Neuburg

Neuburg: Widerstand gegen Moschee-Pläne

Islamische Gemeinde plant Bau im Gewerbegebiet, zeigt aber Gesprächsbereitschaft - Nachbarn sammeln Unterschriften

04.02.2022 | Stand 08.02.2022, 3:35 Uhr
Die islamische Gemeinde Ahmadiyya plant im Gewerbegebiet Schleifmühlweg einen Moschee-Bau. Auf dem Luftbild ist das Grundstück rechts neben dem Firmengelände der Hans Mayr Bau GmbH grün unterlegt. Die Moschee soll zweigeschossig werden und ein zwölf Meter hohes Minarett erhalten. −Foto: Stadt Neuburg

Neuburg - Seit Jahren schon sucht die zweitgrößte islamische Gemeinde in Neuburg, die Reformbewegung Ahmadiyya Muslim Jamaat, einen Platz für eine Moschee. Nun hat sie möglicherweise ein Grundstück gefunden: Im Gewerbegebiet am Schleifmühlweg will sie ein zweigeschossiges Gebäude mit Kuppel und einem Minarett errichten. Doch in der Nachbarschaft regt sich Widerstand. Am kommenden Mittwoch werden die Pläne der islamischen Gemeinde erstmals im Bauausschuss des Stadtrats behandelt.

Das rund 950 Quadratmeter große Grundstück befindet sich an der Straße Fasanengarten. Der Plan für die Moschee sieht 60 Gebetsplätze vor und ein Minarett, das zwölf Meter hoch ist. Zwölf Stellplätze sind auf dem Gelände eingeplant, womit die Stellplatzsatzung erfüllt wäre. Das Grundstück befindet sich im Geltungsbereich des Bebauungsplans für das Gewerbegebiet Schleifmühlweg, entsprechend ist für die Erteilung der Baugenehmigung eine Befreiung für die Nutzung zu kirchlichen Zwecken erforderlich. Laut Sitzungsvorlage steht eine Stellungnahme der Immissionsschutzbehörde noch aus. Die Verwaltung empfiehlt nur, eine Auflage zum Verbot der Übertragung von nach außen elektronisch verstärkten Gebetsrufen. Acht Bäume müssen laut Vorlage für den Bau weichen.

Städtebaulich dürfte es da keine Probleme geben, sagt Oberbürgermeister Bernhard Gmehling (CSU) auf Anfrage. "Es ist in einem Gewerbegebiet, da ist grundsätzlich auch eine Moschee möglich." Allerdings gebe es inzwischen Erfahrungswerte mit der anderen Moschee in der Paul-Winter-Straße. "Da gibt es wegen der Parksituation immer Schwierigkeiten." Deswegen sehe er auch am Fasanengarten das Thema Stellplätze sehr kritisch. "Aber wir müssen diese Bauvoranfrage ganz neutral beurteilen. Da muss der Bauausschuss entscheiden."

Man kann der Sitzungsvorlage entnehmen, dass die Nachbarn dem Vorhaben nicht zustimmen. Einer dieser Nachbarn ist CSU-Stadtrat und Bauunternehmer Hans Mayr. Im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet er, dass eine Unterschriftenliste in Planung sei - gegen den Moscheebau im Gewerbegebiet. "Mir geht es nicht um die Religion", versichert er. "Aber wenn die sich treffen, sind die Straßen blockiert." Vier Meter breit sei die Zufahrt. "Das ist einfach zu schmal und für einen Versammlungsort wie diesen nicht geeignet", sagt Mayr. Die Gewerbebetriebe müssten ständig an- und abfahren können. Doch bei Gebeten in der Moschee müsse man davon ausgehen, dass die Fahrzeuge der Firmen nicht mehr durchkommen.

Das Problem sieht auch Wakas Ashraf, der Vorsitzende der 60 Mitglieder umfassenden Gemeinde, die derzeit ihren Gebetsraum in der Schrannenstraße hat. "Das braucht man gar nicht wegzureden", sagt er auf Anfrage. Auch die Stellplatzsituation hält er nicht für optimal, doch das Grundstück sei nun mal nicht größer. Bewusst habe man das Gemeindehaus nicht überdimensioniert, aber es sei bekannt, dass der Neubau einer Moschee zunächst mehr Besucher anlocke. Er wisse, dass auch die türkische Gemeinde bei ihrem Neubau Schwierigkeiten wegen der Parksituation habe. "Es ist nicht leicht, ein Grundstück für eine Moschee zu finden", sagt Ashraf, der betont, auch offen für andere Grundstücke in Neuburg zu sein. Sie müssten nur auch mit dem Bus und dem Auto gut erreichbar sein. Ashraf versichert: "Wir sind die letzten, die sich per Gericht einklagen würden." Seiner Gemeinde sei es wichtig, den Bau im Einklang mit allen Beteiligten zu planen.

DK

Thorsten Stark