Roth

"Starke Männer" spielen auf

Mit Klamauk, Kritik und vielen Hits überzeugt die EAV in der Rother Mehrzweckhalle

11.11.2012 | Stand 03.12.2020, 0:51 Uhr

Zwei Stunden ohne Pause heizt die EAV dem Rother Publikum ein, das bei den alten Hits begeistert mitsingt. - Foto: Klier

Roth (HK) EAV – Erste Allgemeine Verunsicherung: Der Name ist Programm. So manchen hat die österreichische Pop-Rock-Band mit ihren kritischen und aktuellen Texten verunsichert, oft sind sie angeeckt. Allerdings nicht bei ihren Fans, die sie auch am Samstag in Roth zum Toben gebracht haben.

„Es sind viele Freunde hier, obwohl ich keinen kenne“, stellt Klaus Eberhartinger, der Kopf der Gruppe, fest. Ein Seitenhieb auf Facebook. In der voll besetzten Mehrzweckhalle in Roth, der „Kulturperle Mittelfrankens“, heißt er mit „Guten Abend“ die Damen und Herren willkommen und mit „Servus“ die Madln und Burschen. Erstaunlich viele junge Zuhörer sind gekommen und singen die Texte, die teilweise aus den 70er und 80er Jahren stammen, begeistert mit. Aber auch das Alter 50 plus ist stark vertreten, wie Eberhartinger feststellt.

Dann heißt es „Willkommen im Neandertal“. Danach hilft nur noch eins: Ein „Ba-Ba-Banküberfall“, denn „Das Böse ist immer und überall!“ Nichts ist aber so ergreifend, wie das Drama von Sandlerkönig Eberhard. Viele Titel sind zeitkritisch, bissig, manchmal besinnlich, oft ist auch Klamauk dabei. Immer neue Verkleidungen und Attribute ergänzen die Titel. Thomas Spitzer ist der Texter und Komponist, am Keyboard sitzt Franz Kreimer, Kurt Keinrath und Leo Bei sind die Gitarristen, Robert Baumgartner ist der Schlagzeuger.

In ausführlichen Überleitungen, oft mit kritischen Untertönen, kündigt Eberhartinger die Titel an. Kürzlich sei ein Österreicher aus dem Weltall gesprungen. 50 Millionen habe es gekostet. „Wofür ist das gut“, fragt er. Aber die Banker seien ja auch schon mit unserem Geld abgesprungen. Die Lage ist prekär, es geht um „Geld oder Leben“. Geiz ist geil und das Sammeln von Bonus- und Treuepunkten, das Feilschen um Rabatte, die Jagd nach Schnäppchen verleiten uns zum Einkaufen. Die „Heißen Nächte von Palermo“ bringen Abwechslung. Dazu ist aber Mandolinenbegleitung erforderlich, ein Fall fürs Publikum. Zeigefinger in den Mund gesteckt und „geklöppelt“ oder Anwendung der anspruchsvolleren Zungentechnik. Alle machen mit.

Es folgt die besinnlichere Runde: „Viele haben das Vertrauen zur Kirche verloren, aber nicht den Glauben“, konstatiert Eberhartinger. Das leidgeprüfte „Muatterl“ bet' ein Vaterunser und sagt: „Es ist ein Skandal – unser'm Herrgott sein Bodenpersonal.“ Ein bissig-besinnlicher Text. Da sind einige Zuhörer schlichtweg überfordert, die lediglich zum Amüsieren gekommen sind. Schade, dass die oft anspruchsvollen Texte wegen zu weit aufgezogener Lautstärkeregler zuweilen nur schwer verständlich sind. Natürlich darf der „Märchenprinz“ in der Pitralonwolke nicht fehlen. „Du willst ein Märchenprinz sein“, fragt Eberhartinger einen etwas aufdringlichen Zuhörer, „hast du keinen Spiegel zu Hause“

Jetzt folgt ein echter Schenkelklopfer, das sarkastische Lied von einem Niemand: „Einmal möchte ich ein Böser sein, eine miese Sau.“ „Die Russen kommen“, mit Öl und mit Kernkraftwerken. „Burli“, in der Nähe von Tschernobyl geboren, „hat links und rechts drei Ohrli. An jeda Hand zehn Finga und Hände hat er vier. Keiner spielt so schnell Klavier.“ Jetzt aber tobt der Saal beim Dauerbrenner „Küss die Hand, schöne Frau, Ihre Augen sind so blau, tirili, tirilo, tirila!“ Dann zieht auf einem „Dromedara ein deutscher Forscher durch die Sahara“.

Fast zwei Stunden ohne Pause sind vergangen, musikalisch und physisch eine enorme Leistung für die sechs Musiker, die sich zumeist zur Generation 50 plus rechnen dürfen. Aber es sind „Starke Männer“, die sich nicht lange um eine Zugabe betteln lassen. In einem Medley lassen sie den Abend Revue passieren, bevor es heißt: „Dideldum, dideldei, alles geht einmal vorbei. Trink mer aus und gehma ham!“