Geisenfeld

Gegen die Landflucht

Wolfgang Krebs gastiert mit vielen berühmten Persönlichkeiten auf dem Pindharter Brettl

16.02.2020 | Stand 02.12.2020, 11:57 Uhr
Inge Fuchs
Bäume umarmen gehöre zu den Hauptaufgaben von Markus Söder, meint zumindest Kabarettist Wolfgang Krebs. −Foto: Fuchs

Geisenfeld - "Geh zu, bleib da" prangert auf dem überdimensionalen Aufsteller mit aufgedruckter Alpenlandschaft.

Dahinter versteckt sich Wolfgang Krebs, der zunächst als Schorsch Scheberl das Podium betritt. Der umtriebige Bürgermeister von Untergamskobenzeißgrubengernhaferlverdimmering und auch Vorsitzender aller dort ansässigen 30 Vereine grantelt im tiefsten Bairisch über Zugezogene: "Ehrenämter übernehmen immer die gleichen, aber nie die ausm Neubaugebiet! " Nichtsdestotrotz habe er sich zur Aufgabe gemacht, die Landflucht zu bekämpfen - und hat neben vielen verrückten Ideen auch einige politische Mitstreiter eingeladen.

So erscheint nach einem flotten Perücken- und Jackettwechsel der ehemalige Ministerpräsident Edmund Stoiber. Dieser begrüßt alle An- und Abwesenden und verdreht in stoiberischer Manier sämtliche Formulierungen. Das Publikum kann darüber herzhaft lachen. Eigentlich war er auf dem Weg zur Fastnacht nach Veitshöchheim. Da er die aber auch in der Mediathek anschauen könne, sei er lieber nach Unterpindhart abgebogen. Er spricht sich gegen Populisten aus und verteidigt die Fridays-for-Future-Demonstranten. "Jeden Freitag Schule schwänzen, das sind 250 Fehltage pro Schullaufbahn - die Schüler beweisen also, dass ein G8 völlig ausreicht. "

"Was ich am liebsten an dir mag, das ist dein Bausparvertrag", singt dann die erfolglose Allgäuer Schlager-Kanone Meggy Montana. Mit seinem roten Trachtenjanker und der blonden Langhaarperücke erinnert die Figur an den früheren Florian Silbereisen - oder Bügeleisen, wie ihn Stoiber nennen würde. Laute Schlagermusik dröhnt aus den Lautsprechern, Montana tänzelt über die Bühne und das Publikum klatscht und singt fleißig mit. Und schon verschwindet Meggy wieder hinter dem Aufsteller.

Der nächste Charakter ist komplett schwarz gekleidet und trägt eine Glatze: Es ist Wolfgang Krebs selbst. "Ohne Haare geht das mit den Perücken viel schneller, die übrigens schon richtig mit den einzelnen Rollen verwachsen sind", erklärt er. Dass er aber auch ohne Perücken mühelos zwischen den Persönlichkeiten wechseln kann, zeigt er durch eine fiktive Talkshow mit lebenden und toten Gästen. Inge Meysel, Hans-Dieter Genscher oder Hubert Aiwanger sind dort vertreten. Letzterer freue sich übrigens sehr darüber, von Krebs parodiert zu werden. "Er hofft, dass er es dadurch auch mal zum Ministerpräsidenten schafft", erzählt Krebs.

Natürlich betritt auch noch Horst Seehofer das Podium und erzählt als "Papa Horsti" über den Jugendwahn in der CSU. Auf ein kurzes Intermezzo durch "Gschaftlhuber" Aiwanger folgt dann Markus Söder: Bayerns oberster Bienenretter und Verfechter der bayerischen Schulferien. "Wir in Bayern zahlen immer alles, also mach ma auch Urlaub wie und wann wir wollen", postuliert er. Auch König Ludwig und Angela Merkel schauen beim Rockermeier in Unterpindhart vorbei und Edmund Stoiber rundet den Abend mit einem Auszug aus seiner legendären "Zehn-Minuten-Rede" gekonnt ab.

GZ


Inge Fuchs