Oberbüren
Nah dran am eigenen Weltrekord

Kunstradfahrerin Milena Slupina überzeugt nach zehnmonatiger Wettkampfpause auf Anhieb

24.06.2021 | Stand 21.08.2021, 3:34 Uhr |
Die Zeit der Online-Wettkämpfe ist vorbei: Milena Slupina hat direkt den ersten Weltcup in der Schweiz gewonnen. −Foto: Archiv

Oberbüren/Roth - Riesenerfolg für die Rother Kunstradfahrerin Milena Slupina.

Die 26-jährige Spitzensportlerin vom TSV Bernlohe hat nach zehnmonatiger Wettkampfpause den ersten Weltcup im schweizerischen Oberbüren für sich entschieden. Dabei lag sie nach zwei Auftritten mit 200,9 Punkten über neun Punkte vor der zweitplatzierten Maren Haase aus Hoffnungsthal. Mattea Eckstein aus Stuttgart machte den Dreifacherfolg der bundesdeutschen Teilnehmerinnen perfekt. "Ich bin sehr zufrieden", erklärte Slupina.

Slupina überzeugte bei ihrer Kür insbesondere durch zwei neue Elemente. Der "Zweifache Drehsprung", also mit dem Rahmen um das Vorderrad, gelang ihr erstmals perfekt gelungen. "Die 'Standsteiger-Rückwärtsdrehung' war in der Ausführung ebenfalls gut", wie Slupina selbst fand. So wird eine Pirouette auf dem Hinterrad bezeichnet, bei der das Vorderrad vor den Körper gezogen wird. "Das war der Test, ob ich dieses Element dauerhaft einbauen kann", erklärte sie. Außerdem arbeitet Slupina am dreifachen Drehsprung. "Hier bin ich in der Aufbauphase", erklärt sie. Ob sie ihn also noch in diesem Jahr im Wettkampf zeigen kann, steht deshalb noch nicht fest.

Was Slupina mitnimmt aus dem Wettkampf in der Schweiz, das sind Sicherheit und Motivation für die weiteren Aufgaben dieses Jahres. "Schließlich sind es die Wettkämpfe, auf die man das Training ausrichtet", sagt sie. Wenn man sich also lange nicht messen könne, sei es schwierig, die eigene Leistung einzuordnen. Da sei man schon ein wenig verunsichert. "Denn ich bereite mich ja darauf vor, ein fehlerfreies Programm zu zeigen. " Da sei die Rückmeldung der Jury und der Vergleich mit den Konkurrentinnen schon wichtig.

Anscheinend hat Slupina während der langen Pause aber alles richtig gemacht. Vier- bis fünfmal pro Woche in der Halle mit dem Rad, Dehnung und Handstände zu Hause sowie verstärkt Joggen, das war ihr Trainingsprogramm, das die Form offenbar zumindest bewahrt hat. Fachleute sahen Slupina nach den ersten beiden Minuten ihres Kürauftritts in Oberbüren sogar schon auf dem Weg zu einem neuen Weltrekord, den sie mit 195,35 Punkten selbst hält. Dass es am Ende dann doch lediglich 186,1 Punkte geworden sind, das lag an den zu kleinen Kreisen der letzten Acht. "Sie müssen vier Meter Durchmesser haben. Offenbar habe ich sie zu klein angesetzt", erklärt sie. Deshalb gab es 8,3 Punkte Abzug.

Sie führt diese Unkonzentriertheit auch auf die schwindenden Kräfte am Ende einer Kür zurück. "Nach fast fünf Minuten ist man nicht mehr die Frischeste. " Umso mehr freute sie sich darüber, dass die Standsteiger-Rückwärtsdrehung als Abschlussfigur bestens geklappt hat. "Ein sehr schwieriges Element. " Als Belohnung durfte sie sich nach der Siegerehrung das neu gestaltete Trikot der Führenden im Weltcup überstreifen.

Bei den weiteren Wettkämpfen dieses Jahres wird sie allerdings immer das Leibchen der amtierenden Weltmeisterin tragen. "Das ist der höherrangige Titel. " Denn nun geht es nach diesem erfolgreichen Saisonauftakt Schlag auf Schlag weiter. Am 11. Juli trifft sich die Kunstrad-Elite aus dem Freistaat in Schleißheim zur Bayerischen Meisterschaft. Dabei gilt Slupina als klare Favoritin. Neben zwei weiteren Weltcup-Auftritten im August und im Oktober wird sie ab Ende August bei drei German-Masters-Treffen innerhalb von vier Wochen um die Qualifikation für die Weltmeisterschaft kämpfen. Ob die Wettkämpfe der weltbesten Kunstradfahrer allerdings tatsächlich stattfinden können, steht noch nicht fest. Geplant sind sie jedenfalls für Ende Oktober in der Stuttgarter Porsche-Arena. Die Deutsche Meisterschaft steht bislang für den 8. und 9. Oktober auf dem Programm.

HK