Deising

Ein "Wüstenschnaps" auf die Patenschaft

04.10.2017 | Stand 02.12.2020, 17:24 Uhr

Foto: Lorenz Erl

Die Feuerwehr Riedenburg bittet die Kollegen in Meihern um die Übernahme der Patenschaft für das Gründungsfest zum150-jährigen Bestehen. Doch zuvor muss die Suppe ausgelöffelt und ein Stamperl "Wüstenschnaps" gekippt werden.

Deising (DK) Patenbitten ist kein Zuckerschlecken - zumindest nicht für "Häuptlinge". Bürgermeister Siegfried Lösch (CSU), Robert Egerer, Hans Bühler und die anderen Führungspersönlichkeiten der Stützpunktfeuerwehr Riedenburg wissen das. Auch Georg Schels und Konrad Halbig von der Feuerwehr Meihern, zu denen sie am Montagabend mit der Bitte um Übernahme der Patenschaft für ihr 150-jähriges Gründungsfest kamen, kennen die Rituale. "Leicht machen wir es ihnen nicht", hatte der Vereinsvorsitzende Georg Schels seinen vielen Feuerwehrkameraden schon im Vorfeld versichert und damit die Stimmung angeheizt.

Mehr als 70 Männer und Frauen in blauen Uniformjacken und dazu einige Ortsbewohner am Wegrand warteten bei Nieselregen im neuen Feuerwehrhaus in Deising auf diese erste offizielle Festlichkeit am neuen Gebäude - lange noch vor dessen Einweihung. Die Folterinstrumente für das Patenbegehren waren vorbereitet, denn ohne ernsthafte körperliche Prüfung läuft so etwas nicht. Eine kräftige Rinderbrühe zu den fein geschnittenen Pfannkuchenstreifen stand schon auf der Wärmeplatte, denn die Suppe auszulöffeln, gehört zum Ritual. Zudem lag ein grün umkränztes Saugrohr auf dem frisch gepflasterten Vorplatz, denn schließlich kann die Patenbitte nur kniend vorgebracht werden - so ist es eben nach Altväter Sitte.

Mehr als nur ein Akt der Höflichkeit war es aber, die wartenden Gäste aus der Kernstadt mit klingendem Spiel gemeinsam vom anderen Ende der Brücke zur improvisierten Kniebank ans Feuerwehrhaus zu geleiten. "Es ist eine Ehre für uns, dass uns die Stützpunktfeuerwehr als Paten ausersehen hat - so wie vor 25 Jahren", bedankte sich Kommandant Konrad Halbig bei der 70-köpfigen Delegation für die treue Freundschaft.

Dem Brauch entsprechend, kann so eine Patenbitte nur kniend und in Versen vorgetragen werden. "Ihr seid's guade Nachbarn, drum wollen wir's wagen, euch unsere Bitt' um die Patenschaft anzutragen. Und außerdem war 1993 a Fahnenweih' und ihr als Patenverein wart's damals schon dabei", formulierte der Vereinsvorsitzende Robert Egerer im Ritual. Zuvor hatte die Fahnenmutter Elisabeth Bachhuber die Bitte bereits auf ihre charmante Art vorgetragen. "Zu dem schönen Fest, da braucht man - wie könnt's anders sein, seit jeher einen guten Patenverein", schmeichelte sie.

Die Zusage von Georg Schels und Konrad Halbig im Namen ihrer Feuerwehrkameraden war dann nur noch Formsache. "Euer Anliegen bleibt nicht ungehört, denn die Kameradschaft mit euch hat sich stets bewährt", sagte Schels, zumal die knienden Gäste eine weitere Prüfung im wörtlichen Sinn mit Hängen und Würgen bestanden hatten. Die Paten hatten ihnen ein Stamperl Semmelbrösel als "Wüstenschnaps" kredenzt. Zum Beweis, dass sie die trockene Masse tatsächlich geschluckt hatten, durfte jeder von ihnen ein paar Takte pfeifen. "Da bekommst du keine Spucke mehr in den Mund", verriet Egerer nach der Tortur und nach einem erlösenden Schluck Bier.

Die Verbundenheit mit den Kameraden aus Riedenburg ist für Kommandant Konrad Halbig mehr als nur eine Formsache. "Ein Feuerwehrmotto heißt: Wenn die Katastrophe naht, komm, hilf mit und sei bereit. Ihr wart immer bereit, auch bei den Hochwassereinsätzen hier. Wir sind bei Regen und Schnee beisammen gestanden - das schweißt zusammen", betonte er.

Eine letzte feuerwehrtypische Prüfung aber hatten Halbig, Schels und ihre Kameraden dennoch vorbereitet. Lösch, Egerer und Riedenburgs Kommandant Hans Bühler mussten gemeinsam über drei Spritzrohre an einem Verteilerstück viel Luft in einen B-Schlauch blasen. Ein feuerwehrroter Luftballon am Ende des Rohres zeigte den aufgebauten Druck an. Schon nach erstaunlich kurzer Zeit platzte die Gummihülle mit lautem Knall. Letzterer war zugleich das Signal, zwei von den Gästen im Leiterwagerl mitgebrachte Bierfässer anzuzapfen und Brezen sozusagen als Vorspeise zu verteilen. Denn zu weiterem Freibier und deftigem Schweinebraten spielten Mitglieder der Riedenburger Stadtkapelle die verbrüderten Feuerwehrleute bald schon in den trockenen und gemütlich warmen Himmelreichstadel.