Obermässing

Mit zwei Schlägen drei Jubeltage eröffnet

Obermässinger starten mit Festabend und Fotoausstellung die Feierlichkeiten zum 950-jährigen Dorfjubiläum <?ZE>

10.06.2018 | Stand 02.12.2020, 16:16 Uhr
Bei allerschönstem Wetter haben die Obermässinger ihr dreitägiges Fest zum 950-jährigen Bestehen mit viel Musik eröffnet. Im Festzelt floss auch Bier aus einem Fass, das gekonnt angestochen wurde. Viel bewundert war die Fotoausstellung, die so manche Erinnerung an gute alte Zeiten hervorrief. Beim Festzug beteiligten sich viele Vereine. −Foto: Leykamm

Obermässing (HK) Den großen himmlischen Paukenschlag als Startschuss für das Dorfjubiläum in Obermässing hat es schon zwei Wochen vor Beginn gegeben, als ein Blitzschlag die Kirchenuhr zum Stillstand brachte und es dann losdonnerte. So aber zeigt sie bis heute genau jene Uhrzeit an, während der man sich nun am Dorfplatz zum Beginn der dreitägigen Feierlichkeiten anlässlich des 950jährigen Bestehens des Orts getroffen hatte - und diesmal meinte es der Himmel gut.

Sommerliche Temperaturen, ein laues Lüftchen und einige weiße Wolken am Firmament, in das nun ihrerseits die heimischen Böllerschützen hineindonnerten. Für den musikalischen Einstieg sorgte die örtliche Blaskapelle. Nach dem kleinen Standkonzert machte sich die Festgemeinde mit ihren Gästen auf zur Schulturnhalle.

Die 13 Vereine gaben dabei mit ihren Fahnenabordnungen ein recht schmuckes Bild ab. Am Ziel angekommen, ließ es sich Gerhard Lang vom Festausschuss nicht nehmen, dort sowohl das Fest wie auch die in der Halle zu bewundernde und von ihm gestemmte Fotoausstellung gleichzeitig zu eröffnen. 1000 Jahre, so habe es ihm eine Dame aus Kleinnottersdorf einmal gesagt, seien vor Gott zwar nur ein Wimpernschlag, doch kann auch eine noch viel kleinere Zeitspanne für Triumphgefühle sorgen. So sei Obermässing immerhin "23 Jahre älter als unsere südliche Hauptstadt" (Greding) - und das "will schon was heißen".

Die Ausstellung selbst spannte drei Tage lang den Bogen von der ersten urkundlichen Erwähnung Obermässings im Jahre 1068, auf welche das Fest Bezug nimmt, bis hin zum heutigen Ortsgeschehen. Die ältesten Fotoaufnahmen reichten dabei in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Mit 22 Bildern war allein der Hofberg porträtiert, insgesamt galt es weit über 500 Exponate zu bestaunen.

Große Beachtung fanden auch die Luftaufnahmen aus dem Jahre 1958, die Lang 1994 von einem Händler erwarb. Die meisten anderen Bilder stammten vom Ausstellungsorganisator selbst sowie seinem Vater. Die Brückengeschichte des Ortes mit vier solcher Bauwerke innerhalb der letzten knapp hundert Jahre fand sich ebenso an den Wänden. Und auf den Bildern mit den Schulklassen verschiedener Jahrgänge galt es für die Senioren samt Klassenkameraden sich wieder zu entdecken. Über 1600 Reißnägel waren nötig gewesen, um die Exponate an den Stellwänden zu befestigen. Aufführungen der Buben und Mädchen des Kindergartens rundeten die Eröffnung ab, die von einer neuen Obermässing-Hymne gekrönt wurde. Der Ort als "Heimat im Landkreis Roth, dort wo man gerne wohnt" wurde inbrünstig zur Melodie von "Moskau" (Dschinghis Khan) besungen, den Text hatte Schulleiter Christian Hobauer selbst beigesteuert.

Im Festzelt begrüßte kurz darauf die Blaskapelle die Feiernden mit dem Frankenliedmarsch, bevor Festausschussmitglied Bernhard Kößler gemeinsam mit dem Seniorchef der Thalmannsfelder Felsenbräu das erste Fass Bier anstach - gekonnt mit zwei Schlägen. Verspritzt wurde nichts, nur ein paar Schaumflocken purzelten zu Boden.

Für eine bebilderte Präsentation der Chronik hatten sich die Verantwortlichen etwas besonderes einfallen lassen: Die Leinwand hing dazu mitten im Zelt, wurde dabei aber von beiden Seiten mit einem Beamer bestrahlt, so dass alle etwas sehen konnten.

Ortssprecher Harald Gern-groß und Co-Moderator Matthias Kohlbrand blickten bis in die Erstbesiedlung der Region im sechsten Jahrhundert vor Christus zurück. Im selbigen nach Christi ließen sich die Bajuwaren dort nieder, 725 hatten dann die Franken das Sagen. Das Duo erzählte von "dem sagenumwobenen Wasserschloss Greith" oder von der Zeit des Deutschen Ordens, an die heute noch der Bockstall erinnert. Der Aufstand des "Mässinger Bauernhaufens", das Niederbrennen der Burg am Hofberg im Dreißigjährigen Krieg und der schmerzliche Verlust der Reliquie des Heiligen Blutes kamen ebenso zur Sprache.

Über elektrischen Strom habe der Ort erst ab dem Jahre 1940 verfügt, nach dem Zweiten Weltkrieg sei das Geschehen dort durch eine rege Bautätigkeit geprägt gewesen. Auch ein eigenes kleines Kaufhaus gab es hier einmal. Es sei gut, sich in unserer schnelllebigen Zeit an die eigene Geschichte zu erinnern, bedankte sich Gredings Bürgermeister Manfred Preischl für die historischen Einblicke. Schon vor 950 Jahren "wussten die Menschen schon, dass es sich hier gut leben lässt".

"Zukunft braucht Herkunft", betonte auch Landrat Herbert Eckstein. "Ihr wisst gar nicht, wie gut ihr drauf seid", unterstrich er angesichts der jeweils über ein Dutzend Betriebe und Vereine, die der Ort sein eigen nennen kann. Mit einer Urkunde und einer Geldspende stieß der Landrat zugleich ein Kunstprojekt an, mit der die hiesigen Grundschüler das Dorfjubiläum kreativ in Szene setzen sollen.

"Hier stimmt einfach die Dorfgemeinschaft, auf die ihr stolz sein dürft", lobte der Landtagsabgeordnete Volker Bauer, der die 20 Hauptakteure der Festvorbereitung zu einer Landtagsfahrt einlud und sich zudem sehr stark für die am Fest verkauften immerwährenden Kalender mit Motiven des Jubelortes interessierte. Auch er habe die Obermässinger "als äußerst engagiert" erlebt, betonte Bezirksrat Ernst Schuster. Er erinnerte zugleich an das von hier entstammende "Selden-Haus" im Freilandmuseum Bad Windsheim, "ein echtes Schmuckstück".

Am Ende ließ Cornelius Tarnai mit einem Vortrag aufhorchen. Der Offenbauer Sanierungsplaner für historische Gebäude hat die Burgruine am Hofberg vermessen und darauf ein virtuelles 3D-Modell erstellt, das er Google maps zur Verfügung stellen will. "Eventuell", so betonte er es, übernehme sein Büro die Projektentwicklung für eine etwaige Sanierung.

Jürgen Leykamm