Ingolstadt

Reise nach Jerusalem

Schüler bereiten sich mit Videokonferenz auf Besuch der israelischen Holocaust-Gedenkstätte vor

12.05.2014 | Stand 02.12.2020, 22:42 Uhr

In einer Videokonferenz bereitet Noa Mkayton (rechts) Elftklässler des Katharinen-Gymnasiums auf die Besonderheiten der Gedenkstätte Yad Vashem in Jeruslam vor - Foto: Hauser

Ingolstadt (DK) Eine außergewöhnliche Reise führt einige Schüler der elften Klasse des Katharinen-Gymnasiums im Juli nach Israel. An der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem werden sie ein Seminar an der Internationalen Schule für Holocaust-Studien besuchen.

Zur Vorbereitung ihrer Reise haben sich die Jugendlichen per Videokonferenz mit Noa Mkayton, der Leiterin der deutschsprachigen Abteilung der israelischen Schule, unterhalten. Dass die Gymnasiasten gleich mehrere Tage an der Gedenkstätte verbringen werden, ist keine Selbstverständlichkeit. „Normalerweise kommen Gruppen nur für Tagesausflüge“, erklärte Mkayton. „Das ist ein bisher einmaliges Projekt für deutsche Schüler“, freute sich auch Lehrer Matthias Schickel, der seine Elftklässler in zwei Seminaren auf Yad Vashem vorbereitet hat.

Dass der Kontakt zur Gedenkstätte überhaupt zustande kam, ist unter anderem dem Bildungsausschuss des Bayerischen Landtages zu verdanken. Dieser beschloss nach einer Israel-Reise im Jahr 2012, auf der Bildungsebene den Austausch mit den Israelis zu fördern. „Damals dachten wir uns, dass es unser Ziel sein muss, die Jugendbegegnung zu stärken“, sagte Martin Güll, der Vorsitzende des Bildungsausschusses, der die Videokonferenz ebenfalls mit großem Interesse im Filmsaal des Katherls verfolgte. Das Ergebnis waren mehrere Partnerschulverträge, so auch zwischen Yad Vashem und der Ingolstädter Schule. Dadurch wurde Schickel zufolge die Reise nach Jerusalem erst möglich: „Wir wollten den Kooperationsvertrag eben mit Leben füllen.“

Während der Videokonferenz, der auch am Projekt teilnehmende Schüler des Erdinger Anne-Frank-Gymnasiums beiwohnten, erklärte Noa Mkayton die Besonderheiten der Gedenkstätte. „Yad Vashem gibt es seit 1953“, erzählte die gebürtige Münchenerin. Die Idee dazu sei aber während des Holocausts – oder Shoah, wie die Israelis sagen – in Warschau entstanden. „Die Juden hatten ein großes Anliegen“, betonte Mkayton. „Wie wird die Nachwelt es schaffen, unsere Geschichte aus unserer Perspektive zu erzählen“ So entstand ein geheimes Archiv aus Dokumenten, Notizen und Briefen, die in Blechbüchsen vergraben wurden. Nur drei Juden, die von dem Archiv wussten, überlebten den Holocaust und brachten die Dokumente nach Jerusalem, wo diese die Basis der großen Sammlung von Yad Vashem bildeten.

Diese solle laut Mkayton dazu beitragen, die Namen der Opfer zu erforschen. „Es gibt sechs Millionen Opfer“, sagte sie. „Wir sind skeptisch, dass wir jemals alle Namen rekonstruieren werden. Der Prozess des Mordens war so total, dass es oft gar keine Überlieferung der Daten der Opfer gibt.“

Die Internationale Schule für Holocaust-Studien ist die größte Einrichtung von Yad Vashem – obwohl sie erst 1993 gegründet worden ist. „Früher hätte hier niemand daran gedacht, dass man über die Shoah unterrichten könnte, weil alle so traumatisiert waren“, erläuterte Mkayton. „Heute gibt es fast 300 Kollegen, die hier unterrichten.“ In dem auf diese Weise ermöglichten Seminar werden die Katherl-Schüler ein historisches Museum besuchen und mit einem Holocaust-Überlebenden sprechen.

Für sie ist die Reise ein ungewöhnliches Unterrichtsprogramm. Elena freut sich schon darauf. „Das ist ein Stück deutscher Geschichte, das wir nicht vergessen sollten“, sagte die 17-Jährige. Aber auch ein Thema, das im Unterricht oft einseitig behandelt werde, warf Melanie ein. „Deshalb ist es wichtig, dass wir da hinfahren, um den Holocaust mal aus einer anderen Perspektive zu sehen.“