Wolnzach

Rüsten gegen Hitze und Trockenheit

Wetterexperte Karsten Schwanke erläutert bei Hops-Academy Klimaauswirkungen auf die Landwirtschaft

16.02.2020 | Stand 02.12.2020, 11:57 Uhr
Wolfgang Kollmeyer
  −Foto: Wolfgang Kollmeyer, Kollmeyer, Wolfgang, Rohrbach

Wolnzach - Einmal mehr einen hochkarätigen Abend hat die "Hops Academy" der Firma BarthHaas in Wolnzach geboten: Zum Thema "Klimawandel - Folgen für die Landwirtschaft" sprach kein Geringerer als ARD-Wetterexperte Karsten Schwanke am Donnerstagabend im Hopfenmuseum.

Wie Peter Hintermeier, Mitglied der Geschäftsleitung bei BarthHaas, bei der Begrüßung erläuterte, sei der Kontakt Karsten Schwanke (kleines Foto: Kollmeyer) entstanden, weil ihn ein Kölner Brauherr zu einem Vortrag über Klimawandel und Hopfen eingeladen hatte, Schwanke sich aber nicht mit Hopfen auskannte und deshalb an BarthHaas verwiesen wurde. Als Folge dieser Zusammenarbeit hatte er einen Vortrag in der Hops Academy zugesagt.

Vielen Besuchern war er bekannt aufgrund seiner fundierten Beiträge und seinem Bericht in der ARD über den Zusammenhang zwischen dem langem, trockenen Sommer und dem Klimawandel im Jahr 2018, für den er sogar für den Grimme Preis vorgeschlagen war. Außerdem bekam er für seine bisherige Arbeit im Jahr 2010 die Goldene Kamera sowie weitere Auszeichnungen.

Sein Referat über Herausforderungen in Zeiten des Klimawandels und die Folgen für den Hopfen interessierte, der Abend war mit über 180 Gästen bestens besucht. Mit großem Sachverstand führte Schwanke die Besucher in das komplexe Thema ein und veranschaulichte die Zusammenhänge, die zu einem Klimawandel führen sowie die Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Dabei machte er deutlich, dass es zwischen Wetter und Klima einen erheblichen Unterschied gibt: "Das Wetter ist das, was wir jeden Tag spüren. Das Klima ist das, was aus Statistiken über längere Zeitintervalle ersichtlich ist. "

Nach seiner Sicht lässt sich der Klimawandel schon heute an Einzelereignissen des Wetters festmachen, an denen erkennbar ist, wie sich die Veränderungen in Zukunft auswirken können, denn kleine Änderungen am Anfang können relativ schnell zu großen Änderungen nach einiger Zeit führen. Zu den Ursachen gehöre nicht nur das Handeln der Menschen, sondern es seien auch physikalische Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen der Atmosphäre, dem Ozean und der Erde zu berücksichtigen. Wenn die Menschen in Deutschland allein von dem leben müssten, was die hiesige Landwirtschaft produziert, dann wäre der Klimawandel viel deutlicher spürbar, meinte er. Viel deutlicher seien die Reaktionen gewesen, als zum Beispiel die Raffinerien aufgrund der niedrigen Fluss-Pegelstände nicht mehr von Tankschiffen angefahren werden konnten und deshalb Tankstellen nicht mehr beliefert werden konnten.

Seit 1880 sei weltweit erkennbar, dass die Sommerhalbjahre immer wärmer würden, der Anstieg in kurzer Zeit sei beachtlich. Das könne besonders für die Landwirtschaft zu gefährlichen Dürrezeiten führen. Früher, um 1800 bis 1910, seien heiße Sommer alle 245 Jahre üblich gewesen, heute sei das alle acht Jahre der Fall und in 30 Jahren werde es bei weiterer Erwärmung alle zwei Jahre warme Sommer geben.

Wetterkapriolen wie in den USA seien auch in Deutschland wahrscheinlicher, also mehr Gewitterstürme, Tornados und Starkregen, die auch der Landwirtschaft schaden könnten. In den vergangenen zwei bis drei Millionen Jahren habe es keinen so schnellen Temperaturanstieg gegeben wie seit Mitte des 19. Jahrhunderts.

Erstmals in 2003 habe man in drei Orten in Deutschland eine Temperatur von über 40 Grad gemessen, 2015 waren es in Kitzingen 40,3 Grad, 2019 über 42 Grad - in 2050 schätzen Wissenschaftler die Temperatur auf 50 Grad. Außerdem werden die Hitzetage immer mehr.

Schwanke zeigte auf, dass durch die Hitze auch die Dürre immer mehr zunehmen werde und durch die Verdunstung der Wasserdampf in der Luft immer größer werde, der als Regen, häufig als Starkregen, zunehmen werde. Durch die Hitze werde das Nass schneller verdampfen, so dass das Regenwasser kaum in der Erde versickern könne. Da aber im Wasserdampf sehr viel Wärme und Bewegungs-Energie steckt, entstünden auch immer größere Stürme. Das bedeute für die Hallertau, dass es im Hochsommer immer heißer werde und die Hopfenbauern überlegen müssten, nicht nur wärmeresistente Hopfensorten anzupflanzen, sondern den Hopfen auch zu bewässern. Schwanke warf der Politik vor, keine langfristigen Perspektiven zu haben; er zeigte sich trotzdem optimistisch, dass die Menschen den Klimawandel noch bremsen könnten.

Nach dem Referat gab es noch einige Fragen aus dem Publikum zum Thema Versickern von Regenwasser, Ableitung in Flüsse, Greta und Friday for Future und die Faktoren der Erderwärmung, wobei Schwanke die Jugend lobte, die die Politik vor sich hertreibe und zumindest die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens fordere. Bei den Faktoren für die Erderwärmung zeigte er viele mögliche Faktoren auf, die nicht oder minimal zur Erderwärmung beitragen, doch der stärkste Faktor ist das Kohlendioxid.

WZ

Wolfgang Kollmeyer