Geisenfeld

"Verzicht auf Plakate war ein Fehler"

18.07.2011 | Stand 03.12.2020, 2:36 Uhr

 

Geisenfeld (GZ) Jubel auf der einen, Enttäuschung auf der anderen Seite: Mit zwei Kandidaten – Rolf Deml für die Freien Wähler, Günter Böhm für die AUL – ist Geisenfeld in die Landratswahl gegangen. Für Böhm ist der Ofen aus, aber Deml kann hoffen. Die Suche nach den Gründen fällt keinem leicht.

„Ich bin noch immer völlig geplättet und habe es noch gar nicht richtig realisiert. Es ist eine ganz besondere Freude für mich, in Geisenfeld auf dem ersten Platz gelandet zu sein. Aber ich kann überhaupt nicht sagen, wie mir das gelingen konnte“, sagt Rolf Deml.
 

Es war eine kurze Nacht für den politischen Neuling. Unter dem Strich konnte er 35,58 Prozent der Geisenfelder Wähler – die Wahlbeteiligung lag hier mit 38,59 Prozent trotz zweier Kandidaten aus der Stadt weit unter den Erwartungen – dazu bewegen, für ihn an die Wahlurnen zu gehen. Sein lokaler Kontrahent Günter Böhm kam immerhin auch auf 31,86 Prozent der Stimmen und überflügelte damit vor Ort sogar den CSU-Favoriten Martin Wolf (21,56 Prozent) .

„Es könnte schon etwas ausgemacht haben, dass wir weit mehr plakatiert und hohen Aufwand betrieben haben“, vermutet der FW-Ortsvorsitzende Erich Erl. Demls Sieg bezeichnet er als „freudige Überraschung“. Den Ausschlag hat in Erls Augen die Tatsache gegeben, dass „wir um jede einzelne Stimme gekämpft haben“. In genau dieser Art und Weise will der Ortsverband Deml nun auch bis zur Stichwahl am 31. Juli unterstützen und zum Landrat machen. „Wir besprechen zunächst die weitere Strategie und werden dann unseren Einsatz noch einmal deutlich erhöhen“.

Rein auf Geisenfeld zugespitzt spiele in seinen Augen auch eine gewichtige Rolle, wie der Kandidat mit Nachnamen heißt. „Der Name Deml ist bei uns natürlich ein Pfund. Das hat die Tatsache, dass er noch nicht so lange wieder im Landkreis lebt, absolut ausgeglichen.“ Von einem wirklichen Konkurrenzdenken gegenüber der Böhm-Fraktion will weder Deml noch Erl etwas wissen. „Sein Ergebnis in Geisenfeld war ebenfalls sehr gut“, zollt Erl dem politischen Gegner Respekt – und Deml fügt an: „Wir haben wirklich ein sehr gutes Verhältnis zueinander. Es war ein wunderbar faires und sachliches Ringen.“

Das sieht die Gegenseite ähnlich. „Wir haben schon deutliche Schnittmengen. Allerdings werden wir erst noch Gespräche mit beiden Parteien führen, ehe wir uns auf eine Seite festlegen“, sagt Günter Böhm und gratuliert Deml zunächst zu dessen Erfolg. Böhm kann mit dem Ergebnis zwar leben, ist aber dennoch enttäuscht. „Wir haben in dieser Wahl wunderbar gesehen, dass es mehr auf die Partei und weniger auf den Kandidaten und die Inhalte ankam“, fügt er an. Dass der Verzicht auf die Plakatierung ein Fehler der AUL gewesen sei, räumt der Kreistags-Fraktionschef unumwunden ein. „Allerdings hätten wir maximal drei bis fünf Prozent mehr erreicht. Es hätte wenig bewirkt.“ Eine echte Chance habe ein unabhängiger Kandidat nur, wenn sich die Bevölkerung enorm für die Wahl interessiere und informiere. „Das ist nicht geschehen. Es waren viele Unwägbarkeiten im Spiel und sie sind sich nicht zu meinen Gunsten ausgegangen.“

Weit fortgeschritten ist die Wahlanalyse bei Bürgermeister Christian Staudter, Böhms politischen Weggefährten und AUL-Kollegen im Kreistag. „Ein Wahlkampf ohne Plakate macht keinen Sinn, das haben wir gelernt“, räumt er umgehend Fehler ein. Staudter habe nicht damit gerechnet, dass ein unbedarfter Neueinsteiger wirkliche Chancen haben könnte. Deml habe „das gut gemacht und für eine Überraschung gesorgt. Dass die vergangenen zwei Jahre und die Schäch-Affäre keine Auswirkungen hat, ist dennoch ungewöhnlich.“

Im Blick nach vorn gibt sich das Stadtoberhaupt lokalpatriotisch. „Es ist ein Geisenfelder in der Strichwahl, von dem wir thematisch nicht weit entfernt sind. Natürlich drücke ich jetzt ihm die Daumen.“