Ingolstadt

"Kleines Vermögen, aber großes Herz"

SPD-Rathausfraktion will mit Initiative dem Stiftungswesen in Ingolstadt neuen Auftrieb geben

31.07.2019 | Stand 02.12.2020, 13:22 Uhr
Paradebeispiel für bürgerliches Engagement: Die Ingolstädter Ingenium-Stiftung kümmert sich um Demenzkranke. Bei einem Tag der offenen Tür im Haus Mathilde wurden die Bewohner der WG und deren Angehörige von der Vorsitzenden Mathilde Greil besucht. Ein weiteres Beispiel ist die Bürgerstiftung, deren Stiftungstafel mit den Namen zahlreicher Ingolstädter Persönlichkeiten im Alten Rathaus angebracht ist. −Foto: Eberl/DK-Archiv

Ingolstadt (DK) Beim Stichwort Stiftung fällt vielen Ingolstädtern derzeit vor allem die Finanzmisere der geschichtsträchtigen Heilig-Geist-Spitalstiftung ein, die monatelang Negativschlagzeilen produzierte und den Stadtrat zu hektischen Aktivitäten antrieb.

Dabei sind Stiftungen im Grunde eine sehr segensreiche Einrichtung und Ausdruck des Bürgersinns. Diese positive Seite will die SPD mit einem Aufruf zur Förderung des Stiftungswesens wieder mehr ins Bewusstsein der Ingolstädter rücken.

"Man weiß als Bürger viel zu wenig, was es für Stiftungen gibt", glaubt Stadträtin Veronika Peters bei der Vorstellung der Initiative. Sie erzählt das passenderweise in Vronis Ratschhaus, einem mittlerweile recht bekannten Treffpunkt mit offenen Türen. Das Haus in der Donaustraße gehört ihrer Familie und ist nach den Worten der Stadträtin "ein halböffentlicher Raum, den die Bürger selbst mit Leben füllen können" - im besten Sinne eine Einrichtung, die man heute gern "niederschwellig" nennt. "Ich werde meine Kinder dazu verpflichten, dass das Ratschhaus bleibt", verspricht die Unternehmerin.

Etwas stiften, mit dem dauerhaft eine förderungswürdige Sache unterstützt wird, dafür bietet das Stiftungswesen ein weites Feld. Ob "mit kleinem Vermögen, aber großem Herzen", ob mit viel oder wenig Geld, ob für kulturelle oder soziale Zwecke, ob für Wissenschaft oder Sport, die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Punkt eins eines Antrags der SPD-Fraktion lautet deshalb: "Die Stadt startet eine Stifterinitiative mit dem Ziel, das Stiftungswesen in Ingolstadt zu stärken und neue Finanzquellen zu erschließen. "

Zu diesem Zweck soll im kommenden Jahr erstmals ein Stiftertag veranstaltet werden, mit Vertretern bereits existierender Stiftungen, an dem Thema Interessierten und möglichen Kooperationspartnern. Im besten Fall, so die Hoffnung der Sozialdemokraten, könnten dadurch Zustiftungen oder sogar Neugründungen und Spenden an bestehende Stiftungen ausgelöst werden. In ihrem Aufruf erinnert die Rathausfraktion daran, dass in Deutschland in naher Zukunft mehrere Billionen Euro vererbt werden. Würde davon nur ein Prozent in das Stiftungswesen investiert, "käme allein in Ingolstadt ein beachtlicher zweistelliger Millionenbetrag zusammen". Laut Vergleich von Fraktionschef Achim Werner gibt es in Ingolstadt "relativ wenig Stiftungen". Während der bayerische Durchschnitt bei 31 pro 100000 Einwohner liege, seien es in Ingolstadt nur 20 zivil- und öffentlich-rechtliche Stiftungen wie etwa Waisenhaus-, Ingenium- oder Bürgerstiftung.

Nach den jüngsten Erfahrungen mit der Spitalstiftung betont der OB-Kandidat der SPD, Christian Scharpf, dass zum stärkeren Bürgerengagement aber auch "die Schaffung einer schlagkräftigen Stiftungsverwaltung im Rathaus gehört". Es reiche nicht aus, "bestehende Stiftungen nur notdürftig zu verwalten". Vielmehr müsse die Stiftungsverwaltung eine "Anlauf- und Servicestelle" für die Bürger sein, fordert der Spitzenkandidat.

Welch großer Nachholbedarf hier besteht, das hat die schonungslose Jubiläumsrede des neuen Vorstands der Spitalstiftung, Roland Wersch, deutlich aufgezeigt. Der von außen (Biberach) geholte Krisenmanager sagte vor der versammelten kommunalpolititischen Prominenz: Der aktuelle Zustand der 700 Jahre alten Stiftung deute darauf hin, dass in der Vergangenheit "nicht viel richtig gemacht worden" sei. Nicht nur im Stadtrat ist die Hoffnung groß, dass der entschlossen anpackende Wersch das Ruder bei der Spitalstiftung rechtzeitig herumgerissen hat. "So einen wie Wersch", findet Veronika Peters, Mitglied des Stiftungsrates, "hat's gebraucht".