Ingolstadt

Familie statt Fußball

Beim Ex-Ingolstädter Christian Träsch zeichnet sich das Karriereende ab - eine Hintertür lässt er sich aber offen

21.10.2019 | Stand 02.12.2020, 12:48 Uhr
Christian Träsch. −Foto: Bösl

Ingolstadt (DK) Melbourne oder Montreal? Hauptsache Familie. So oder so ähnlich kann man den legendären Spruch von Andreas Möller abwandeln, wenn es um die weitere Karriere von Christian Träsch geht. Denn nach einigen Angeboten und Absagen deutet sich beim ehemaligen Profi des FC Ingolstadt immer mehr das Ende seiner Laufbahn an. Der 32-Jährige lässt sich aber noch ein Hintertürchen auf – und kann sich eines Tages auch eine Rückkehr zu den Schanzern vorstellen.

Inzwischen ist bei Träsch aber "der normale Alltag eingekehrt", wie er verrät. Dieser schaut dann beispielsweise so aus, dass er seine Tochter Tamina von der Grundschule abholt und gemeinsam mit der Erstklässlerin die Hausaufgaben macht. "Ich bin ein Familienmensch, deshalb hat die Familie gerade oberste Priorität", erzählt der zehnfache Nationalspieler und 207-malige Bundesligaprofi.

Dabei sah es lange Zeit danach aus, dass der Mittelfeldspieler nach seinem Aus beim FCI einen neuen Verein findet - und die Aufgaben klangen durchaus reizvoll. So lag Träsch vom australischen Erstligisten Melbourne Victory um Trainer Marco Kurz ein unterschriftsreifer Vertrag vor. Auch die Champions-League-Teilnehmer Roter Stern Belgrad und Dinamo Zagreb gaben Angebote ab. Doch der 32-Jährige lehnte der Familie wegen stets ab. "Ich hatte eine schöne Karriere, dass ich so denken kann", erklärt Träsch, der hierzulande auch mit Zweitligist Hannover 96 in Verbindung gebracht wurde und zuletzt noch mit einem Wechsel in die nordamerikanische Major League Soccer (MLS) liebäugelte. Sowohl Montreal Impact als auch die Vancouver Whitecaps sagten dem Rechtsfuß jedoch ab. "Weil ich zu alt bin. Der Jugendwahn im Fußball geht immer weiter. Ich bin aber nicht traurig", meint der 32-Jährige.

Auch wenn Träsch mit sich im Reinen ist und die ungewohnte Freizeit genießt, will er das Kapitel Profifußball noch nicht endgültig schließen. "Der Fußball hat einen großen Teil meines Lebens bestimmt. Deswegen wäre es schön, wenn noch was gehen würde", meint der gebürtige Ingolstädter, der als vertragsloser Spieler jederzeit einen neuen Vertrag unterschreiben könnte.

Um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein, hält sich der Rechtsfuß seit einigen Wochen beim VfB Eichstätt fit. "Das ist eine sehr sympathische Truppe mit Jungs, die echt gut kicken können", sagt Träsch über den Regionalligisten, bei dem er dreimal pro Woche mittrainiert. "Wir haben aber klar kommuniziert, dass ich vorerst nicht spielen werde. " Zudem wechselt er gelegentlich die Sportart und duelliert sich auf dem Tennisplatz mit dem ehemaligen Ingolstädter Marcel Hagmann. Nach elf Jahren als Profi sei der Bewegungsdrang schließlich immer noch da. "Das ist wie eine Droge", so Träsch.

Alles andere als berauschend lief für den Routinier sein abruptes Ende beim FCI im vergangenen Sommer. Sein anfängliches Unverständnis über die Entscheidung von Sportchef Michael Henke, den Neuanfang in der 3. Liga ohne den Routinier zu bewältigen, ist inzwischen aber längst verflogen. "Ich hege gegen niemanden einen Groll. Ich habe den Verantwortlichen meine Meinung zu der Entscheidung gesagt, und damit war das Thema erledigt", versichert Träsch.

Stattdessen stellt er sogar eine Rückkehr zu den Schanzern in Aussicht. "Ich könnte mir definitiv vorstellen, beim FCI in ein paar Jahren eine Aufgabe zu übernehmen", sagt er und ergänzt: "Denn ich bin überzeugt, dass man aus dem Klub etwas Großes machen kann. " In welcher Funktion ließ Träsch zwar offen. Der gebürtige Ingolstädter ließ jedoch durchblicken, dass er auch einem Posten im Aufsichtsrat - das Gremium soll ohnehin verjüngt und mit mehr Fußballkompetenz ausgestattet werden - nicht abgeneigt wäre.

Noch aber bestimmt die Familie um Ehefrau Jennifer und die beiden Töchter Tamina und Thalea den Alltag von Träsch, der in dieser Saison noch kein einziges Spiel der Schanzer verfolgt hat. Doch auch das könnte sich schon bald ändern. Denn wie der 32-Jährige verrät, soll er das Auswärtsspiel des FCI bei Eintracht Braunschweig (2. November) für RadioIN als Experte begleiten.
 

Julian Schultz