Ingolstadt

Große Eröffnung in kleinem Rahmen

Feierlicher Start der neuen Dauerausstellung im Medizinhistorischen Museum unter Corona-Bedingungen

25.10.2020 | Stand 02.12.2020, 10:17 Uhr
Der Festakt zur neuen Dauerausstellung im Medizinhistorischen Museum ging im "Rudolf-Koller-Saal" der Volkshochschule über die Bühne. Mit Abstand, Masken und wenig Gästen. −Foto: Rössle

Ingolstadt - Zwischendurch wurde es - dem Anlass und dem Veranstaltungsort entsprechend - eine recht kurzweilige historische Exkursion, als am Sonntagmittag die neue Dauerausstellung des Deutschen Medizinhistorischen Museums in Ingolstadt eröffnet wurde (wir berichteten bereits auf einer Sonderseite am Wochenende).

Über die Bühne ging der infolge der Corona-Epidemie arg zusammengestutzte Festakt in den Räumlichkeiten der Volkshochschule Ingolstadt, genauer gesagt im "Rudolf-Koller-Saal".

Passend zum Namenspaten des Saals, dem 2002 verstorbenen langjährigen Ingolstädter Kulturreferenten und profunden Kenner der Stadtgeschichte Rudolf Koller, erinnerte Alt-Oberbürgermeister Peter Schnell in seiner Festrede an die gar nicht so ruhmreichen Anfänge des 1973 eröffneten Museums. "Ein schäbiger Rest", so Schnell, sei Ende der 1960er-Jahre übrig gewesen von der stolzen Geschichte der medizinischen Fakultät an der im Jahr 1800 aus Ingolstadt weg verlegten bayerischen Landesuniversität. Die Alte Anatomie war zur Lagerhalle verkommen und wurde erst auf Initiative des langjährigen Ärztlichen Direktors des Klinikums Großhadern, Heinz Goerke, wieder mit Leben erfüllt.

Goerke war es, der in einer Denkschrift an den Ingolstädter Stadtrat die Gründung des Medizinhistorischen Museums, damals des erste in ganz Deutschland, in die Wege leitete. Schnell erinnerte so an die Anfänge einer Institution, die heute recht glanzvoll dasteht und als das wohl bestbesuchte Ingolstädter Museum gilt.

Darauf richtete Ingolstadts zweite Bürgermeisterin Dorothea Deneke-Stoll in ihrer Rede ihren Blick. Sie hob vor allem die aktuelle Bedeutung des Museums hervor: Nachdem für die meisten für lange Jahre Seuchen als "Plagen der Vergangenheit, die uns lange nicht mehr betreffen" gegolten haben, wandelt nun Corona die Fachleute des Medizinhistorischen Museums plötzlich zu deutschlandweit gefragten Gesprächspartnern. Kulturreferent Gabriel Engert stellte diese neu gewonnene Modernität in einen größeren Zusammenhang und betonte die allgemeine Relevanz von Museen: Sie böten einen Blick zurück, der es ermögliche, die Gegenwart besser zu verstehen und die Zukunft zu gestalten.

Wie genau das Deutsche Medizinhistorische Museum mit seiner neuen Dauerausstellung diese Aufgabe zu erfüllen gedenkt, erläuterte Museumsdirektorin Marion Ruisinger in einem "virtuellen" Museumsrundgang. Dabei wurde deutlich, dass das Medizinhistorische Museum etwas ganz anderes sein will als eine manifest gewordene Hagiographie des Faches Medizin und seines zunehmenden Erkenntnisgewinns. In gewissem Maß, so Ruisinger, wolle man auch den Absolutheitsanspruch der heutigen Medizin relativieren. Wer mit offenen Augen durch das Museum gehe, erkenne, dass jede Zeit ihr eigenes medizinisches System hervorbringe, jedes in sich stimmig und schlüssig.

Als Beispiel für diese eigenwillig kluge und sehr reflektierte Sicht der Dinge mag ein Exponat stehen: Das "Handgepäck" eines modernen Arztes des 19. Jahrhunderts unter anderem mit Stethoskop und Reflexhammer steht in der neuen Dauerausstellung des Deutschen Medizinhistorischen Museums nicht etwa unter der Überschrift "Fortschritt" - sondern ist betitelt mit "Verstummen". Denn, so Ruisinger, mit zunehmender Technisierung verlor das Gespräch des Arztes mit dem Kranken zunehmend an Bedeutung, an seine Stelle traten technische Hilfsmittel, die die Diagnostik bestimmten.

Mit diesem theoretischen Rüstzeug konnten sich nur die Ehrengäste auf zur Alten Anatomie machen, um die Schau direkt in Anschein zu nehmen - nachdem auch Andreas Sarropoulos vom Förderverein des Museums und Tobias von Wolffersdorff vom Gestaltungsbüro Thöner von Wolffersdorff, das die gelungene Gestaltung der Dauerausstellung realisiert hatte, ihre Grußworte gesprochen hatten.

DK

Markus Schwarz