Mit Fahrrad und Fähre

16.08.2011 | Stand 03.12.2020, 2:30 Uhr |

 

Verführerisch steigt uns der Duft von gebratenen Hähnchen, Currywurst und frischen Kräutern in die Nase. „Sollt’n mia vielleicht erst no an Frühschoppn macha“, fragt Sepp. Er ist mit 65 der Älteste in unserer vierköpfigen Gruppe, die heute gemeinsam zur DK-Radlsommertour nach Münchsmünster starten will.

Zwischen Imbissbuden, Obst- und Feinkostständen herrscht wie an jedem Samstagvormittag buntes Markttreiben. In den Straßencafés genießen die Pfaffenhofener die Morgensonne. Kinder vergnügen sich unter den Wasserfontänen des Brunnens in der kleinen Fußgängerzone vor dem Rathaus. Der in den Jahren 2008 und 2009 neu gestaltete Hauptplatz ist das pulsierende Herz der Hallertauer Kreisstadt.

„Sollt’n mia vielleicht erst no an Frühschoppn macha“, fragt Sepp. Er ist mit 65 der Älteste in unserer vierköpfigen Gruppe, die heute gemeinsam zur DK-Radlsommertour nach Münchsmünster starten will. Doch wir drei Jüngeren, alle auch schon um die 60, wollen lieber gleich aufbrechen. Denn immerhin liegen 55 Kilometer noch vor uns. Auf der Ingolstädter Straße geht es stadtauswärts und vor dem Verkehrskreisel rechts über den Volksfestplatz hinunter zur Ilm. Hier führen uns die Radwegweiser „Ilmtaltour“ oder „Hopfentour“ aus der Stadt hinaus Richtung Rohrbach.

Draußen vor der Stadt sagt unser Radlerfreund Alfred plötzlich: „Ja wo samma denn jetz hi kemma“, und deutet an der Abzweigung nach sieben Kilometern lachend auf den Radwegweiser mit der Aufschrift „Wolznach“– ein Buchstabendreher. Nein, nach „Wolznach“ wollen wir jetzt nicht und folgen deshalb geradeaus der „Ilmtaltour“, bis wir nach weiteren vier Kilometern in Rohrbach angekommen sind.

An der Kreuzung des Radweges mit der Bahnhofsstraße verlässt unsere Route die „Ilmtaltour“ und führt rechts (Wegweiser Bahnhof) unter der Bahnlinie München-Ingolstadt durch in östlicher Richtung zur Staatsstraße Pfaffenhofen-Geisenfeld. Direkt gegenüber zweigt eine schmale Straße nach Lohwinden ab (Radwegweiser Wolnzach). Eingerahmt von Wäldern und Hopfengärten ist das idyllische Bauerndorf mit seiner um 1700 erbauten Barockkirche ein Stück Hallertau wie aus dem Bilderbuch.

Nach der Kirche links haltend, erwartet uns mit dem Anstieg ins Wolnzacher Hügelland ein erster Konditionstest. Auf der Anhöhe folgen wir kurz vor der Einmündung in die Hauptstraße rechts dem Radwegweiser nach Wolnzach. Hier verläuft auch der Hallertauer Lehrpfad, der auf 26 Schautafeln Informationen über den Hopfen sowie die regionale Flora und Fauna vermittelt. Am Wolnzacher Ortsrand geht es auf der Hauptstraße ins Ortszentrum. Die Pfarrkirche St. Laurentius, wegen ihrer prächtigen Barockausstattung auch Dom der Hallertau genannt, weist uns den Weg. Nach 15 Kilometern wäre es Zeit für eine erste Rast. Sepp strahlt übers ganze Gesicht, als er jetzt doch noch seinen Frühschoppen im Bürgerbräu-Biergarten bekommt. Danach machen wir noch kurz Halt am Hopfenmuseum.

Die wichtigste Kulturpflanze der Region begleitet uns auch noch im Verlauf unserer jetzt folgenden „Hopfentour“. Wir finden die grünen Radwegweiser mit dieser Aufschrift am Marktplatz zwischen Rathaus und Kirche und radeln ortsauswärts. Nach der Unterführung der A 93 geht es links Richtung Hopfenforschungszentrum Hüll.

So wie die Hopfenzupfer haben auch wir jetzt ein hartes Stück Arbeit vor uns. Der erste Anstieg gleich hinter Hüll Richtung Oberlauterbach ist nur ein Vorgeschmack. Auf den folgenden zehn Kilometern über Niederlauterbach, Rottenegg und Obermettenbach erwarten uns noch mehrere schweißtreibende Bergprüfungen. „Auffi muass i, auffi!“, ruft unser Spassvogel Sepp wie der von der Gailtalerin verhexte Bua im Kultmusical „Watzmann“, als er an der Zwölf-Prozent-Steigung hinter Untermettenbach mit hochrotem Kopf an uns vorbeizieht.

Gestärkt und gut gelaunt gehen wir nach der Mittagspause den letzten Teil unserer Tour an. Nach Unterpindhart folgt ein letzter, flacher aber lang gezogener Anstieg, dann sind auf der Anhöhe schon Wasserturm und Klosterstock, die beiden Wahrzeichen der Stadt Geisenfeld, zu sehen. Nach einer Runde durch das sehenswerte Stadtzentrum folgen wir in Richtung Norden den Radwegweisern „Hopfentour“ oder „Ilmtaltour“, die hier wieder zusammentreffen. Im Weiler Schillwitzhausen zweigt die „Hopfentour“ dann nach rechts ab, während unsere Ilmtalroute weiter geradeaus nach Ilmendorf führt. Auf kleinen Nebenstraßen und Radwegen, vorbei an idyllischen Weihern und Auenlandschaften führen uns die Radwegweiser bis vor die Tore der Agnes-Bernauer-Stadt Vohburg. Vor der Brückenbaustelle an der kleinen Donau biegen wir rechts ab und folgen dem Radweg neben der Bundesstraße 16a bis Münchsmünster. Und der Sepp freut sich auf sein wohlverdientes Abschluss-Weißbier beim Rauscherwirt, wo wir auf die Abfahrt unseres Zuges zurück warten.