Vielerorts Probleme
Holpriger Start für kostenlose Corona-Schnelltests

Flächendeckenden Gratis-Tests: Viele Arztpraxen und Apotheken konnten am Montag nicht loslegen

08.03.2021 | Stand 16.03.2021, 3:33 Uhr |
  −Foto: Oliver Berg/dpa

Zum Start der kostenlosen Corona-Schnelltests am Montag hat es in Deutschland vielerorts noch Engpässe gegeben, auch in Bayern. So waren Apotheken und Arztpraxen zum Wochenbeginn noch nicht oder nur unzureichend auf die Testungen in der Fläche vorbereitet. Auch viele Fragen waren offen - etwa, wie genau die kostenlosen Tests erfasst werden sollen, um Mehrfachtests einer Person pro Woche zu verhindern.

Im jüngsten Bund-Länder-Beschluss zur Corona-Krise ist festgelegt, dass der Bund ab diesem Montag die Kosten für einen Schnelltest pro Bürger und Woche übernimmt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte bereits am Freitag darauf hingewiesen, dass die Tests nicht in allen Ländern schon ab Montag durchgängig angeboten werden könnten, es aber schnell losgehen solle.

Allein in der letzten Februarwoche habe das Gesundheitsministerium rund 4,6 Millionen Tests an die Kreisverwaltungsbehörden geliefert, sagte ein Ministeriumssprecher. Den monatlichen Bedarf schätzt das Ministerium in Bayern auf rund zehn Millionen Schnelltests. "Weitere Lieferungen erfolgen", sagte der Sprecher. Zusätzliche Vergabeverfahren zum Sommer liefen bereits.

Verfügbar seien Schnelltests bislang aber nur in gut einem Drittel der kommunalen Testzentren, sagte der Ministeriumssprecher. Dieses Angebot soll es demnach künftig zwar in allen 96 bayerischen Testzentren geben. Im unterfränkischen Albertshofen zum Beispiel wird das kostenlose Schnelltest-Angebot aber erst am Mittwoch beginnen, wie das Landratsamt Kitzingen am Montag mitteilte. Der oberfränkische Landkreis Lichtenfels kündigte an, kostenlose Schnelltests werde es dort erst geben, wenn in der rechtlichen Grundlage Details zu Finanzierung und zu Meldewegen geklärt seien.

Auch viele bayerische Apotheker warteten am Montag noch auf die Veröffentlichung der geänderten Corona-Testverordnung. "Faktisch fehlt der Startschuss", sagte der Sprecher des Bayerischen Apothekerverbands (BAV), Thomas Metz, am Montagvormittag in München. Ohne die Verordnung fehle Klarheit darüber, wie viel der Bund den Apotheken pro Schnelltest bezahle.

Die Bayerische Landesapothekerkammer kritisierte deshalb die Vorbereitung des Bundesgesundheitsministeriums. "Die kurzfristige Veröffentlichung beziehungsweise das Inkrafttreten von Verordnungen am Tag der Verkündigung macht die Umsetzung in der Praxis nicht einfacher", sagte eine Sprecherin am Montag.

Es sei zwar nicht auszuschließen, dass einzelne Apotheken in Vorleistung gingen und Schnelltests kostenlos anböten, sagte Apothekerverbandssprecher Metz. Doch aktuell seien Schnelltests eigentlich nur für Selbstzahler möglich. "Es scheint sich aber auch kein allzu großer Andrang zu entwickeln", sagte Metz. Engpässe bei den bestellten Lieferungen erwarte er nicht.

Wie viele der rund 3000 öffentlichen Apotheken in Bayern in den kommenden Tagen kostenlose Schnelltests anbieten, sei dennoch nicht seriös abschätzbar, betonte Metz. Die Anforderungen seien hoch: "Wir brauchen aber einen eigenen Raum und eine eigene Fachkraft samt Schutzausrüstung für diese Tests. Das ist nichts, was man nebenbei machen kann."

Bei den Schnelltests führt geschultes Personal den Test per Nasen- oder Rachenabstrich durch. Seitens der Bundesregierung hieß es, dass der Bund die Tests bezahle, aber die Länder die Schnelltests bestellen und die Infrastruktur dafür schaffen müssten. Fast parallel zu diesen Schnelltests sind seit Samstag auch Laien-Selbsttests zur Anwendung zu Hause verfügbar. In den Discountern war der Ansturm groß.

