Riedenburg

Ein Zigeuner aus dem Altlandkreis

Erich Schreiber ist der neue Baron der Riedenburger Faschingsfreunde- Niklas Lösch wird zum Kinderbaron bestimmt

20.10.2019 | Stand 02.12.2020, 12:48 Uhr
  −Foto: Schmied

Riedenburg (DK) Gefragt worden ist er eigentlich nicht - anstandshalber halt, allerdings nur pro forma.

Gewehrt hat er sich aber auch nicht: Erich Schreiber aus Hexenagger ist der neue Baron der Riedenburger Faschingsfreunde. Die Zigeuner um ihren Chef Berni Schmid hievten ihn gemäß der Tradition mit ihrem Schlachtruf "Heinerle - Zigeinerle" per Stuhl auf den Tisch. Ebenso den neuen Kinderbaron Niklas Lösch, der in der anstehenden Faschingssaison seinen Bruder Florian ablöst.

Diesmal hatten die Zigeuner leichteres Spiel als im Jahr zuvor. Um Hans Dürschinger zu inthronisieren, bedurfte es der Manneskraft vierer Herren, um den Stuhl samt Baron auf dem Tisch zu platzieren. Vorangegangen war dem ein halbherziger und so auch ziemlich misslungener Fluchtversuch des Auserwählten. "Da habt ihr mich ziemlich überrumpelt", meinte Hans Dürschinger. Sein Fazit nach seinem Jahr als Regent über die narrische Zeit in Riedenburg fällt umso positiver aus: "Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Ich würde es wieder machen", betonte er. Die ausgelassene Reaktion der versammelten Faschingsfreunde ließ vermuten, dass man ihn eines Tages tatsächlich beim Wort nehmen könnte.

Nun ist aber erst einmal Erich Schreiber dazu aufgerufen, die ehrenvolle Aufgabe auszufüllen. Hans Dürschinger ließ es sich nicht nehmen, bei der Inthronisation seines Nachfolgers mit Hand anzulegen, so war der neue Baron recht schnell über sein Volk platziert. Den Gürtel, den er beim Sturm aufs Riedenburger Rathaus am 11. November umgelegt bekommt, muss er allerdings wieder etwas verkleinern. "Der Hans hat gewusst, wie er sich aus der Patsche hilft: Die 40 Zentimeter zusätzlich sind gar nicht aufgefallen. Da hat er mit Nieten und Ösen sauber gearbeitet", lobte Zigeunerchef Berni Schmid und dankte Dürschinger für sein Engagement: "Hans, du hast es verdient gehabt, dass du Baron wirst. "

Der neue Herrscher über den Zigeunerfasching fragte erst einmal bei seinem Volk nach, ob es in Ordnung sei, wenn er die Aufgabe übernehme - schließlich sei er ja quasi ein Auswärtiger. Bürgermeister Siegfried Lösch (CSU) konterte mit "Altlandkreis". "Mich hat man schon öfter gefragt, aber ich habe immer gesagt, es soll lieber ein Riedenburger machen", sagte der Hexenaggerer. Davon wollten die gut 30 Anwesenden aber nichts hören. Die Freude war groß über einen neuen Baron.

Dieser ist auch gar kein Unbekannter. Seit der Zigeunerfasching in Riedenburg vor einem guten Jahrzehnt wiederbelebt wurde, mischen auch die Hexenaggerer mit. "Wir unterstützen die Riedenburger von Anfang an, waren schon mit 60 bis 70 Leuten beim Umzug dabei", verriet Erich Schreiber im Gespräch mit unserer Zeitung. "Ohne diese Unterstützung gäbe es den Riedenburger Fasching in dieser Form nicht", ergänzte Berni Schmid. Und noch ein schlecht gehütetes Geheimnis kam bei dieser Gelegenheit ans Licht: Es gab eine inoffizielle Inthronisation beim Sommerfest der Zigeuner in Kastlhof. Die Erinnerung an die Zeremonie war noch sehr lebendig: So kam nicht nur der Baron auf den Tisch, sondern auch die eine oder andere launige Anekdote.

Der neue Kinderbaron dürfte mit seinem erwachsenen Pendant zufrieden sein. Irgendwie hat sich auch Niklas Lösch den Hexenaggerer ausgesucht, als Berni Schmid ihn fragte, wer denn sein großer Baronbruder sein soll. "Der mit dem Leiberl", meinte der Achtjährige, der seinen Bruder Florian Lösch im Amt ablöst. Die Wahl nahm er an, vorher überlegte er aber schon genau, ob er es auch wirklich machen kann. "Ich hab doch nächstes Jahr Kommunion. Da hab ich dann keine Zeit", meinte er erst. Auch diese trockene Aussage quittierten die Zigeuner mit guter Laune.

Bürgermeister Siegfried Lösch (CSU), der nun schon den zweiten Kinderbaron unter seinem Dach beherbergt, lud die Zigeuner zum Sturm aufs Rathaus am 11.11. herzlich ein. Gulaschsuppe und Getränke sponsert wie jedes Jahr die Stadt. "Ihr seid ein toller Verein. Jeder Verein hat einen harten Kern an Aktiven, aber auch die passiven Mitglieder sind wichtig, weil sie zu den Einnahmen beitragen. Euer Arbeiterstab ist bemerkenswert", sagte der Rathauschef und griff damit ein Thema auf, das Zigeunerchef Berni Schmid in seinem Bericht über das abgelaufene Jahr angesprochen hatte. Laut Liste habe der Verein 200 Mitglieder, immer mit von der Partie seien 20 bis 30 Personen, so Schmid. "Der Fasching lebt und fällt mit euch. Wenn das nächstes Jahr wieder so funktioniert, können wir zufrieden sein", betonte er.

Die zurückliegende Faschingssaison bewertete Berni Schmid als sehr positiv. Der Umzug des närrischen Treibens am Faschingsdienstag vom Marktplatz auf den Volksfestplatz habe sich bewährt und soll auch im kommenden Jahr in dieser Form stattfinden. Man überlege noch, ob man am Nachmittag zu Kaffee und Kuchen das nächste Mal lieber eine Blaskapelle als einen Discjockey engagieren soll, die dann bis gegen 18 Uhr spielt.

Auch das besagte Sommerfest sei gut angekommen. Bei der dabei abgehaltenen Sommerolympiade habe man sich an Spielen wie Freischwimmen in der Badewanne oder Mund-zu-Mund-Beatmung versucht. "Das war eine tolle Geschichte, das werden wir auf jeden Fall wieder machen. Der, der nicht dabei war, hat was versäumt. " Der Wunsch aus der Zigeunerriege lautete vor diesem Hintergrund, dass man die Termine geplanter Aktionen frühzeitig bekannt gibt. So will man sich nun schon Anfang des Jahres Gedanken machen, wohin ein Tagesausflug im kommenden Herbst führen könnte.
 

Kathrin Schmied