Neutraubling
Tesla-Batterien aus Bayern

Entwickler Grohmann ist seit Herbst 2017 Teil des amerikanischen E-Autobauers

23.08.2018 | Stand 23.09.2023, 3:53 Uhr |
Der Firmenname Tesla steht nicht nur an der Fassade des Grohmann-Werks in Neutraubling, es sind auch 100 Prozent Tesla drin. −Foto: Eckl

Neutraubling (DK) Bayern wirft seinen Hut in den Ring für eine Tesla-Fabrik in Deutschland. Dabei schraubt der US-Elektroautobauer im Freistaat bereits am Herzstück der Stromer: In Harting im Landkreis Regensburg haben die Amerikaner ein Werk zur Entwicklung von Batterien.

Eigentlich hat Elon Musk gerade andere Probleme. Der 47-jährige Herrscher über das Tesla-Imperium wird vor die US-Börsenaufsicht zitiert. Musk hatte über seinen Twitter-Account angekündigt, er werde das Unternehmen von der Börse nehmen, das Kapital dafür habe er. Der Börsenkurs explodierte, jetzt gehen die Finanzfahnder dem Verdacht nach, Musk habe Twitter als Manipulator benutzt.

Viele tausend Meilen vom Tesla-Sitz im Silicon Valley in Kalifornien entfernt spürt man nichts von dem Wirtschaftskrimi, der sich gerade um Musks Firma entwickelt. Im Gegenteil: Weitgehend ohne öffentliches Aufsehen werkeln hier etwa 100 Mitarbeiter an der Zukunft der Elektroautos, ja möglicherweise an der Zukunft der Mobilität an und für sich. Luftlinie gerade einmal zwei Kilometer entfernt vom BMW-Werk Harting mit seinen 9000 Stammbeschäftigten steht das Werk der Firma Grohmann. Hier, in Neutraubling bei Regensburg, entwickelt Tesla die Zukunft der Batterie, nach wie vor das Herzstück jedes Elektroautos.

Dass die Amerikaner hier die Finger im Spiel haben, wurde bisher kaum bemerkt - kein Wunder: Das Tesla-Schild hängt noch gar nicht so lange an der Außenfassade des Werks. Die Grohmann Tesla Automation GmbH - früher Grohmann Engineering - mit Hauptsitz in Prüm in der Eifel war seit ihrer Gründung 1983 stets eigenständig, doch Anfang 2017 lieferte sich Elon Musk eine Übernahmeschlacht um das innovative Unternehmen. Musk brauchte für die Entwicklung seines kleinen E-Autos Model 3 dringend Hilfe in Sachen Batterien. Bis Juni 2018 wurden bislang 35000 Tesla Model 3 produziert - das sind allerdings nur zehn Prozent der Bestellungen, die vorliegen. Ohne das Know-how aus Neutraubling wäre das wohl kaum möglich gewesen.

Weil Musk aber bei der Übernahme von Grohmann im vergangenen Jahr forderte, dass das Unternehmen ausschließlich an Tesla und nicht mehr an frühere Kunden wie Mercedes und BMW lieferte, verließ der Firmengründer den Betrieb. Heute steht nicht nur Tesla auf der Werkshalle in Neutraubling drauf - es sind auch 100 Prozent Tesla drin.

Bayerische Politiker indes sind elektrisiert, wenn sie den Namen Tesla im Zusammenhang mit dem Standort in Neutraubling hören. Denn das Unternehmen hat angekündigt, in Deutschland eine "Gigafactory" bauen zu wollen. Doch man hat Konkurrenz: Auch das Saarland, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen haben ihre Fühler ausgestreckt. Lange dauerte es denn auch nicht, bis Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer (CSU) ebenfalls den roten Teppich für die Amerikaner ausrollte: Pschierer nannte zunächst Hof als Standort für eine mögliche Tesla-Fabrik.

In München zeigt man sich indes durchaus angetan von der Idee, auch das Werk von Grohmann bei Musk ins Gespräch zu bringen. "Der Standort der Firma Grohmann in Neutraubling ist uns bekannt. In dieser noch sehr frühen Phase einer möglichen Standortsuche für ein neues Tesla-Werk in Deutschland, wollen wir mit dem möglichen Standort Hof zunächst unser Interesse bekunden, um überhaupt als Bundesland an einem weiteren Auswahlprozess teilnehmen zu können", teilt ein Sprecher des bayerischen Wirtschaftsministeriums dazu mit.

Pschierer werde bei seinen Gesprächen mit Tesla-Vertretern "die Maschinenbau-, Material und Automobilkompetenz in Bayern" hervorheben - "alles Kompetenzen die Tesla braucht und die vor allem auch in Nordbayern stark vertreten sind", so der Ministeriumssprecher. Und: "Andere bayerische Standorte werden im Rahmen der weiteren Standortsuche selbstverständlich auch erwogen, wenn wir es in den engeren Auswahlprozess schaffen."

Für den Autostandort in der Oberpfalz ist das Tesla-Werk in Neutraubling indes jetzt schon ein Segen. Immer wieder sucht man hochqualifizierte Mitarbeiter - vor allem Konstrukteure, aber auch Programmierer. Dennoch: Während bei Tesla in Neutraubling etwa 100 Mitarbeiter an der Zukunft des E-Autos schrauben, werden bei BMW in Harting allein 1000 Zeitarbeitsverträge nicht mehr verlängert. Tesla ist also nach wie vor ein winziger Arbeitgeber in Bayern, verglichen mit BMW oder Audi. Doch das könnte sich schnell ändern, wenn Elon Musk seinem Tweet Taten folgen lässt und möglicherweise im Freistaat eine neue "Gigafactory" für seine E-Autos hochzieht.

Christian Eckl