Pfaffenhofen
Langsam wird es finanziell bedrohlich

Spenden, Fundtiere und Pensionsgäste bleiben aus: Tierherberge fährt Angebot weiter herunter

31.03.2020 | Stand 02.12.2020, 11:38 Uhr |
Keine Vermittlung, keine Spenden: Beim Freigehege für Kaninchen Laila und ihre Artgenossen herrscht "Fehlanzeige". Manuela Braunmüller ist ratlos, wie es am Tierheim weitergehen soll. −Foto: Bendisch

Pfaffenhofen - "Wir machen hier Heim-Office - im wahrsten Sinne des Wortes", sagt Manuela Braunmüller, die Vorsitzende des Pfaffenhofener Tierschutzvereins. "Die Versorgung der Schützlinge in der Tierherberge ist gewährleistet", versichert sie. Aber alles andere wurde im Zuge der Ausgangsbeschränkungen reduziert, auf Eis gelegt oder findet erst gar nicht statt.

 

Kaffeepause im Freien bei den Hundeausläufen, die Mitarbeiter halten Abstand. Im Hintergrund heult Rüde Michi wie ein Schlosshund. Er ist ein einsamer Gast an der Weiberrast, weil sich sein Frauchen gerade von einer Operation erholt. Und "Michi" kommt mit der Trennung überhaupt nicht klar. Der Rüde ist das einzige Pensionstier im Moment. Alle anderen ursprünglich mal angesagten Gäste bleiben wegen Urlaubsreisen aus, die natürlich alle ausfallen - und damit fällt auch eine wichtige Einnahmequelle des Tierheims weg. Bei freien Kapazitäten wird die Möglichkeit von den Tierschützern gern genutzt, manche der vierbeinigen Gäste kommen sogar ganz regelmäßig in der Ferienzeit an die Weiberrast.

"Der Vermittlungsstand ist ebenfalls bei Null", fügt Braunmüller an. Außerdem würden derzeit keine Fundtiere abgegeben. Und weil es keine Veranstaltungen wie Geburtstagsfeiern oder ähnliches gibt, blieben auch die Spenden aus. "Wenn es so weiterläuft, wird es für uns finanziell bedrohlich", befürchtet sie.

Das Büro des Tierheims ist knapp bemessen. Zwei Personen kommen sich darin automatisch sehr nahe. Büroarbeiten werden daher nur im Schichtdienst erledigt - und Hygienevorschriften peinlich genau eingehalten. Nur fünf bis sechs Betreuer des "harten Kerns" befinden sich gleichzeitig im Haus. Und man verzichtet auf die ehrenamtlichen Gassigeher, die sonst das Stammpersonal entlasten. Man gehe lieber drei Mal auf "Nummer sicher", erklärt die Vereinsvorsitzende: "Wenn einer von uns den Virus erwischt - was ist dann mit den Tieren?"

Grundsätzlich werden daher keine Besucher ins Haus gelassen. Anfragen oder eine eventuelle Abgabe regelt man mit dem nötigen Sicherheitsabstand draußen vor der Tür. Anstehende Umbaumaßnahmen wie das Häuschen und den Freilauf für Kleintiere plus Lagerschuppen wurden auf unbestimmte Zeit verschoben: "Man bekommt derzeit natürlich keine Handwerker und kein Material", so Braunmüller. Sicher gut gemeint sind Sachspenden, die regelmäßig vor der Tür der Tierherberge deponiert werden. Aber vieles davon ist schlicht nicht zu gebrauchen: "Exotenfutter, reichlich Hundeleinen oder abgekautes Spielzeug. Besser wäre es, vorher telenonisch nachzufragen, ob Bedarf besteht", meint die Vorsitzende.

Muss man sich nach Aufhebung der Ausgangsbeschränkungen auf eine Schwemme von Fundtieren einstellen? Wird man Tiere von erkrankten Mitbürgern betreuen müssen? Viele Fragen würden den Mitarbeitern der Tierherberge zurzeit Sorgen bereiten, fügt sie an. "Aber wir können nur das tun, was für ganz viele andere Einrichtungen im Moment auch gilt: den Job machen und abwarten." Gefreut hat sie sich übrigens sehr über den Einsatz einer Tierfreundin, die regelmäßig Handarbeiten für den Basar anfertigt: Sie stattet jetzt alle Mitarbeiter mit selbst genähtem Mundschutz aus.

PK