Breitenbrunn

Ein Stück Heimatgeschichte erlebbar gemacht

Staatsminister Albert Füracker zeichnet das Tillyfest im Kaisersaal der Nürnberger Burg mit dem Heimatpreis Nord aus

09.04.2019 | Stand 02.12.2020, 14:14 Uhr
Den Heimatpreis Nord überreichte Finanzminister Albert Füracker an die Breitenbrunner Delegation. Die Urkunde nahm Bürgermeister Johann Lanzhammer entgegen. Den Bayerischen Löwen Karl Ferstl, der Darsteller des Grafen von Tilly. −Foto: Sturm

Breitenbrunn/Nürnberg (swp) Die Marktgemeinde Breitenbrunn ist am Montagabend mit dem Heimatpreis Nordbayern für die Ausrichtung des Historischen Tillyfests ausgezeichnet worden. Im Kaisersaal der Nürnberger Burg überreichte Finanz- und Heimatminister Albert Füracker (CSU) die Auszeichnung bei einem Festakt.

"In Anerkennung der herausragenden Verdienste um die bayerische Heimat und für Erhalt, Pflege und Förderung des bayerischen Brauchtums verleihe ich dem Historischen Tillyfest Breitenbrunn den Heimatpreis Nordbayern." Mit diesen Worten überreichte Füracker die hohe Auszeichnung, verbunden mit einer Urkunde und der Porzellan-Skulptur des Bayerischen Löwen, an die Macher des weithin bekannten Historienspektakels. Die Überraschung in Breitenbrunn war riesig groß, als die Meldung eintraf, dass das Tillyfest mit dem Heimatpreis Nordbayern ausgezeichnet werden sollte.

Mit einem Bus machte sich am späten Montagnachmittag eine Delegation auf den Weg in die Frankenmetropole. Mit dabei waren Bürgermeister Johann Lanzhammer (FW) und die Mitglieder des aktuellen Organisationsteams um Mathias Habermann, Heidi Ehrl und Angelika Lehner. Bei ihnen laufen seit Jahrzehnten die Fäden der Organisation zusammen. Mit dabei waren auch Josef Ehrl, der lange Zeit den Herold mimte, und natürlich Karl Ferstl, der schon drei Jahrzehnte lang in die Rolle des Grafen Johann Tserclaes Graf von Tilly schlüpft.

Der Rittersaal in der Kaiserburg war festlich geschmückt, Kerzenlicht und Farbillumination sorgten für ein besonderes Ambiente. In einer Fensternische harrten acht bayerische Löwen der Dinge, die da kamen. Eine illustre Gästeschar gab sich ein Stelldichein. Für die musikalische Umrahmung sorgten unter anderem das Jugendmusikkorps der Stadt Bad Kissingen in historischer Uniform sowie mit Klavierspiel und Gesang die Frankenfestspiele Röttingen.

Ein sichtlich gut gelaunter Staatsminister sagte in seinen Begrüßungsworten: "Es freut mich ganz besonders, dass regionale Identität und Heimatpflege zum meinem Ministerium gehören. Das kulturelle Erbe Bayerns mit seinen vielfältigen Bräuchen, Traditionen und Fertigkeiten zu bewahren, ist wesentlicher Bestandteil der Heimat Bayern und eine wunderbare Aufgabe."

Bayern sei für seine Natur, seine Kultur und seine Traditionen auf der ganzen Welt berühmt. Der Norden sei besonders reich an einzigartigen Baudenkmälern. Heimat bedeute auch eine Lebensart, die in den Herzen der Menschen verankert sei. Zum bayerischen Heimatgefühl gehöre es, Weltoffenheit, Fortschritt und die Liebe zur Tradition miteinander zu verbinden.

"Unser steinernes Vermächtnis wie die Kaiserburg ist zwar ein idealer Rahmen für den Festakt Heimat Bayern, aber heute steht nicht die Burg im Mittelpunkt, sondern die Würdigung unserer Mitmenschen, die sich ehrenamtlich für unsere Heimat Nordbayern engagieren." Mit diesen Worten kam Füracker zur Verleihung des Heimatpreises Nordbayern. Mit dem würden Menschen ausgezeichnet, welche Lebensart und Traditionen pflegten und die kulturelle Vielfalt bereicherten und erhielten. Sie alle würden dafür Sorge tragen, dass Bräuche fortbestehen und an zukünftige Generationen weitergegeben werden. "Bayern soll für die Bewohner in allen Landesteilen eine attraktive und starke Heimat bleiben. "Das ist auch eine wichtige Aufgabe und eine beachtliche Herausforderung für das Heimatministerium in Bayern", betonte der Staatsminister.

