Gerücht in aller Munde

Wahrheit oder Fake-News? Ingolstädter Ärztin enttarnt Quarantäne-Brecher in Supermarkt

Die Geschichte einer Ärztin, die beim Einkaufen in Ingolstadt um die 20 Quarantäne-Aspiranten erwischt haben soll

04.12.2021 | Stand 13.12.2021, 3:33 Uhr
  −Foto: Pixabay

Von Michael SchmatlochIngolstadt - Da geht man nichtsahnend zum Einkaufen und läuft dabei einem hochansteckenden Corona-Infizierten über den Weg, der eigentlich in Quarantäne, genauer gesagt in Isolation sein müsste. Eine Horrorvorstellung. Doch ähnliches soll sich in Ingolstadt zugetragen haben. Sogar noch schlimmer. Denn als der betreffende Quarantäne-Verweigerer anonym ausgerufen worden sei, hätten sich gleich 20 Ertappte an der Information gemeldet.

Begibt man sich indes auf intensive Recherche, dann geht einem schnell das berühmte Schlagwort von Ex-Präsident Donald Trump durch den Kopf: Fake-News.

Wie groß ist in Ingolstadt eigentlich die Wahrscheinlichkeit wirklich, beim Einkauf im Supermarkt, beim Bäcker, Metzger oder einem Fachmarkt, in einem Lokal oder einfach nur auf der Straße einem mit Corona Infizierten zu begegnen? Schwer zu sagen. Bei der Zahl an Neuinfektionen (98 neue Fälle seit der gestrigen Meldung), denen man theoretisch begegnen kann, noch bevor sie per Diagnose in Isolation landen, sind es gerade einmal um die 0,1 Prozent der Bevölkerung. Und der Anteil offiziell Erkrankter liegt bei gut einem Prozent, gemessen an der Gesamtbevölkerung. Und die befinden sich entweder im Krankenhaus oder in strenger Isolation.

Doch es gibt selbstredend auch Infizierte, sogar Geimpfte, die überhaupt keine Symptome haben und dementsprechend nichts von ihrer Infektion bemerken, gleichwohl das Virus aber weitertragen können. Die werden nicht einmal mit der 2G-Regel erkannt. Und doch ist die Gefahr, sich anzustecken, gefühlt doch eher gering- zumal die, bei denen potenziell Ansteckungsgefahr besteht, ja in Quarantäne sind. Sind sie das wirklich?

In angeordneter Quarantäne befinden sich in Ingolstadt derzeit rund 250 Personen, wie das Presseamt der Stadt mitteilt. "Quarantäne betrifft die engen Kontaktpersonen von Infizierten. Geimpfte oder Genesene müssen in der Regel nicht in Quarantäne", so der städtische Pressechef Michael Klarner. Und definitiv Infizierte werden ohnehin in die sogenannte Isolation geschickt.

Kontrollieren lässt sich das natürlich schwer. Abgesehen von Kontrollanrufen hat das Gesundheitsamt da wenig Möglichkeiten. Und selbst die Anrufe zuhause ließen sich aushebeln, wenn man zum Beispiel seinen Festnetzanschluss auf das Handy umleitet.

Könnte es also doch stimmen, was man sich in Ingolstadt an den Lagerfeuern zuraunt, die Geschichte mit den Quarantäne-Verweigerern im Einkaufsmarkt? In folgender Variante macht die Geschichte in Ingolstadt beharrlich die Runde: Eine Ärztin, die in der Mittagspause in einem großen Ingolstädter Verbrauchermarkt zum Einkaufen ging, lief bei dieser Gelegenheit einem ihrer Patienten über den Weg, von dem sie wusste, dass er eigentlich in Quarantäne sein müsste. Also ließ sie ihn anonym ausrufen, damit er sich, um eine Anzeige zu vermeiden, bei der Information meldet. Doch dort fand sich dann aber nicht nur der ertappte Quarantäne-Aspirant ein, sondern um die 20 Personen, die sich alle angesprochen fühlten.

Ob und wo genau sich das Ganze wirklich zugetragen haben soll, ließ sich trotz hartnäckiger Recherchen nicht verifizieren. Die betreffende Medizinerin will angeblich anonym bleiben und Geschäftsführer in Frage kommender Märkte, winken ab. Zwar hätten sie davon auch gehört. Aber bei ihnen sei das nicht passiert. "Ich kann Ihnen versichern, dass unsere Mitarbeiter keine Ausrufe in dieser Form machen, wenn der Name nicht bekannt ist", so eine durchaus glaubhaft Auskunft.

Je tiefer man gräbt, desto mehr driftet die ganze Geschichte in Richtung Verschwörungstheorie ab. Denn in einem Pfaffenhofener Supermarkt soll eine Anwältin ebenfalls einen Quarantäne-Sünder erwischt haben. Auch er soll sich auf die Durchsage, er könne einer Anzeige entgehen, wenn er sich an der Information einfindet, mit 20 bis 25 anderen Personen gemeldet haben. Ähnliche Geschichten kommen aus Österreich, Regensburg und, und, und.

Dass es Menschen gibt, die auf Quarantäne und Isolation pfeifen und sich unbedarft in der Öffentlichkeit bewegen, steht außer Frage. Die Horror-Szenarien indes, dass die in Horden in den Geschäften zu finden sind, gehören wohl eher in die Schublade, in der das Ungeheuer von Loch Ness schon lange auf Gesellschaft wartet.