Schulpersonal, Schüler, die älter als 15 Jahre sind, und Kita-Mitarbeiter sollen vom Freistaat künftig Selbsttests erhalten. Allerdings müssten sich jene in Regionen mit niedrigen Inzidenzwerten wie dem Landkreis Würzburg noch gedulden, teilte das zuständige Landratsamt am Montag mit. Dort werde der Freistaat die Selbsttests erst in den kommenden Wochen liefern.

Jedes Testzentrum hat nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums bereits ein Dokumentationssystem. «Nach einem Schnelltest bekommt der Getestete ein Dokument, auf dem angegeben wird, wer, bei wem, wann, mit welchem Ergebnis getestet wurde», schrieb eine Sprecherin auf dpa-Anfrage. Ob diese Dokumentationspflicht auch für Apotheker und Hausärzte gilt, blieb zunächst unklar.

Die Präsidentin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), Gabriele Regina Overwiening, sagte am Montag im ZDF-«Morgenmagazin», dass es nicht möglich sein werde, die Testungen sofort und überall umzusetzen.

Fast parallel zu diesen Schnelltests sind seit Samstag auch Laien-Selbsttests zur Anwendung zuhause verfügbar. In den Discountern war der Ansturm, wie etwa Aldi und Lidl mitteilten, groß.

Auch in den Testzentren war am Montag zum Teil schon viel Betrieb - wie in Berlin, wo die kostenlosen Tests in 16 Zentren an den Start gingen. «Es wird gut angenommen», sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) nach Angaben eines Sprechers. Am Vormittag habe es schon mehr als 10 000 Terminbuchungen bis Ende der Woche gegeben.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, geht nicht davon aus, dass es gleich zu Beginn einen großen Ansturm auf die kostenlosen Schnelltests geben wird. Der Run werde erst größer sein, wenn daran ein konkreter Vorteil geknüpft sei, sagte Landsberg am Montag im ZDF-«Morgenmagazin». «In dem Moment, wo Sie einen solchen Test brauchen, um ins Kino, ins Theater oder sonst wohin zu gehen, dann ist einmal die Woche einfach zu wenig», sagte Landsberg. Darauf müsse man sich vorbereiten. Laut Herstellerangaben lagen Anfang März etwa 150 Millionen Schnelltests auf Halde, die an Länder und Kommunen geliefert werden könnten.

Auch die frisch gewählte Linken-Vorsitzende Janine Wissler sagte am Montag, dass es mehr als einen Test pro Woche geben müsse. «Deutlich häufigeres Testen wäre notwendig», sagte Wissler bei einer Online-Konferenz. Die Bund-Länder-Runde hätte vor neuen Öffnungsschritten erst eine Teststrategie entwickeln und umsetzen müssen, kritisierte die Linken-Chefin.

Neben dem Testen sollen Fortschritte beim Impfen die die Rückkehr zu mehr Normalität im Alltag begleiten. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) sind inzwischen mindestens drei Prozent der Bevölkerung vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Rund 2,5 Millionen Menschen haben bereits die zweite Dosis Impfstoff erhalten (Datenstand 8.3., 8.00 Uhr). Insgesamt 6,2 Prozent (circa 5,2 Millionen) haben demnach mindestens eine Dosis erhalten.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz hatte am Sonntagabend in der ZDF-Sendung «Berlin direkt» betont, dass Ende des Monats die Impfungen an Fahrt aufnehmen würden. «Bis zu zehn Millionen Impfungen pro Woche» seien dann in den kommenden Monaten möglich, sagte der SPD-Kanzlerkandidat.

Indes gibt das Infektionsgeschehen nur teilweise Anlass zur Hoffnung. Die Gesundheitsämter meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) am Montag binnen eines Tages 34 neue Todesfälle - und damit so wenige wie seit 1. November nicht mehr. Die Zahl der Neuinfektionen stieg aber mit 5011 Corona-Neuinfektionen merklich im Vergleich zum Montag vergangener Woche (4732) an. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz lag laut RKI am Montag bundesweit bei 68 - und damit höher als am Vortag (66,1).

dpa