Thalmässing

Für Nahwärme stehen Signale auf Grün

Interesse der Bürger an Verbund ist deutlich größer als früher - Fraktionen beraten über Untersuchung

20.05.2021 | Stand 23.05.2021, 3:33 Uhr

Thalmässing - Ganz anders als noch vor wenigen Jahren schaut heute die Akzeptanz der Bürger für einen Nahwärmeverbund aus.

Zwei Drittel der befragten Anlieger im Ortskern können sich vorstellen, ihr Anwesen an eine zentrale Anlage anschließen zu lassen. Das hat eine Untersuchung des Instituts für Energietechnik (IfE) ergeben, deren Ergebnisse Professor Markus Brautsch in der jüngsten Sitzung des Thalmässinger Marktrats vorstellte.

Einen Beschluss über eine Realisierung des Wärmeverbundes mussten die Mitglieder des Marktrats in der Sitzung nicht fassen, sie diente vor allem der Information, um eine Orientierungsgrundlage für weitere Entscheidungen zu haben. Das Thema Nahwärme ist in Thalmässing nicht neu. Schon im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) ist es laut Bürgermeister Georg Küttinger (TL) eine wichtige Säule für die Themen "Klimaschutz und Nachhaltigkeit" gewesen. Allerdings war vor einigen Jahren die Zeit wohl noch nicht reif und das Interesse an einem solchen Projekt zu gering, um es tatsächlich umsetzen zu können. Stark steigende Kosten für die CO2- Bepreisung und die politisch gewollte Abkehr von Ölheizungen machen heute einen Nahwärmeverbund aber attraktiver.

Schnell hat sich herausgestellt, dass die nördliche Nürnberger Straße aus dem Gebietsumgriff herausgenommen werden muss, weil es hier zu wenig Anschließer gibt. Zur Diskussion steht ein großes Netz mit den kommunalen, privaten und gewerblichen Gebäuden und einem Heizwerk auf einer kleinen Dreiecksfläche beim Anwesen Bauer oder, falls das nicht realisierbar ist, ein kleinerer Umgriff mit kommunalen Liegenschaften und einem neuen Heizkessel im Keller des Sparkassengebäudes, das auch der Kommune gehört.

Markus Brautsch stellte alle Varianten vor - die möglichen Beiheizungsarten, Investitions- und Wärmekosten, den sehr wichtigen Faktor CO2- Bepreisung oder auch Förderprogramme. Sein Fazit: Wenn ein Privatmann seinen Ölkessel sowieso erneuern muss, dann ist ein Anschluss an einen Nahwärmeverbund durchaus konkurrenzfähig. Zumal es auch etliche Fördertöpfe gibt, die die Hausbesitzer nutzen können.

Vorerst als Favorit - auch aus wirtschaftlicher Sicht - hat sich die große Lösung die Beheizung über einen Hackgutkessel mit Flüssiggas für die Spitzenlast und Solarthermie herauskristallisiert. Die Wärmegestehungskosten wären hier mit 10,9 Cent pro Kilowattstunde um 0,4 Cent höher als bei der Variante ohne Solarthermie, dafür sind die CO2- Emissionen mit 88 Tonnen pro Jahr etwas niedriger. Dass bei diesem Verbund eine Hackschnitzelheizung - anders als beim Sportzentrum und der Schule - zum Zug kommen könnte, gefällt der CSU-Fraktion besonders, wie Michael Kreichauf (CSU) hervorhob. Entschieden ist aber noch gar nichts. Die Fraktionen werden sich jetzt erst einmal mit der 50-seitigen Präsentation auseinandersetzen, bevor das Thema dann in einer der nächsten Marktratssitzungen wieder auf die Tagesordnung kommt.

Noch nicht beantwortet ist im Moment auch die Frage, ob die Kommune das Netz selbst betreibt oder ob es einen externen Betreiber gibt. Ob der dann die fertige Anlage übernimmt - im Moment rechnet Brautsch mit Investitionskosten von rund 1,3 Millionen Euro - oder einen Teil selbst baut, ist ebenfalls noch völlig offen.

al