Acht Vereine, Bräuche und Feste bekamen Heimatpreis und Bayerischen Löwen: das Bergwaldtheater Weißenburg, der Bürgermeisterchor im Landkreis Ansbach, die Bamberger Sandkerwa, die Kulmbacher Bierwoche, die Frankenfestspiele Röttingen, das Jugendmusikkorps der Stadt Bad Kissingen, die Oberpfälzer Zoiglkultur, für die Kommandant Norbert Neugirg von der Altneihauser Feierwehrkapelln in bekannt humorvoller Art als Botschafter fungierte, und eben das Historische Tillyfest Breitenbrunn.

Die Freude war der Breitenbrunner Delegation ins Gesicht geschrieben, als sie die Bühne zur Preisverleihung betrat. Bürgermeister Lanzhammer nahm die Urkunde entgegen und bedankte sich im Namen der Marktgemeinde sowie aller Gruppen und Mitwirkenden, die das Tillyfest über 30 Jahre hinweg geprägt und zu einem großartigen Erfolg haben werden lassen. Tilly-Darsteller Ferstl hielt stolz den Porzellan-Löwen in der Hand. Füracker sagte in seiner Laudatio: "Das durch die Gemeinde Breitenbrunn mit zahlreichen Vereinen organisierte Tillyfest erinnert an den herausragenden Feldherrn im Dreißigjährigen Krieg. Graf von Tilly erhielt 1624 Breitenbrunn als Dank vom Kurfürsten Maximilian von Bayern. Er und seine Erben haben für Breitenbrunn und Umgebung viel geleistet." Das Historienfest mit historischem Lager und Umzug ermögliche an zwei Tagen eine beeindruckende Zeitreise und mache dank des großartigen Engagements der zahlreichen Mitwirkenden ein Stück Heimat der Vergangenheit in Gegenwart und Zukunft erlebbar.

 

 

Diskussionsrunde mit prominenten Gästen

Breitenbrunn (swp)  Auch Regierungspräsident Axel Bartelt und Landrat Willibald Gailler haben es sich  nicht nehmen lassen, der Breitenbrunner Abordnung  vor Ort   zu gratulieren und mit ihr nach dem Festakt zu feiern. 


 Landrat Gailler betonte, dass das Tillyfest ein kultureller Höhepunkt im Landkreis  sei, den man gerne unterstütze. Hier werde die Vergangenheit auf  einzigartige Art und Weise erlebbar gemacht und in die Zukunft getragen. Bürgermeister Lanzhammer präsentierte mit berechtigtem Stolz die Urkunde. „Dieser Preis ist eine hervorragende Sache und eine große Anerkennung. Darauf dürfen wir stolz sein, denn er ist auch eine Auszeichnung für alle Gruppen, Vereine und Akteure sowie für all diejenigen, die sich seit drei Jahrzehnten mit Leidenschaft und ehrenamtlich um die Organisation kümmern“, so Lanzhammer. Er  dankte ganz besonders Heimatminister  Füracker, der das Tillyfest für die Auszeichnung  vorgeschlagen habe. 
Mathias Habermann, der  Sprecher des Organisationskomitees, meinte: „Mit dieser Auszeichnung wird die Arbeit vieler gewürdigt und sie ist ein Ansporn für uns, das Tillyfest weiterzuführen.“ Es passe gut, dass der Preis vom Heimatministerium verliehen werde, denn Heimat sei  ein  wichtiger Bestandteil und eine Antriebsfeder für das Tillyfest. 


Im Jahr 1988 hatte der Gewerbeverband Breitenbrunn das erste Mal ein historisches Marktfest initiiert und 1991 übernahm die  Gemeinde die Organisation des Tilly-Festes im Zusammenwirken mit vielen Vereinen und Gruppen. Gut zwei Jahrzehnte lang kümmerte sich Heidi Ehrl zusammen mit ihrem Ehemann und  vielen weiteren Mitstreitern um die Organisation.  Sie sagte: „Es war uns immer ein großes Anliegen, mit dem Tillyfest  die Geschichte von Breitenbrunn sowie das Erblühen des Ortes auf vielen Ebenen während der Zeit derer von Tilly und während des Zeitraums der Reichsfreiheit erlebbar zu machen.“ 


In einer lockeren Gesprächsrunde, moderiert von Staatsminister  Füracker, sprachen der Kabarettist Michl Müller, die Äbtissin des Kloster Waldsassen,  Laetitia Fech, die   Oberfränkische Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz und der ehemalige Fußballprofi des 1. FC Nürnberg, Marek Mintal, über das Thema „Heimat Bayern“. Dabei legten alle ihre Sichtweisen dar. Die Äbtissin, eine bayerische Schwäbin,   sagte: „Heimat ist für mich ein Ort, wo ich mich wohl fühle, wo Menschen sind, denen ich verbunden bin“. Auch Migration war ein Thema. Und da der Minister waschechter Oberpfälzer ist und Michl Müller ein Franke, wie er leibt und lebt, wurde mit viel Humor   der Unterschied zwischen den beiden bayerischen Stämmen herausgearbeitet.