Eichstätt

Osram-Werk Eichstätt vor der Schließung

Konzern plant Verlagerung der Produktion nach Berlin

21.04.2020 | Stand 02.12.2020, 11:30 Uhr
Der traditionsreiche Eichstätter Standort von Osram steht vor dem Aus: Die hier noch verbliebene Fertigung von Kinolampen soll nach Berlin verlagert werden. Nach der angekündigten Schließung von Ledvance der nächste schwere Schlag. −Foto: Knopp

Eichstätt - Die nächste Hiobsbotschaft: Nachdem der Lampenproduzent Ledvance im März das Aus für den Standort Eichstätt verkündet hatte, zieht Osram nun nach und will ebenfalls sein Werk in der Domstadt dichtmachen.

 

Demnach ist eine Verlagerung der Fertigung nach Berlin geplant. Betroffen sind etwa 120 Beschäftigte. Sie produzieren Kinoprojektionslampen.

Wie es in der Mitteilung heißt, fokussiere Osram seine Kinolampen-Produktion ab Herbst 2020 am Standort Berlin. Die Kapazitäten des zweiten Standorts für Spezialhochdrucklampen in Eichstätt werden entsprechend in der Hauptstadt gebündelt. Das Unternehmen reagiere damit auf strukturelle Veränderungen in der Kinobranche sowie zusätzliche wirtschaftliche Herausforderungen aufgrund des Coronavirus. Der Markt für Kinolampen leide unter sinkenden Kinobesucherzahlen. Allen Beschäftigten am Standort Eichstätt soll nach Beratungen mit den Arbeitnehmervertretern ein Arbeitsplatz in Berlin angeboten werden. Der Umzug ist ab Oktober 2020 geplant.

Die Gewerkschaft ist alarmiert: Am Mittwoch soll ein Flugblatt verteilt werden, in dem Osram dazu aufgefordert wird, die Planungen umgehend zu stoppen. Gegenüber unserer Zeitung zeigte sich der Ingolstädter IG-Metall-Chef Bernhard Stiedl von der Entwicklung überrascht und verwies auf die erst im vergangenen November geschlossene Standort- und Beschäftigungssicherung bis Ende 2023. "Wir werden darauf pochen, dass diese eingehalten wird, und lassen dies notfalls auch vor Gericht klären", kündigte Stiedl an.

Die IG Metall erteile den Plänen zu einer Standortverlagerung nach Berlin eine klare Absage, heißt es in dem Flugblatt: "Das Vorhaben war bereits vor einem Jahr unrentabel und ist es auch heute noch." Betriebswirtschaftlich gesehen verursache die Verlagerung mehr Kosten, als sie einsparen könne. "Wir werden um die Arbeitsplätze kämpfen", kündigte Stiedl an. Die Belegschaft habe sich für das Unternehmen aufgeopfert: "Ein solches Verhalten ist Osram nicht würdig", kritisierte er die Konzernspitze.

EK

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