Neuburg

Neuburger Jets fliegen um die halbe Welt

Taktisches Luftwaffengeschwader 74 steht vor Übung in Australien und Nato-Mission in Rumänien

05.01.2022 | Stand 10.01.2022, 3:35 Uhr
Eurofighter aus Neuburg in der Luft: Die Maschinen des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 werden in diesem Jahr unter anderem in Rumänien und in Australien unterwegs sein. −Foto: Taktisches Luftwaffengeschwader 74

Neuburg - Es geht einmal um die halbe Welt sowie ans Schwarze Meer. Das Taktische Luftwaffengeschwader 74 nimmt in diesem Jahr erstmals an einer Übung in Australien teil. Und auch in Rumänien wird der Militärverband aus Neuburg in den kommenden Monaten Flagge zeigen - ebenfalls eine Premiere.

Die Planungen stehen, doch sicher ist in der aktuellen Situation noch nichts. "Alles läuft unter Corona-Vorbehalt", betont Oberst Gordon Schnitger. Der Kommodore des Luftwaffenverbands, der in der Heimat im Auftrag der Nato den süddeutschen Luftraum überwacht und absichert, bleibt daher bei Ankündigungen vorerst noch vorsichtig. Läuft aber alles nach Plan, wird es im Spätsommer für bis zu 100 Soldatinnen und Soldaten sowie voraussichtlich sechs Eurofighter in den Indopazifik gehen - dorthin, wo die Bundeswehr derzeit mit der Fregatte Bayern bereits Präsenz zeigt.

Für die Luftwaffe wird es das erste Engagement in diesem Teil der Welt werden. Beteiligt sind zwar mehrere Verbände, unter anderem mit A400M-Transportern und Tankflugzeugen. "Neuburg wird hier aber der Hauptverband", betont Schnitger. Neben der Verlegung von Mensch und Maschine geht es bei der Aktion vor allem um die Teilnahme an der Übung "Pitch Black". Mit dabei ist neben den australischen Streitkräften rund ein Dutzend weiterer Nationen, nicht nur aus dem indopazifischen Raum - mit denen die Neuburger Piloten sonst nicht in Kontakt kommen. Das Miteinander, das Kennenlernen in der Luft ist daher wesentlicher Bestandteil.

Die Trainingsflüge in Australien vergleicht der Neuburger Kommodore, selbst aktiver Pilot, mit der Nato-Übung "Tiger Meet", an der sein Verband nach zwei Jahren Corona-Pause heuer wieder teilnehmen will. Maximal acht Eurofighter und etwa 100 Soldaten fliegen dazu im Mai zwei Wochen lang auf die griechische Insel Araxos. Dabei steht vor allem die Zusammenarbeit in der Luft im Vordergrund.

Das gilt letztlich auch für das erste Engagement des Luftwaffengeschwaders in Rumänien. Dort sichern etwa 50 Neuburger Soldaten mit bis zu drei Eurofightern im Februar und März im Auftrag der Nato den Luftraum. Die Mission ist vergleichbar mit der im Baltikum, wo sich die Luftwaffe seit vielen Jahren engagiert. Hintergrund der Mission in Rumänien, seit 2004 Nato-Mitglied, ist ebenso wie in Estland die unzureichende Ausstattung der dortigen Luftstreitkräfte. Aus diesem Grund übernehmen die anderen Mitgliedsstaaten des Verteidigungsbündnisses die Absicherung.

Im rumänischen Konstanza wird das Neuburger Geschwader jedoch lediglich unterstützen, da dort die italienische Luftwaffe derzeit die Hauptaufgabe abdeckt. Im Gegenzug sollen italienische Kampfjets in einem Jahr in Estland aushelfen, wenn der Neuburger Verband wieder im dortigen Ämari im Einsatz ist. Ein Ansatz zu mehr Kooperation, der 2020 mit einer deutsch-britischen Zusammenarbeit im Baltikum begonnen hatte.

Für die siebte Teilnahme der Neuburger Soldaten an der Nato-Mission in Estland beginnen unterdessen bald die Vorbereitungen. Ab Oktober und wohl bis Ende März 2023 wird das Geschwader dazu die Alarmrotte an den Schwesterverband im nordrhein-westfälischen Nörvenich, das Taktische Luftwaffengeschwader 31, übergeben. Dadurch sollen für Piloten und Bodenpersonal Freiräume für die Einsatzvorbereitung entstehen. Das Training steht darüber hinaus bei einem durchgehenden Nachtflugblock von Mitte Januar bis Ende Februar im Vordergrund. Weitere Sonderflüge folgen wohl vor allem im April, wenn das Geschwader zwei Piloten für die sogenannte Leistungsdemonstration der Luftwaffe ausbildet. Die Soldaten sind vor allem für Vorführungen bei Veranstaltungen eingeplant, weshalb in Neuburg mit mehr Lärm zu rechnen ist.

An den Flugstunden selbst soll sich allerdings nichts ändern. Diese setzt der Kommodore wieder bei etwas über 4000 an, so wie im Vorjahr auch. Ziel ist vor allem, den Ausbildungsstandard zu halten. Dazu kommt die Bereitstellung von Mensch und Material für die schelle Eingreiftruppe der Nato. "Die Nato Response Force ist mehr oder weniger eine durchgehende Aufgabe", erklärt Schnitger.

Das gilt mittlerweile auch für die Corona-Amtshilfe. "Die ungebrochene Bereitschaft macht mich als Kommodore stolz", so der Oberst. Derzeit sind mehr als 50 Soldaten aus Neuburg in Krankenhäusern und Behörden im Einsatz.

DER VERBAND

Das Taktische Luftwaffengeschwader 74 in Neuburg ist als einer der wichtigsten Militärverbände des Landes mit der sogenannten Alarmrotte für die Sicherung des süddeutschen Luftraums zuständig. Rund 1030 Soldatinnen und Soldaten sowie 120 Zivilangestellte arbeiten in der Wilhelm-Frankl-Kaserne sowie auf dem Nato-Flugplatz beim Stadtteil Zell. Das Geschwader verfügt über rund 25 Kampfjets vom Typ Eurofighter; die genaue Zahl bleibt aus Sicherheitsgründen aber ein Geheimnis. Im Durchschnitt steigen die Maschinen zwölfmal pro Jahr zu Alarmstarts auf. Das ist beispielsweise dann nötig, wenn ein Flugzeug mit ausgefallenem Funk in den deutschen Luftraum eindringt. Die Neuburger Piloten haben dann normalerweise die Aufgabe zur Kontaktaufnahme in der Luft und müssen die Maschine sicher zu einem Landeplatz geleiten.

Das Geschwader ist im Jahr 1961 nach dem Umzug vom schwäbischen Leipheim nach Neuburg in Dienst gestellt worden, damals noch als Jagdgeschwader 74. In der Donaustadt ist der Militärverband kaum mehr aus dem Alltag wegzudenken, was vor allem daran liegt, dass viele Soldaten im Umland eine neue Heimat gefunden haben. Der Fluglärm bringt dem Verband allerdings nicht immer nur Freunde ein.

DK

Stefan Janda