Eichstätt
Leidenschaft und Liebe im Spiegelsaal

Deutsch-italienisches Freundschaftskonzert mit Sopranistin Raffaella Benetti aus Bolca und den "Eichstätter Längsflöten"

04.06.2019 | Stand 23.09.2023, 7:16 Uhr |
Sopranistin Raffaella Benetti aus Eichstätts Partnergemeinde Bolca (links) brillierte in ihren Gesangspartien. Das Flötenensemble "Längsflöten" begeisterte das Publikum mit barocken Klängen aus Purcells Semi-Oper "King Arthur" im Eichstätter Spiegelsaal. −Foto: Kusche

Eichstätt (EK) Einen prächtigen barocken Rahmen gab der Eichstätter Spiegelsaal am Samstagabend für die barocke Oper "King Arthur" von Henry Purcell ab.

Virtuos präsentierte das Flötenensemble "Eichstätter Längsflöten" des Musik-Netzes Eichstätt die berühmte "Semi-Opera" zusammen mit Sopranistin Raffaella Benetti aus Eichstätts italienischer Partnergemeinde Bolca. Unter den farbenprächtigen Deckengemälden des vollbesetzten Spiegelsaals begeisterten Musiker, Erzähler und Sopranistin Benetti ihr Publikum mit den barocken Klängen des englischen Komponisten.
Ob Purcells "King Arthur" nun als Semi-Oper oder Schauspiel mit Musik bezeichnet werden soll - das war für die Besucher des "Konzerts mit Erzählern und Bildern", zu dem das achtköpfige Ensemble der "Längsflöten" unter der Leitung von Lydia Tyrakowski-Cebulla in den Spiegelsaal eingeladen hatte, letztlich völlig unerheblich. Für sie zählte nur, dass John Dryden, der englische National-Dichter, mit seinem Libretto "The British Worthy" (Der britische Held) Komponist Henry Purcell (1659 - 1695) zu wunderbar atmosphärischer Musik inspiriert hatte. 1691 fand die Uraufführung seiner Semi-Oper "King Arthur" statt, einer typischen Form der englischen Barockoper des 17. Jahrhunderts, die auch als Schauspiel mit Musik beschrieben werden könnte. Denn das Besondere an diesem Werk Henry Purcells ist es, dass die Handlung durch einen Erzähler vermittelt wird und nur einzelne Gesangspartien enthält.
Aus dem barocken Werk nun ein deutsch-italienisches Freundschaftskonzert der Eichstätter Flötisten zusammen mit der bekannten Sopranistin Raffaella Benetti aus Bolca zu veranstalten, ist der Verdienst von Ensemble-Leiterin Lydia Tyrakowski-Cebulla. Sie griff auf eine äußerst gelungene Bearbeitung der Oper von Johannes Bornmann aus dem Jahr 2000 zurück, der die zweistündige Oper auf eine Suite für Blockflöten-Ensemble mit Gesang und Erzähler kürzte. Die Gesangs- und Erzählerrolle in italienischer und englischer Sprache übernahm Benetti aus Bolca, mit der das Ensemble "King Arthur" bereits erfolgreich in Italien dargeboten hatte.

Oliver Haugg, ebenfalls aktiver Flötist der "Längsflöten", las die Texte in deutscher Sprache. Eindrucksvoll ergänzt wurde die Oper durch projizierte Szenenbilder, die Ensemblemitglied Doris Schneider aus historischen Handschriften zum Artus-Sagenkreis herausgesucht hatte. Der Clou aber waren zweifellos die originellen barocken Lockenperücken, mit denen alle Mitwirkenden den barocken Charakter des Stückes unterstrichen.
Leidenschaft und Liebe, Kampf und Krieg, Könige und Königinnen, Zauberer und Geister, Burgen und geheimnisvolle Wälder - das ist die Welt, in die Purcells Semi-Oper "King Arthur" ihr Publikum mit wunderbarer barocker Musik entführt. Und dies gelang auch den virtuosen "Längsflöten" mit ihren jeweils zwei Sopran-, Alt-, Tenor- und Bassflöten, den beiden lebendig vortragenden Erzählern und der brillanten Sopranistin Benetti in herausragender Weise. Schnell fanden sich die gebannt den Flötenklängen lauschenden Zuhörer in der Geschichte der Artus-Legende wieder, in deren Mittelpunkt König Arthur steht, jener König, der für seine legendären Ritter der Tafelrunde den runden Tisch erfunden haben soll. Die mal melancholisch anmutende, mal fröhlich-beschwingte Musik der mit sichtbarer Freude spielenden Musiker und die Erzählweise von Raffaella Benetti und Oliver Haugg - einmal in klangvoller italienischer, einmal ausdrucksvoll in deutscher Sprache vorgetragen - zogen das Publikum gänzlich in den Bann.

Immer wieder begleiteten eindrucksvolle Gesangspartien entscheidende Wendepunkte der Artus-Legende. Brillant und in einem strahlenden, ausdrucksstarken Sopran meisterte Raffaella Benetti, in rotem Samtkleid und ebenfalls mit silberner Perücke ausgestattet, solch wunderbare Gesangspartien und Musikstücke wie "Come if you care" oder "How happy the lover", die Purcell mit tänzerischen Rhythmen und für seine Zeit durchaus kühnen Harmonien komponiert hatte. Höhepunkt des Abends bildete schließlich das festliche Schlussstück "Round Thy Coast", in dem Sängerin wie Musiker das berühmte Loblied auf Britannien anstimmten und damit das "Happy End" der Barockoper präsentierten.
Abschließend richtete Bürgermeisterin Claudia Grund Dankesworte für das wunderbare Freundschaftskonzert an das Ensemble der "Längsflöten" und Sopranistin Benetti. Grund gratulierte der brillanten Sängerin zudem zum Ausgang der Kommunalwahlen in Italien, bei denen sie am vergangenen Wochenende in den Gemeinderat von Vestenanova und zur Beauftragten für die Städtepartnerschaft ihres Wohnortes Bolca mit Eichstätt gewählt worden war. Benetti ist deshalb nun von italienischer Seite auch künftig die Ansprechpartnerin für die Städtepartnerschaft. Das begeisterte Publikum entließ die Flötisten und Sopranistin Benetti nicht ohne drei weitere Zugaben: Im Spiegelsaal erklangen zwei Sätze aus Händels Wassermusik sowie noch einmal das feierliche Abschlusslied der Oper.

Dagmar Kusche