Pfaffenhofen

Politsatire vom Feinsten

Matthias Matuschik begeistert mit seinem Kabarett-Programm auf der Musikbühne in Pfaffenhofen 100 Zuschauer

30.09.2018 | Stand 02.12.2020, 15:34 Uhr
Kam gut an: Matthias Matuschik in Pfaffenhofen. −Foto: Schmid

Pfaffenhofen: Mit seinem dritten Solo-Programm "Gerne wider" hat Moderator Matthias Matuschik am Freitagabend auf der kleinen Musikbühne des Intakt-Musikinstuts Politsatire vom Feinsten präsentiert. Die knapp 100 Zuhörer, die ihm auch als Testobjekte bei dieser Vorpremiere dienten, waren sich einig: Gerne wieder, Herr Matuschik. Auch wenn die Lacher wohl mehr bei den komödiantischen Gags lagen.

Matthias Matuschik, der seit 15 Jahren als zungenfertiger Moderator "Matuschke" mit seiner Abendshowim Radio zur Kultfigur avanciert ist, füllt seit Jahren mühelos ganze Säle mit seinen Soloprogrammen, in denen er Alltagssituationen komödiantisch seziert. Jetzt hat Matuschik ein neues Terrain betreten: Er bewirbt sich als Direktkandidat in Würzburg für die Partei mut und entsprechend politisch ist auch sein neues Soloprogramm: "Gerne wider".

Zunächst heißt er sein Publikum willkommen, alle, auch die AFD Wähler, wie er sagt. Dann kommt er ohne Umschweife auf die Konsequenzen, die auf uns zukommen, wenn die AfD gewählt werde, "? Das war vor rund 90 Jahren auch so." Er berichtet von seinem Wahlkampf, den er alles andere als lustig empfinde. Auf seine ihm eigene wortgewandt witzige Art lästert er über Söder und Seehofer und packt dabei Themen wie Internetausbau, autonomes Fahren und Asylpolitik beim Schopf, die sich wie ein roter Faden durch den Abend ziehen. Treffend beschreibt er die unterschiedlichen Typen, die in der Fußgängerzone auf ihn zukommen und nimmt deren Motive knallhart auseinander, von denen, die ihn persönlich gut finden über diejenigen, die lediglich auf Werbematerial aus sind bis hin zu seinem neuen Lieblingsfeindbild: "Miss Zungenwurst 2018", wie er die Dame auf dem Foto etikettiert, die stellvertretend für alle Hartz IV-Empfänger gegen Ausländer schimpft "?, weil die nehmen uns die Arbeit weg." Er zitiert sie auf sächsisch, in dessen Dialekt er immer wieder verfällt, wenn er von AFD, rechten Parolen und Neonazis spricht.

Als eine seiner politischen Forderungen bezeichnet er das Freigeben des Kiffens: "Mit Kiffern ist noch nie was passiert! Die haben noch nie eine Frau vergewaltigt - die sind tiefenentspannt und kriegen eh keinen hoch!", meint er und wirbt für ein Kifferzelt, vielleicht als "die Graskammer" auf dem Oktoberfest, so Matuschik. Beim Thema Oktoberfest ist Matuschik schnell beim Thema sexuelle Belästitgung: "Frauen sind in Bierzelten ab 19 Uhr so richtig gut aufgehoben", sagt er: "da braucht es wahrlich keinen Flüchtling mehr!" Vom Klimawandel über den Mangel an Pflegekräften bis hin zur berittenen Polizei, die Überleitungen gelingen ihm fließend, auch wenn er selbst hinterher behauptet, er müsse noch an dem einen oder anderen feilen.

Begeistert nimmt das Publikum vor allem sein Spiel "Dalliklick" an. Dazu lässt er die passende DalliDalli-Musik laufen, gibt bekannte Politiker stückchenweise frei, die besonders von einer Zuschauerin innerhalb kürzester Zeit alle erkannt werden, womit sie sich prompt eine CD verdient. Selbstredend, dass diese Politiker, sei es Dobrindt, Haderthauer, Spänle oder der ehemalige Ministerpräsident Max Streibl - "a so a Nazibazi in der Amigoaffäre" anschließend gekonnt politisch satirisch zerpflückt werden.

Natürlich kann Matuschik auch den Besuch des türkischen Staatspräsidenten nicht unkommentiert lassen und erzählt, dass er damals Jan Böhmermann zu Ehren auch ein Gedicht zur Freiheit der Satire geschrieben habe: "Und wir nehmen euch so lange - in des Dichters Reimezange - bis auf dieser schönen Welt - kein Hund mehr nach euch Deppen bellt.", heißt es da, gefolgt von Applaus.

Schallendes Gelächter erntet der 53-jährige Kabarettist vor allem mit der Parodie von Alltäglichem. Beispielsweise der Beschreibung der Verwendung des Ille-WC-Papiers, jener hauchdünnen Papierschicht, die sich zu allem eignet, nur nicht der ihm zugesprochenen Verwendung.

Insgesamt ein gelungener Abend, dem Matuschik mit einem ernst gemeinten Appell schloss: "Geht wählen!"

Birgit Schmid