Nürnberg

Testphase im neuen Parkhaus gestartet

Das allererste Fahrradparkhaus ist für 1,6 Millionen Euro in Nürnberg gebaut worden

04.09.2020 | Stand 02.12.2020, 10:38 Uhr
Seit dem 1. September läuft die Testphase im neuen Radspeicher am Nelson-Mandela-Platz. Am 15. September wird das neue Fahrradparkhaus mit seinen 400 Stellplätzen offiziell eröffnet. −Foto: Pelke

Nürnberg - Ein Parkhaus für Fahrräder hat Nürnberg noch nicht gesehen. Mathias will deshalb herausfinden, wie die neue Garage für Drahtesel hinter dem Hauptbahnhof funktioniert. "Das geht alles scheinbar wie in einem normalen Parkhaus: Hier muss ich mich mit dem Rad hinstellen. Dort auf den Knopf drücken und ein Parkticket ziehen. Anschließend durch die Drehtür gehen und das Fahrrad parken", erklärt Mathias und drückt wie zum Beweis auf den Knopf. m

"Hier ist auch Werkzeug, eine Luftpumpe und ein Automat mit Fahrradschläuchen. Total praktisch falls man mal einen platten Reifen hat", sagt Mathias, der unter der Woche mit Rad und Bahn von Nürnberg nach Ingolstadt zu einem bekannten Auto-Hersteller in die Arbeit pendelt. "Hier kann ich endlich das Rad ordentlich und sicher unterstellen. Vorher habe ich mein Rad immer hier irgendwo rund um den Bahnhof anketten müssen. Ein Fahrrad ist mir schon geklaut worden. Das ist hier am Bahnhof nur eine Frage der Zeit", berichtet der Berufspendler aus dem Alltag.

Gerne sei er daher bereit, für das sichere Abstellen seines Fahrrades zu bezahlen. "Ich fahre keine billigen Räder. Daher lohnt sich ein Parkticket für mich. Wahrscheinlich kaufe ich mir gleich ein Jahresticket", sagt Mathias und erklärt der nächsten Radfahrerin, wie das neue Parkhaus für Radfahrer funktioniert.

Von den Parkgebühren ist Angela ein bisschen geschockt. "70 Cent pro Tag finde ich ein bisschen viel", sagt die angehende Lehrerin, die zum neuen Schuljahr täglich von Nürnberg nach Feuchtwangen in die Realschule pendeln muss. "Wenn ich ein teures Elektrofahrrad hätte, würde sich das Parkticket vielleicht lohnen. Aber mit meiner alten Rad wohl eher nicht", sagt die Referendarin und deutet lachend auf ihren fahrbaren Untersatz.

Für E-Bike-Besitzer gibt es in dem neuen Parkhaus sogar Schließfächer mit Stromanschluss. Während das Elektrorad sauber und sicher abgestellt ist, können die Akkus in aller Ruhe aufgeladen werden. Grundsätzlich sei das neue Fahrrad-Parkhaus "eine gute Sache". Schade findet Angela nur, dass es beispielsweise für Auszubildende kein günstigeres Ticket gibt. Kontraproduktiv findet die angehende Lehrerin auch, dass für die Mitnahme von Rädern in Bussen und Bahnen ein Kinderticket gelöst werden müsse. "Wahrscheinlich ist das Parkhaus nur etwas für Leute, die Geld für ein teures Fahrrad haben. Für 70 Cent kaufe ich mir lieber eine Brezel", sagt Angela und radelt mit ihrer Klapperkiste fröhlich davon.

Die städtischen Verkehrsbetriebe haben im Vorfeld der zweiwöchigen Testphase ausdrücklich um Verbesserungsvorschläge gebeten. Bis zur offiziellen Eröffnung am 15. September solle der Fahrradspeicher "auf Herz und Nieren" von den Radfahrerin getestet werden. Grünen-Stadtrat Mike Bock hat bereits vorgeschlagen, dass die unteren Parkplätze für schwere Fahrräder wie E-Bikes reserviert werden sollten. Für die oberen Parkplätze in dem für Fahrradparkhäuser typischen Doppelstockparker sei zu viel Muskelkraft gefragt.

Gut findet der Grünen-Stadtrat dagegen, dass die Räder in dem Parkhaus durch den angebrachten Rahmenschutz nicht so leicht verkratzen können. Gegen den Preis in Höhe von 70 Cent pro Tag, sieben Euro pro Monat oder 70 Euro pro Jahr scheint Bock ebenfalls nichts auszusetzen zu haben.

Derweil trauen sich kurz nach dem Start der Testphase offensichtlich nur wenige Radfahrer in das neue Parkhaus. Nur ein halbes Dutzend der insgesamt 400 Rad-Stellplätze sind an diesem Nachmittag besetzt. Die Verkehrsbetriebe setzen trotzdem große Stücke auf den Fahrradspeicher. Für die Verkehrswende ohne eigenes Auto soll der Fahrradspeicher ein wichtiger Baustein werden.

Betrieben wird das Parkhaus von den Verkehrsbetrieben. Lobbyverbände wie der Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC) begrüßen das neue Radl-Parkhaus. "Wir freuen uns sehr über das neue Fahrradparkhaus. Radfahrer haben ein wachsendes Interesse daran, dass die immer teurer werdenden Räder gut und sicher in der Stadt geparkt werden können", betont Nicola Mögel vom Nürnberger ADFC.

HK

Nikolas Pelke