Neuburg

Tierschützer fordern Verbot von Wildtier-Dressur

Vereinschef Gerhard Schmidt setzt auf Stadtratsbeschluss – "Artgerechte Haltung im Zirkus unmöglich"

19.10.2014 | Stand 02.12.2020, 22:06 Uhr

Neuburg (lm) Am Dienstag will sich der Stadtrat erneut mit dem Thema befassen und zu einer Beschlussfassung gelangen: Wie hält es Neuburg künftig mit jedem Zirkus, der Wildtiere in seinem Programm führt? Rechtzeitig meldete sich der Tierschutzverein mit einer Veranstaltung zu Wort. Dessen Haltung ist klar: Er fordert seit langem schon eine absolutes Wildtier-Verbot im Zirkus.

Mehrfach bekundet Tierheim-Chef Gerd Schmidt, dass sich seine Initiative keineswegs gegen die Zirkuskultur richte: „Die ist auch möglich, ohne dass sich Tiere zum Affen machen müssen.“ Mit Leckerli allein ist nach Schmidts Überzeugung kein Elefant bereit, einen Kopfstand zu machen. Wiederholt macht die Forderung nach Respekt im Umgang mit einem Tier die Runde. Das Spektakuläre der meisten Tier-Dressuren sei doch, dass Tiere dabei etwas machen, was absolut gegen ihre Natur sei.

Eine Diskussionsrednerin sieht in dieser Art von Zirkusdarbietungen Relikte ehemaliger Exoten-Schauen, in denen auch von der Norm abweichende Menschen wohlfeil zur Schau dargeboten worden seien. Mit Menschen längst undenkbar, habe sich diese Art von Sensationslust bei Tieren bis heute gehalten.

Der Verein verweist auf diverse Ländern und auch immer mehr Kommunen in Deutschland, die sich bereits zu einem Verbot durchgerungen haben. Die Bundestierärztekammer, bestätigt der Neuburger Vertreter Hans Schneemeier, fordere ebenso entschlossen ein Verbot, einige Bundesländer arbeiten an einer entsprechenden Bundesratsinitiative.

Zentrales Argument ist die in der Zirkuswelt einfach nicht mögliche artgerechte Haltung. Hier reichen in Augen der Tierschützer die geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen bei weitem nicht aus. Zwölf Quadratmeter Käfiggröße für einen Tiger etwa seien ebenso indiskutabel wie angebundene Elefanten – der Amtstierarzt aber müsse, weil Gesetz erfüllt, sein Okay erteilen. Käfighaltung, unnatürliche Trainingsmethoden, bis zu 40 Umzugs-Transporte im Jahr, immer wieder eine neue Umgebung: An Revierverhalten, Familien- und Herdenverbund, ein auch nur halbwegs tiergerechtes Verhalten ist in Augen der Tierschützer unter solchen Vorzeichen nicht zu denken. Anschauungsunterricht, wie es in der Zirkus-Wirklichkeit gelegentlich auch aussieht, bot sich den Tierschützern vor Ort 1998, als sie die Beschlagnahme eines kompletten Unternehmens durchsetzten.

Es sei Zeit für einen Paradigmenwechsel: Die Botschaft kam nicht nur bei immerhin doppelt so vielen Anwesenden wie bei der letzten Jahreshauptversammlung an, zeigt Wirkung auch bei der Politik. FDP-Frontfrau Bettina Häring ist jedenfalls nicht die einzige, die sich am Dienstag die Sache des Tierschutzes im Stadtrat zu eigen machen will.