Brüssel

TTIP und die Profiteure - EU-Studie zeigt Risiken und Chancen des Freihandelsabkommens

18.05.2016 | Stand 30.06.2016, 14:48 Uhr

Brüssel (DK) Egal ob Jeans, Sonnencreme oder Autos - nichts davon wird günstiger durch das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA. Eigentlich war genau das versprochen worden. Doch in Europa würden die Preise durch TTIP um 0,3 Prozent ansteigen. Das ist das Ergebnis der sogenannten Ecorys-Studie, welche die EU-Kommission in Auftrag gegeben hat. Demzufolge steigen zwar auch die Löhne, doch die positiven Effekte des Abkommens seien geringer, als die EU angenommen hatte. Die Studie zeigt detailliert, wer profitieren würde und wer verliert.

Amerikanisches Fleisch auf europäischen Tellern: Die USA würden vor allem im Fleisch- und Agrarbereich von höheren Exporten profitieren und die europäischen Produzenten unter Druck setzen. Die Forscher sehen die US-Fleischindustrie mit einem Wachstum von bis zu zwei Prozent als klaren Gewinner des Abkommens.
 
Negative Effekte bei Elektro und Stahl für beide Seiten: Für die Elektro- und Stahlindustrie könnte TTIP in beiden Regionen einen negativen Strukturwandel beschleunigen. Die Ersteller der Studie sehen für diese Branchen vor allem Nachteile durch den Freihandel. Anbieter aus anderen Ländern würden profitieren, wenn die Standards für Elektronik angeglichen würden, schreiben die Forscher. Die europäische Elektroindustrie müsste sogar einen empfindlichen Rückgang von fast 8 Prozent befürchten. 
 
Sattes Plus für die Dienstleistungsbranchen: Vor allem die Finanzbranche könnte durch das Freihandelsabkommen deutlich profitieren. Europäische Versicherer beispielsweise würden laut der Studie ihr Geschäft in den USA um mehr als 6 Prozent steigern können. Lange Zeit hatten sich die US-Unterhändler dagegen gewehrt, konkret über die Ausgestaltung einer durch TTIP gewandelten Finanzindustrie zu verhandeln. Erst jüngst einigten sich beide Seiten jedoch. So soll es in Zukunft ein eigenes Finanzkapitel geben. Die genauen Inhalte dessen sollen aber noch tiefergehend verhandelt werden.
 
Europäische Autos werden wohl zulegen: Besonders für die europäischen Autobauer hätte TTIP Vorteile. Die US-Automarken dagegen werden eher zu den Verlierern gehören. Um 1,5 Prozent werde die europäische Autobranche wachsen, prognostiziert die Studie, wenn ein Großteil der Handelshürden abgeschafft werden. Auch wenn der Handel mit Autos für beide Seiten deutlich zunehmen würde, schrumpfe die amerikanische Autowirtschaft durch das Abkommen um 2,9 Prozent, so die Experten. Diese Zahlen erklären, dass die US-Verhandler intern beim Abbau von Autozöllen noch immer mauern. Durch TTIP würden den Forschern zufolge 2,8 Prozent der Arbeitsplätze in der US-Autoindustrie wegfallen.
 
Irland, Belgien und Litauen können profitieren: Ein Abkommen würde für die einzelnen EU-Staaten sehr unterschiedliche Folgen haben. Während vor allem Länder wie Belgien oder Litauen von dem Abkommen profitieren, wird TTIP für Malta oder Polen kaum Auswirkungen haben, so die Studie. Ob ein Land von TTIP profitiert, hängt vor allem von den bestehenden Handelsbeziehungen mit den USA ab. So könnte Irland der große Profiteur sein: Mehr als 14 Prozent der irischen Beschäftigten arbeiten für Unternehmen, die in die USA exportieren.
 
Der deutsche Außenhandel könnte ebenfalls zulegen: Auch Deutschland gehört zu den Mitgliedsstaaten, die vom freien Handel mit den USA direkt profitieren können. Die Ecorys-Studie prophezeit ein Wachstum von 0,6 Prozent. Es werden positive Effekte in der Chemie-, Metall- und Maschinenbauindustrie erwartet. Wie die Experten vorhersagen, wird Polen am wenigsten vom Abkommen mit den USA profitieren.

 

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit Correctiv entstanden. Correctiv ist ein gemeinnütziges Recherchebüro, das sich zum Ziel gesetzt hat, Bürgern Zugang zu wichtigen Informationen zu bieten.