Ingolstadt
"Tyler Bouck bringt alles mit"

08.08.2010 | Stand 03.12.2020, 3:47 Uhr |

Auf sein Kommando hören die Panther: Cheftrainer Greg Thomson (links). - Foto: Mundt

Ingolstadt (DK) Greg Thomson sieht man seine gute Laune an. Mit einem Lächeln stapft der Trainer des ERC Ingolstadt nach der öffentlichen Übungsstunde im Rahmen der Saisoneröffnungsfeier vom Eis und macht auf dem Weg in die Kabine schnell noch einen Fan glücklich.

Der junge Panther-Anhänger bittet um die Schirmmütze des Trainers und bekommt seinen Wunsch prompt erfüllt. Auch dem Anliegen von unserem Redakteur Stefan König kommt Thomson nach. Im Interview spricht der Deutsch-Kanadier über seine Erwartungen an den neuen Kader und den Stand der Vorbereitung.

Herr Thomson, die erste Woche der Vorbereitungszeit ist vorüber. Was sind Ihre Eindrücke?


Greg Thomson:
Die Jungs haben gut mitgezogen. Auch in Sachen Taktik haben wir schon das eine oder andere geübt. Alle sind fit. Bis auf Bobby Wren haben wir keinen Ausfall. Aber das hat nichts mit dem Training zu tun.

Ihm ist ein Nierenstein entfernt worden. Wann wird er wieder zur Mannschaft stoßen?

Thomson: Die OP ist gut gelaufen. Ich hoffe, dass er am Montag schon wieder locker laufen kann. Das erste Spiel beim Turnier in der Schweiz wird für ihn noch zu früh kommen. Bobby wird aber auf jeden Fall mitfahren.

Es ist bekannt, dass noch ein Center zur Mannschaft stoßen soll. Damit wird der Konkurrenzkampf noch eine Spur härter. Es wird auch unzufriedene Spieler geben. Davor graut doch jedem Trainer?

Thomson: Es wird fair zu gehen. Jeder bekommt seine Chance. Natürlich wird es lange Gesichter geben, aber ich erwarte von jedem vollen Einsatz. Egal, ob er in der vierten Reihe oder bei unserem Kooperationspartner in Landshut spielt. Von den jungen Spielern wird immer einer dort spielen. Ich will nicht, dass sie auf der Bank oder der Tribüne versauern.

Haben Sie schon die neue Paradereihe im Kopf?

Thomson: Wir haben eine ausgeglichene Mannschaft. Jede Reihe ist in der Lage, Tore zu schießen. Bei mir gibt es keine erste, zweite oder vierte Reihe.

Haben Sie sich schon bei der Wahl des Kapitäns festgelegt?

Thomson: Ich lasse die Mannschaft kurz vor Saisonbeginn wählen. Bis dahin wird gewechselt. Das finde ich fair, obwohl ich mir ziemlich sicher bin, wer gewählt wird.

Alles spricht im Prinzip für Tyler Bouck?

Thomson: Tyler verkörpert alles, was ein Kapitän ausmacht. Er verhält sich auf dem Eis vorbildlich. Dazu ist er ein sehr ausgeglichener Mensch, der aber trotzdem kein Problem hat, seine Meinung zu vertreten.

Viel wird auch wieder von Thomas Greilinger abhängen. Hat er die Nichtnominierung für die WM weggesteckt?

Thomson: Greili hat in den vergangenen 18 Monaten viel erlebt. Gegen Ende der Saison war er körperlich und geistig ein wenig ausgebrannt. Die Olympischen Spiele, das vermeintliche Angebot aus Russland und dann das WM-Aus in letzter Sekunde – das alles hat bei Greili Spuren hinterlassen. Wobei ich die Entscheidung von Krupp immer noch nicht verstehe. Im Moment habe ich schon den Eindruck, als ob Greili das alles gut weggesteckt hat.

Welche Rolle wird der lange verletzte Patrick Buzas spielen?

Thomson: Man merkt ihm die fehlende Spielpraxis an, aber er macht einen guten Eindruck. Ich war mir wirklich nicht sicher, ob er es nochmals packt.

Gewähren Sie uns doch bitte einen Einblick in Ihr Innenleben. Was überwiegt: Die Freude, das Vertrauen bekommen zu haben als Cheftrainer in die Saison zu gehen oder der Druck, mit dem ERC den nächsten Schritt zu machen?

Thomson: Es hält sich die Waage. Druck haben alle, da stehe ich nicht alleine. Ich bin stolz, den ERC trainieren zu dürfen.

Wie lautet Ihre Vorgabe?

Thomson: Unser Ziel ist es, dass wir uns direkt für die Play-offs qualifizieren. In der vergangenen Saison wäre das auch möglich gewesen. Leider haben wir nicht konstant genug gespielt. Einem starken Spiel folgten drei durchwachsene. Das muss heuer besser laufen.

Was macht Sie zuversichtlich?

Thomson: Wir müssen in jedem Spiel unser bestes Eishockey abrufen, das ist klar. Mit vier guten Reihen sollte das gelingen. Dadurch können wir Kraft sparen. In der vergangenen Saison war das nicht so. Da mussten wir oft mit zweieinhalb Reihen Unter- und Überzahl bestreiten. Deshalb sind wir im letzten Drittel oft eingebrochen.

Mit Rick Nasheim hat Ihnen Sportdirektor Jim Boni seinen ehemaligen Co-Trainer an die Seite gestellt. Ist das ein Problem für Sie?

Thomson: Nein. Rick ist ein erfahrener Man, der als Spieler und Trainer viel erlebt hat. Davon können alle im Verein profitieren.

Wie wird die Aufgabenverteilung aussehen?

Thomson: Das werden wir in den nächsten Wochen noch festlegen. Ich arbeite gerne mit Rick zusammen, bisher hat es gut geklappt.

Wie schätzen Sie die Liga dieses Jahr ein?

Thomson: Es wird enger zugehen. So einen Alleingang, wie es Berlin in der vergangenen Saison gemacht hat, wird es nicht geben. Sechs, sieben, acht Mannschaften kommen für die Top-Plätze in Frage.