Pfaffenhofen/Mainburg

Krankenhaussanierung in Mainburg in abgespeckter Variante

Landkreis Kelheim will nun doch nur rund zehn Millionen Euro ausgeben, um die Klinik für die Zukunft zu rüsten

28.09.2021 | Stand 03.10.2021, 3:33 Uhr
Auf dieser Fläche vor dem Mainburger Krankenhaus soll in Modulbauweise das MVZ errichtet werden. −Foto: Bruckmeier

Mainburg - 56 Millionen Euro, 113 Millionen Euro, zehn Millionen Euro: So liest sich der Verlauf der Fieberkurve über die Bereitschaft des Landkreises Kelheim, in eine Sanierung des Mainburger Krankenhauses einzusteigen. Jetzt hat der Kreisausschuss mit einer Empfehlung an den Kreistag den Weg frei für eine abgespeckte Version gemacht - um das Haus unter dem Dach der Ilmtalklinik ein wenig auf Vordermann zu bringen. Allein 3,5 der anvisierten zehn Millionen Euro sind für den Bau eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) vorgesehen.

Kelheims Landrat Martin Neumeyer (CSU) warnte vor überzogenen Erwartungen: "Wir werden nicht alle Wünsche erfüllen können", sagte er, verwahrte sich aber dagegen, von einer "Minilösung" zu sprechen. Zu den Plänen gab Klinikgeschäftsführer Ingo Goldammer Auskunft, der das Paket geschnürt hat. Kernpunkt seines Plans ist die Errichtung des MVZ auf dem Grundstück zwischen dem Uraltbau und dem in den 80er- und 90er Jahren erbauten Klinikkomplex. Davon verspricht sich Goldammer Synergieeffekte zwischen der ambulanten Einrichtung und dem Krankenhaus. Das Modulgebäude mit einer Grundfläche soll einen OP-Saal für ambulante Eingriffe bekommen. Davor sollen einige Parkplätze entstehen.

Rund 1,3 Millionen Euro will Goldammer in technische Maßnahmen stecken, 1,5 Millionen Euro in optische Verbesserungen. Die Medizintechnik soll mit rund 650000 Euro modernisiert werden, die Haustechnik mit 550000 Euro. Eine weitere Million behält sich Goldammer für Unvorhergesehenes vor. Hinzu kommen 1,5 Millionen Euro an Honoraren.

Landrat Neumeyer glaubt daran, den Klinikstandort damit sichern zu können - und er bezeichnete diese Lösung finanziell als den "einzig gangbaren Weg". SPD-Sprecher Willi Dürr kann in dem abgespeckten Sanierungskonzept "nichts finden, was den Krankenhausstandort nachhaltig sichert". Auch Josef Reiser (SLU) konnte an der Zehn-Millionen-Euro-Variante keinen Mehrwert erkennen und warnte vor Flickwerk. Der frühere Mainburger Bürgermeister regte an, sich auf die 56-Millionen-Variante zu besinnen. Für inakzeptabel hielt er den Standort des MVZ im Park vor der Klinik. Laut Martin Huber (CSU) seien angesichts der Lage des MVZ "Probleme mit den Parkplätzen vorprogrammiert". Eine Tiefgaragenlösung spielt allerdings in den Überlegungen Neumeyers aus Kostengründen keine Rolle.

Zustimmung gab es aus den Reihen von CSU und Freien Wählern, deren Sprecher Christian Nerb ehrliche Worte fand: "Weil sich der Landkreis einfach nicht mehr leisten kann." Das letzte Wort hat der Kreistag, der wohl am 25. Oktober zusammentreten wird.

Defizit neu aufteilen

Kelheims Landrat Martin Neumeyer (CSU) wird wohl vom Kreistag schon bald dazu ermächtigt, mit dem Landkreis Pfaffenhofen über die Änderung der Beteiligungsverhältnisse an der Ilmtalklinik GmbH zu verhandeln. Die Anteile an der 2007 gegründeten Klinik-Gesellschaft sollen neu gewichtet werden. Aktuell liegt das Verhältnis bei 85 Prozent (Pfaffenhofen) zu 15 Prozent (Kelheim), zu dem das laufende Defizit - zuletzt waren es 5,7 Millionen Euro - aufgeteilt wird. Das soll sich ändern. Als Grundlage für die bald beginnenden Gespräche liegt eine standortbezogene Defizitbetrachtung für die Geschäftsjahre 2018 und 2019 durch die Wirtschaftsprüfer der Solidaris Revisions-GmbH auf dem Tisch. Der Verhandlungsspielraum bewegt sich auf Kelheimer Seite dem Vernehmen nach in einem Korridor zwischen 25 und 30 Prozent. Der Rest ist Verhandlungssache.

rry