Franken

Fürther Klinikmanager nutzte "Schwächen des Systems"

Mit Scheinfirmen und Scheinrechnungen ehemaligen Arbeitgeber mutmaßlich um fast eine halbe Million Euro erleichtert

26.05.2021 | Stand 30.05.2021, 3:33 Uhr
Insgesamt elf Tage sind für den Prozess gegen den Klinikmanager vor dem Landgericht vorgesehen. −Foto: Pelke

Nürnberg/Fürth - Wegen Untreue in 64 Fällen und Steuerhinterziehung in elf Fällen muss sich seit Mittwoch ein 45-jähriger Manager des städtischen Klinikums Fürth vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verantworten. Die Staatsanwaltschaft ist fester Überzeugung, dass der ehemalige Personalleiter das Krankenhaus mit falschen Rechnungen um hohe Beträge erleichtert hat.

Konkret soll sich der Betriebswirt mit Scheinrechnungen an Scheinfirmen das Geld ergaunert haben. Dabei hatte der ledige Angeklagte seine Mutter als Chefin der beiden Fake-Unternehmen installiert. Nach deren Tod im Jahr 2019 ist das Kartenhaus aus Betrug und Untreue langsam in sich zusammengefallen.

Zwischen 2018 und seiner Festnahme im Februar 2020 sind mittels Scheinrechnungen an die beiden Scheinfirmen in Familienhand rund 450000 Euro zusammengekommen. 60 Mal soll der Angeklagte dabei angebliche Personalvermittlungsdienstleistungen in Höhe von rund 350000 Euro dem städtischen Klinikum als faktischer Geschäftsführer in Rechnung gestellt haben. In vier weiteren Fällen soll er für ebenfalls niemals stattgefundene Konzepterstellungen und Mitarbeiterschulungen dem Krankenhaus über 100000 Euro kassiert haben. Zudem soll der ehemalige Top-Angestellte auch die Umsatzsteuer in Höhe von knapp 123000 Euro in die eigene Tasche gewirtschaftet haben.

Mit dem Geld soll der 45-Jährige in Erlangen seiner Lebensgefährtin ein Café mitfinanziert und seinen eignen relativ extravaganten Lebensstil unterhalten haben. Beispielsweise wurde ein Porsche angeschafft. Staatsanwalt Markus Schönlau hat dem Angeklagten zum Prozessauftakt explizit vorgeworfen, "die kommunalen Klinikgelder wie sein Privatvermögen behandelt" zu haben.

Mit weißem Hemd betritt der Angeklagte um 9 Uhr den Gerichtssaal im Nürnberger Strafjustizzentrum. Im Vorfeld der Verhandlung ist zwischen Anklage und Verteidigung ein Deal nach dem Motto "Geständnis gegen Bewährungsstrafe" offensichtlich erfolglos ausgelotet worden. Während die Anwälte des Angeklagten eine zweieinhalbjährige Strafe auf Bewährung vorgeschlagen haben, soll der Staatsanwalt mindestens fünf Jahre gefordert haben. Schließlich sei die öffentliche Hand und nicht ein Privatunternehmen betrogen worden.

Da spielt es wohl auch keine Rolle, dass es dem Personalleiter offensichtlich ziemlich leicht gemacht worden ist, das Klinikum mit den zahlreichen Scheinrechnungen hinters Licht zu führen und um erhebliche Summen zu erleichtern. In der täglichen Praxis ist der Angeschuldigte laut Anklageschrift als Abteilungsleiter in der Lage gewesen, Aufträge im Namen des Klinikums Fürth an Dritte zu vergeben und eingehende Rechnungen unabhängig von deren Höhe selbst zur Zahlung freizuzeichnen. Nach der geplatzten Verständigung beantragen die Verteidiger im Namen des Angeklagten zum Auftakt der Verhandlung gleich eine Pause zur Beratung der juristischen Lage.

Nach der kurzen Unterbrechung räumt die Verteidigung im Namen des beschuldigten Mandanten ein, dass die Vorwürfe weitestgehend zutreffen und er sich mehr Geld für eine höhere Arbeitsleistung und ein Leben ohne Freizeit zubilligen wollte. Er habe die "Schwächen des Systems" ausgenutzt, um sich für seinen hohen Aufwand fast wie in einem Selbstbedienungsladen zu belohnen. Heute würde er bedauern, dass er das unzulängliche Controlling-System des Fürther Klinikums ausgenutzt habe. Ein vollständiges Geständnis seien die Einlassungen aber nicht.

So sei die Mutter bis zu ihrem Tod tatsächlich als Buchhalterin der Scheinfirmen tätig gewesen und daher für die Steuerhinterziehungen verantwortlich. Das dubiose Geschäftsgebaren des ehemaligen Personalleiters war erst durch den Tod der Mutter langsam ans Licht gekommen, weil der Angeklagte vergessen hatte, nach dem Tod der Mutter im Jahr 2019 rechtzeitig eine neue Geschäftsführerin für die Scheinfirmen zu installieren.

Für den Prozess sind insgesamt elf Verhandlungstage vorgesehen. Das Urteil soll im August vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth gesprochen werden.

HK

Nikolas Pelke