Pioniere rücken an

29.01.2009 | Stand 03.12.2020, 5:14 Uhr |

Kistenweise Material schleppten die Soldaten aus dem Stab der Pionierschule in das Gebäude 7 der Kaserne. Hier haben General Wolfgang Krippl und seine engsten Mitarbeiter ihre Büros. - Foto: Rehberger

Ingolstadt (DK) Die Pioniere sind da. Nach 53 Jahren in München ist diese Woche der Stab der Pionierschule in die 130-Millionen-Euro teure Vorzeigekaserne an der Manchinger Straße in Ingolstadt eingezogen. Weitere Einheiten kommen bald Gruppe für Gruppe nach.

Für einen Soldaten gehören Umzüge und Versetzungen zum Leben, doch dass gesamte Einheiten umsiedeln, ist immer etwas Besonderes. Vor allem im Fall der Pionierschule, die nach mehr als einem halben Jahrhundert in der Landeshauptstadt nun komplett in Ingolstadt ihr Zuhause haben wird. Die Schanz wird das Zentrum der Pionierausbildung der gesamten Bundeswehr.

Der Hauptfeldwebel Thomas Gaube ist in seinem Leben als Soldat bereits vier Mal umgezogen. Er war bei den ersten dabei, die in dieser Woche ihr Büro im Gebäude 7 der Kaserne auf der Schanz eingerichtet haben. Hier residiert in Zukunft der Stab der Schule mit Brigadegeneral Wolfgang Krippl, dem ranghöchsten Pionier, an der Spitze.

Gaube und Krippl haben unter den 65 Soldaten im Stab etwas gemeinsam: Sie können in Zukunft in die Arbeit laufen. Der General hat sich wohlweißlich einen Wohnsitz in Ingolstadt bei seiner Ernennung gesucht, für Gaube ist es ein Glücksfall, er wohnt bereits seit zehn Jahren hier. "Da freut sich die Familie natürlich, dass ich nach den vielen Jahren des Pendelns in der Heimat arbeiten kann, erzählt der Sicherheitsbeauftragte im Stab.

Das Pendeln hatte in den vergangenen Monaten auch eine besondere Note: Als Ingolstädter konnte Gaube die Kameraden immer über den Baufortschritt des Mammutprojekts auf dem Laufenden halten. "Das ist schon sehr beeindruckend, was hier entstanden ist", sagt er.

Doch noch türmen sich um die Gebäude die Dreckhaufen der Bauarbeiten, überall schwirren Handwerker herum, die hier noch Kabel verlegen, dort noch ein Gebäude mit Gerüsten versehen. So wird es die nächsten Monate bleiben. Die Kaserne ist noch nicht fertig und wird es auch bis zum Schulappell am 23. Juni nicht sein. Erst Ende des Jahres werden zum Beispiel die Gebirgspioniere aus Brannenburg ihre Gebäude beziehen.

Bis Ende März muss dagegen die Pionierschule komplett übergesiedelt sein. Häppchen für Häppchen wird das passieren: Jede Woche ein weiterer Trupp der 450 Bediensteten, bis die Prinz-Eugen-Kaserne im Münchner Norden leer ist. Sie wird platt gemacht, es entstehen dafür Wohnungen.

Die Wehmut über den Umzug wird den Pionieren aber stark versüßt. Die Prinz-Eugen-Kaserne ist – nett ausgedrückt – etwas in die Jahre gekommen. In Ingolstadt beziehen die Soldaten nagelneue Räume. 22 Millionen Euro hat alleine das mäanderförmige Unterkunftsgebäude gekostet, das sich auf 620 laufenden Metern durch die Kaserne zieht.

Hier wohnen die Lehrgangsteilnehmer und auch die Wehrpflichtigen im Stab. Am Mittwoch marschierten einige von ihnen mit dicken, weißen Kissen unter dem Arm durch die Baustelle: Sie hatten sich die Bettwäsche abgeholt.

Auch alles andere steht bereit. Vor einem Jahr hat die Arbeitsgruppe Umzug zum Beispiel bereits ihre Bestellungen für Büromöbel und anderes aufgegeben. "Seitdem haben wir nichts mehr davon gehört, da ist es schon beeindruckend, dass alles pünktlich da ist", sagt Hauptfeldwebel Gaube.

Hinter ihm tragen Mannschaftsdienstgrade eine schwere Kiste nach der anderen in die Büros. Die Pionierschule ist mit dem heutigen Freitag in Ingolstadt angekommen und kann den Dienstbetrieb aufnehmen. Der Lehrbetrieb läuft ohnehin ohne Unterbrechung weiter. Gaube: "Das ist alles schon eine logistische Meisterleistung."