau an der Nordseite des Hauses hat derzeit noch ein orientalisches Café geöffnet. Es handelt sich um den letzten verbliebenen Mieter in dem Komplex, der einen Teil seiner Räume wiederum an ein Döner-Lokal untervermietet hat. "Ich würde gerne bleiben und hoffe, dass es mit dem neuen Eigentümer irgendwie weitergeht", sagt Mohamed Jelidi, der sein Café seit mehr als 15 Jahren betreibt. Mit dem Vorbesitzer hätte sich vor zwei Jahren dahingehend eine Lösung angedeutet.

Dass dem Mann Ende August vermutlich mutwillig eine Schaufensterscheibe eingeschlagen wurde, scheint ihn in seinem Wunsch nicht zu beirren. "Es ist in letzter Zeit gefährlicher geworden hier", sagt er dazu nur. Mit dem Bauvorhaben habe das aber nichts zu tun. Auf dem Schaden könnte der gebürtige Tunesier, der seit 30 Jahren in Deutschland lebt, womöglich sitzen bleiben. "Meine Versicherung hatte ich schon gekündigt", räumt er ein. Jetzt aber mache er erst einmal weiter, bis er von den neuen Eigentümern des Gebäudes Näheres erfährt.

Auch der Edeka-Markt soll nach DK-Informationen nach wie vor Bestandteil der zukünftigen Planung bleiben. Das bestätigt auch Nißl. Aus der Pressestelle von Edeka-Südbayern heißt es schriftlich hierzu: "Fakt ist, dass Edeka unverändert Mieter ist und auch künftig an diesem attraktiven Standort vertreten sein möchte. Entsprechend können wir Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Details nennen."

Was das neue Gebäude angeht, gibt es wohl zumindest schon gewisse Vorstellungen von dem, was baulich an der Kreuzung möglich ist. Demnach sei denkbar, dass das Gebäude bis zu 30 Meter hoch werden und sieben bis acht Stockwerke sowie entsprechend viele Tiefgaragenplätze umfassen könnte, wie der DONAUKURIER aus dem Umfeld der Beteiligten erfuhr. Die Rede war dabei unter anderem von "Wohnen in anderer Dimension" und Studentenappartements. Die Investitionssumme könnte sich demnach auf zwischen 20 und 30 Millionen Euro belaufen. Die Stadt Ingolstadt hält sich zu dem Bauvorhaben noch bedeckt. "Das Projekt befindet sich in einem sehr frühen Planungsstadium, in dem sich die Stadtverwaltung üblicherweise noch nicht äußert. Dies kann erst im weiteren Verlauf der Planung geschehen", heißt es aus der Pressestelle dazu.

Michael Brandl