Ingolstadt

„Es ist ein ganz großer Aufwand“

Seit Montag wird an der 1800 Quadratmeter großen Eisfläche in der Saturn-Arena gearbeitet

27.07.2017 | Stand 02.12.2020, 17:44 Uhr
Der Feinschliff: Sergei Kießler (links) und Thomas Kessler kümmern sich um die Eiswerbung auf der Fläche in der Saturn-Arena. Dabei ist es wichtig, dass keine Lufteinschlüsse entstehen. Am nächsten Donnerstag hält der ERC hier wieder sein erstes Training ab. −Foto: Eberl

Ingolstadt (DK) Markus Lazarus arbeitet eine Woche lang mit seinen Kollegen an der Eisfläche in der Saturn-Arena. Für eine perfekte Schicht des gefrorenen Wassers braucht es langjährige Erfahrung und Feingefühl.

Die Digitalanzeige über dem Tribühnenrang zeigt 16 Grad an – gefühlt sind es minus zwei Grad. Mit Mütze, langer Hose und dickem Wollpullover stehen zwei Männer im Hochsommer in der Mitte der Saturn-Arena. Der eine spritzt mit einem Schlauch Wasser auf die weiße Bodenfläche, der andere verteilt zügig die Flüssigkeit mit einem Schieber – binnen Sekunden gefriert das Wasser. Seit Montag wird die Fläche für die Eishockeysaison und Schlittschuhfahrer vorbereitet.

„Die Betonplatte kann man sich wie eine Fußbodenheizung vorstellen – nur umgekehrt“, erklärt Eismeister Markus Lazarus. In der 1800 Quadratmeter großen Betonfläche sind spiralförmig Leitungen eingebaut. Diese werden auf minus acht Grad heruntergekühlt. Anschließend wird mit zwei Schläuchen enthärtetes Wasser auf die Fläche gespritzt – kalkhaltiges würde die Werbung verdecken. „Der Prozess muss langsam gemacht werden, damit keine Luft eingeschlossen wird“, betont Lazarus.

Ist die zwei Millimeter dicke Unterschicht auf dem Betonboden, wird eine Kalkschicht aufgetragen. „Für die Fläche brauchen wir 18 bis 20 Säcke je 20 Kilogramm“, schildert Thomas Kessler von der Eisaufbau-Firma Züko. Mit einer speziellen Maschine wird der Kalk mit Wasser vermischt und auf die dünne Eisschicht aufgetragen. „Nur so sieht man nicht mehr den grauen Betonboden, sondern eine schöne weiße Fläche“, so Kessler weiter. Neben den Tausenden von Litern für die insgesamt nur fünf Zentimeter dicke Eisschicht benötigen die Arbeiter für das Kalk-Wasser-Gemisch nochmals 1500 Liter Wasser. Drei Stunden brauchen Kessler und seine Kollegen für die 1800 Quadratmeter große Fläche. Denn: „Es wird zweimal eingeweißt.“

Sind dann die Spielfeldmarkierungen und die Werbung aufgetragen, heißt es wieder: Wasser marsch. Eine drei Millimeter dicke Eissicht wird diese Saison die eingefrorenen Werbefolien vor den Kerben der Schlittschuhe schützen. Wieder muss langsam das Wasser auf die Fläche gespritzt werden. Nach einer halben Stunde verwandelt sich dann das Wasser zu einer Eisschicht. Ein leichter Nebel bedeckt den Boden der Saturn-Arena. „Es ist ein ganz großer Aufwand“, betont Lazarus, der seit elf Jahren Eismeister in der Saturn-Arena ist.

Anschließend kann mit der Eismaschine auf der Fläche gefahren werden. Direkt neben der Eishalle parken in einem Raum drei Eismaschinen – jede ist gut zwei Meter hoch. Hinten an dem Fahrzeug ist ein Messer angebracht, das hauchdünn die Eisschicht abträgt und eine neue Wasserschicht aufspritzt. „Nach einem ERC-Training fahren wir zweimal“, erklärt Lazarus – zweimal trocken und zweimal nass. Bei der Trockenfahrt wird die Eisschicht mit den Spurrillen abgetragen. Bei der Nassfahrt wird von dem 1600-Liter-Wassertank der Maschine die neue Eisschicht aufgespritzt. „Wir brauchen für einen Durchgang rund 800 bis 900 Liter Wasser“, so Lazarus weiter. Nach dem Sommereislauf, jeden Samstagabend im August können die Ingolstädter auf das Eis, muss nur einmal nass und trocken gefahren werden – die Kerben und Löcher sind bei den Hobbyschlittschuhläufern nicht so tief.

Eine Woche arbeiten die Eismeister an der fünf Millimeter dicken Schicht. Zwar reicht lediglich die Bodenkühlung für die gewünschten Minusgrade auch im Sommer aus, trotzdem ist der Unterhalt kostspielig: Rund 2000 Euro verschluckt die Fläche täglich an Strom und anderen Nebenkosten. Die Hockeyspieler des Hauptmieters ERC können bereits am kommenden Donnerstag ihre ersten Runden auf dem neuen Eis fahren. Die Ingolstädter müssen sich noch etwas gedulden: Ab Samstag, 5. August, dürfen sie ihre Pirouetten von 19.30 Uhr bis 22 Uhr beim Sommereislauf drehen. Die kleine Schwester der Saturn-Arena wird erst für den September vorbereitet.